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21. August 2009, 08:46 Uhr

Das intime Gespräch der Top-Regisseure

Der Blick durchs Schlüsselloch: Für stern.de hat sich Deutschlands erfolgreichster Regisseur Tom Tykwer mit seinem Kumpel, Hollywoods genialstem Regisseur Quentin Tarantino, getroffen. Ein Gespräch über Stimulation und intime Details von den Dreharbeiten für "Inglourious Basterds".

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Quentin Tarantino, Tom Tykwer, ",Inglourious Basterds",

Mit seinem Film "Inglourious Basterds" sorgt Quentin Tarantino derzeit für Aufsehen© Peter Rigaud

Tom Tykwer: Quentin, was war das für ein Gefühl, als du deiner ganzen Crew und mir "Inglourious Basterds" zum ersten Mal gezeigt hast?

Quentin Tarantino: Oh Mann, ich wusste ja, dass es intensiv sein wird, aber so? Wir haben während des Drehs jede Woche solche Filmvorführungen mit der Crew gemacht: "Das dreckige Dutzend", "The Good, the Bad and the Ugly" und viele andere wurden dabei gezeigt. Ich habe diese Filme immer eingeführt mit einer Mischung aus Stand-Up Comedy und Analyse. Aber diesmal war es natürlich etwas anderes, es war unser Film. Und plötzlich stehst du da und siehst jedes Gesicht nochmal, jeden, mit dem du die vielen Monate gearbeitet hast. Das gibt der Sache eine ganz andere Note.

Tom Tykwer: Ich weiß, ich habe dich beobachtet, es ist für uns Filmemacher immer dasselbe in so einem Moment, dieser unbeschreibliche Berg aus Hoffnung, Leidenschaft und auch Angst, wenn man seinen eigenen Film zum ersten Mal loslässt. Wir machen das, was wir immer machen: Wir werfen unsere Wünsche und Sehnsüchte auf ein Publikum - und wenn es diejenigen sind, die den Film faktisch geschaffen haben, wird uns bewusst, wie sehr das Werk von ihnen durchdrungen ist. Wir Filmemacher "machen" im konkreten Sinne nichts, wir gehen nur zu anderen Menschen und sagen: "Kannst du dies und das machen, kannst du es auf diese oder andere Weise machen, kannst du es schnell machen" - wir sind die mit der Wunschliste. Wir tun wenig, aber wünschen viel.

Quentin Tarantino: Das ist ein interessanter Aspekt, den ich auch erst lernen musste, als ich anfing, Filme zu machen. Vorher dachte ich, mein Gott, ich muss alles über das Licht wissen, wie man es setzt und wie nicht und so weiter. Ich war damals 24 und dachte, wie soll ich das alles wissen, diese Lampe, der Scheinwerfer, wie soll ich bloß Regie führen. Und weißt du, was passiert ist? Ich habe beim Drehen gelernt, ich habe die Lampe und den Scheinwerfer angeschaut, habe mir gemerkt welche Effekte wie entstehen und - uups - habe es gespeichert. Das Wichtigste ist, sich zu erinnern, wie man es schon mal gemacht hat. Egal, ob du schreibst, ob du filmst oder den Film schneidest, es wiederholt sich alles. Das fertige Drehbuch ist der erste Schnitt des Films, und der letzte Schnitt des Films ist der erste Entwurf des Drehbuches.

Tom Tykwer: Ja, gut gesagt.

Quentin Tarantino:Ja, aber es geht noch weiter. Wenn wir einen Film drehen, müssen wir nicht wissen, wie man eine Kulisse baut. Was wir können müssen, ist genau die besten, die wirklich besten Leute zu finden, die das machen. Für die muss man seine Vorstellungen genau formulieren, so dass es umsetzbar wird. Und wenn das gelingt, habe ich auf einmal alle Schlüssel für einen Film in der Hand.

Tom Tykwer: Lass uns über "Inglourious Basterds" sprechen. Es ist ein mächtiges, überwältigendes und zugleich beklemmendes Kunstwerk.

Quentin Tarantino:Das klingt wie ein Kompliment.

Tom Tykwer: Für mich ist der Film voller Entdeckungen. Das hat mit dem Gedanken zu tun, dass nicht nur ein Film im Prozess seiner Entstehung immer wieder neu geschrieben wird, sondern auch die Arbeit eines Filmemachers sich über seine Filme hinweg immer wieder neu formuliert - wobei sich vieles wiederholt und dann wieder ganz anders, neu gestaltet wird. Ich glaube, in "Inglourious Basterds" ist jedes Element zu finden, dass dein Gesamtwerk bisher ausmacht - und darüber hinaus aber auch viele Elemente und Seiten von dir, die so noch nie sichtbar waren.

Quentin Tarantino: Ich erzähl' dir eine Geschichte. Du erinnerst die Szene mit Landa, also mit Christoph Waltz und dem Strudel [er trifft die Kinobesitzerin Shosanna]? Ich habe sehr lange an dieser Szene geschrieben - und nun ist sie völlig anders, als ich sie mir vorgestellt habe. Ich sage dir, warum. Mit Ausnahme der langen Anfangsszene hat keiner der anderen Schauspieler je mit Christoph vor dem Dreh geprobt, das haben wir so abgesprochen. Keiner der anderen Schauspieler wusste, was Christoph, also was Landa genau macht und wie er sprechen wird, wenn gedreht wurde. Aber nicht nur das, auch bei Leseproben vorher habe ich zu Christoph gesagt, lies' es nicht absichtlich schlecht - aber zeig ihnen noch nicht, was du wirklich daraus machen wirst.

Tom Tykwer: Das ist interessant. Und hast du beim Drehen dann erst die Reaktionen der anderen gefilmt, wenn Landa anfing zu sprechen?

Quentin Tarantino: Ja, oft haben wir es auch gleichzeitig gedreht. Geprobt habe ich mit Christoph, also ich habe dann immer die anderen gespielt. In der Strudelszene war ich dann das Mädchen Shosanna.

Tom Tykwer: Es ist eine großartige Szene, Landa bestellt einen Strudel, und man glaubt, er wolle nicht den Kuchen, sondern eigentlich Shosanna verspeisen, mit der Schlagsahne, die er auch noch nachbestellt.

Quentin Tarantino: Aber da kannst du sehen, was Christoph aus der Szene macht. So wie der "Schlaaagsaaaahne" sagt...

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