23. März 2013, 08:24 Uhr

Die Irokesen - Kämpfer und Diplomaten

Das Indianerbild der Deutschen ist weitgehend geprägt durch Karl Mays Erzählungen. Wie es wirklich bei den Irokesen zuging, zeigt eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn.

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Die Bonner Bundeskunsthalle hat anlässlich ihrer Irokesen-Ausstellung ein Langhaus des Indianerstammes nachgebaut©

Freundlich blickt er nicht, der Irokesenkrieger in der Bonner Bundeskunsthalle. Die Keule in seiner Hand spricht Bände. Die im heutigen US-Bundesstaat New York beheimateten Irokesen aber konnten mehr als nur kämpfen. Sie galten auch als begnadete Diplomaten. Ihr aus sechs Völkern bestehender Stammeszusammenschluss beschäftigte die Geistesgeschichte in Europa.

Die Gleichstellung ihrer Frauen gab wichtige Impulse für die Frauenbewegung im 19. Jahrhundert. Ihre Haartracht wurde zum Symbol der Punker. Die Ausstellung "Auf den Spuren der Irokesen" beleuchtet ab Freitag bis zum 4. August die faszinierende Geschichte der "Leute des Langhauses" von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Ein Langhaus auf dem Museumsplatz

Als die Niederländer und Franzosen Anfang des 17. Jahrhunderts in das Innere Nordamerikas vordrangen, lebten die Irokesen in Dörfern aus rindengedeckten Langhäusern. Die bis zu 60 Meter langen Häuser wurden von Großfamilien bewohnt. Ein 20 Meter langes Haus wurde auf dem Bonner Museumsplatz nachgebaut. Die Frauen pflanzten Mais, Bohnen und Kürbisse an. Die Männer gingen zur Jagd. Das traditionelle Wohnhaus der Irokesen ist zugleich Symbol ihrer Stammesliga. Jede der sechs irokesischen Nationen (Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga, Seneca, Tuscarora) hatte im Langhaus ihre eigene soziale und rituelle Aufgabe.

Die im Irokesenbund vereinigten Völker nennen sich selbst "Haudenosaunee" (Leute des Langhauses). In ihrer Konföderation betrachteten sie sich auch im übertragenen Sinn als Leute des Langhauses. Die Mohawk waren darin Hüter des östlichen Eingangs, die Onondaga Hüter des zentralen Feuers und die Seneca die Hüter des westlichen Tores. Dazwischen leben die als jüngere Brüder bezeichneten Oneida und Cayuga. Die Gründung der Liga legte die Grundlage für die territoriale Expansion und militärische Überlegenheit über ihre einheimischen Nachbarn.

Ergebnis einer zweijährigen Arbeit

"Es ist die größte Gesamtschau über die Irokesen, die es je gegeben hat", erläutert die Ausstellungskuratorin, Sylvia S. Kasprycki. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Irokesen. Die Ausstellung ist Ergebnis einer intensiven zweijährigen wissenschaftlichen Arbeit. Gezeigt wird in den vielen Vitrinen Kunst und Kunsthandwerk - alt und modern.

Besucher sollten Zeit mitbringen und Lust am Lesen haben. Denn um jedes einzelne der rund 500 Exponate aus Museen in den USA, Kanada und Europa ranken sich eigene Geschichten. Die werden in dem mehr als 250 Seiten dicken Katalog erzählt, der zur Ausstellung erschienen ist.

Günter Wächter, DPA
 
 
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