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20. September 2009, 14:03 Uhr

Hollywoods trickreiche Hitfabrik

Zehn Filme, zehn Volltreffer: Auch die neueste Pixar-Produktion "Oben" räumt in den Kinos wieder kräftig ab. Was ist eigentlich das Erfolgsgeheimnis der Computertrick-Pioniere aus Kalifornien? Von Karsten Lemm

Pixar, John Lasseter,

Gut gehütete Geheimnisse verbergen sich in der Zentrale von Pixar© Justin Sullivan/Getty Images

Nein, sie haben es sich nicht leicht gemacht. Mehr als vier Jahre Arbeit stecken in "Oben", dem jüngsten Werk der Trickfilmschmiede Pixar. Und ehe es überhaupt richtig losgehen konnte für die mehr als 100 Grafiker, Trickzeichner, Softwarespezialisten und Technischen Direktoren, machte sich ein Teil von ihnen auf in den Urwald. Tagelang kämpften sich Regisseur Pete Docter, Produzent Jonas Rivera und ihre Kollegen durch das Hochland von Venezuela, um die magische Welt der Tepuis zu erkunden - so heißen die Tafelberge, umgeben von Regenwald, so abgeschieden, dass manche bis heute kein Menschen betreten hat. "Wir fanden, dass wir das alles erstmal selbst erleben müssen, wenn wir es in unserem Film karikieren wollen", sagt Rivera im Gespräch mit stern.de.

"Oben" erzählt die Geschichte eines 78-jährigen Witwers, der eines Tages mitsamt seinem Haus, das an Tausenden Luftballons hängt, einfach davonfliegt, weil er sich und seiner verstorbenen Frau ein Versprechen erfüllen will: einmal nach Südamerika reisen und die paradiesischen "Paradise Falls"-Wasserfälle besuchen. An seiner Seite: ein pummeliger achtjähriger Pfadfinderjunge und ein sprechender Hund. Auch damit haben es sich die Pixar-Kreativen nicht leicht gemacht. Ein grantiger Alter und ein übergewichtiges Kind taugen nicht unbedingt als Traumpaar, um Millionen ins Kino zu locken. "Wir wollen unsere Zuschauer an Orte mitnehmen, die sie noch nie gesehen haben", erklärt Rivera, "und Emotionen wachrufen, die man bei Trickfilmen sonst nicht kennt."

Sorge an der Wall Street

Das dürfte gelungen sein. In "Oben" ringt der Held gleich zu Beginn mit dem Tod seiner Frau. Sein Leben wird grau und trist. An einer Stelle fließen sogar ein paar Tropfen Blut - nicht gerade luftig-leichte Kinder-Unterhaltung à la "Toy Story" und "Monster AG". Zwar findet die Geschichte dann schnell ihren Weg in bunte Abenteuer, Kritiker überschlagen sich mit Lob, und als erster Trickfilm überhaupt durfte "Oben" im Mai die Filmfestspiele in Cannes eröffnen. Doch vor dem Start herrschte Skepsis. Spielzeugfabrikanten, T-Shirt-Designer und andere Merchandising-Partner zeigten am jüngsten Pixar-Werk so wenig Interesse, dass Wall-Street-Analysten - ohnehin nervlich etwas angespannt - schon Wochen vor dem US-Start im Frühjahr warnten, "Oben" könne nur abstürzen. Finanziell zumindest. "Verkaufen!" rieten sie mit Blick auf die Aktien der Pixar-Mutter Disney.

Pixar, John Lasseter,

"Oben" ist der zehnte Hit aus dem Hause Pixar© Pixar Disney/ DDP

Die Sorge war unbegründet. In US-Kinos spielte "Oben" allein in den ersten drei Tagen 68 Millionen Dollar ein und entwickelte sich zu einem der wenigen Kassenmagneten des sonst eher mauen Sommers. Weltweit kamen schon jetzt 415 Millionen Dollar zusammen, gut 280 Millionen Euro. Das macht den Film, der nun auch in Deutschland Premiere feiert, zum zehnten Pixar-Hit in Serie. Seit "Toy Story" 1995 den Reigen eröffnete, haben die Trickfilmer aus Emeryville bei San Francisco sich keinen einzigen Fehltritt geleistet - weder an der Kinokasse noch in den Augen der Kritiker. "Pixar ist das erfolgreichste Filmstudio der Welt, kommerziell betrachtet ebenso wie unter künstlerischen Aspekten", sagt David A. Price, Autor des Buches "The Pixar Touch" (bisher nur auf Englisch erschienen).

In Hollywood, wo das Ansehen parallel zum Umsatz wächst, zählen vor allem die Rekordsummen, die Woody, Nemo, Wall-E & Co. über die Jahre eingespielt haben: Allein im Kino kamen weltweit fast fünf Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) zusammen, dazu verdienten die ersten neun Pixar-Produktionen noch bergeweise Geld durch DVD-Verkäufe, Spielzeug und andere Lizenz-Einnahmen. "Pixar ist der Gold-Standard", sagt Elizabeth Guider, Chefredakteurin des Fachblatts Hollywood-Reporter, "das einzige Studio, das mit jedem Film einen Volltreffer gelandet hat. Das ist in Hollywood ohne Beispiel."

Natürlich steigt mit dem Erfolg ...

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