Vor 40 Jahren fand Woodstock, das berühmteste Musikfestival der Welt, statt. Frances Schoenberger kam frisch aus Deutschland in die USA und war damals dabei. Im stern.de-Interview spricht sie über das Nacktbaden, LSD und über das, was nach Woodstock kam.

Peace, Love and Spitzdachzelt: Dieses Pärchen hatte einen beinah trockenen Schlafplatz© Henry Diltz
Ich kam am 15. Juli 1969 mit 23 Jahren das erste Mal in die USA, New York, Wolkenkratzer, diese ganzen Klischees - ich dachte, das ist also Amerika. Schwül, laut und hektisch. Ich arbeitete zu Beginn bei einem Verlag, und eine Kollegin sagte eines Tages, sie hätte Tickets fürs Festival am Wochenende. Und da war ich froh, einfach mal aus der Stadt rauszukommen.
Die Zeitungen waren schon voll davon, alle sprachen ganz aufgeregt über Woodstock, und es hieß bereits, es gäbe keine Tickets mehr. Umso glücklicher waren wir, welche ergattert zu haben.
Es wurde bei der Anfahrt immer grüner, gleichzeitig herrschte wahnsinnig viel Verkehr. Wir waren ja selbst mit dem Auto unterwegs und sind andauernd steckengeblieben. Was mich verwunderte - wie nett und geduldig alle waren.
Nein, ich hatte kaum etwas dabei. Nichts zu essen, und noch nicht einmal ein Zelt. Es wurden aber irgendwann Gratis-Sandwiches verteilt, und alle waren ganz locker. Ich dagegen war ja alles andere als ein Hippie. Ich saß ganz brav dazwischen wie ein ängstliches Huhn. Ich hatte zuvor in England gelebt, wo die Leute doch eher zugeknöpft waren. Ich hatte dort auch schon Rock-Konzerte gesehen, die Bee Gees etwa, aber das war ja etwas völlig anderes. Die Briten waren nicht so locker.
Oh ja. Es gab dort diesen wunderschönen See, die Menschen haben dort alle ganz friedlich und splitternackt gebadet. Für mich war das undenkbar, ich war viel zu schüchtern. Was mir zu jenem Zeitpunkt nicht klar war: Die Leute waren natürlich alle high! LSD war die Droge der Stunde.
Nein, natürlich nicht. Ich war viel zu ängstlich.
Ich habe Richie Havens gesehen, an Joan Baez erinnere ich mich auch noch gut, an Ravi Shankar. Das Schräge war ja, dass oftmals gar nicht klar war, ob es weitergeht oder nicht. Es regnete, es wurde umgebaut. Man musste ja auch befürchten, dass die Leute auf der Bühne Stromschläge bekommen würden, so durchnässt war alles. Da war man also endlich dort und hatte Angst, dass es gar nicht weitergeht.
Ja, es war magisch. Wenn ich zu Leuten sage: "Ich war dabei", dann ist das Erstaunen immer riesig. "Was, du warst wirklich in Woodstock?" Das können die Menschen heutzutage kaum glauben, vor allem die Jüngeren nicht.
Nein, es hat mich nie so beeindruckt, dabei gewesen zu sein. Dieser big deal, der daraus gemacht wird, und der jedes Jahr größer wird - das passiert natürlich, weil diesem Festival etwas so Symbolisches anhaftet. 400.000 Menschen kommen zusammen und machen aus einem normalen Festival ein "Free Concert", ein Wahnsinnsereignis. Niemand wird geschlagen, die Polizisten sind freundlich, keiner ist in Gefahr. Die echten Probleme hatten zumeist nur die Leute, die voll auf Drogen waren. Oft gab es Durchsagen, dass Ärzte gesucht werden, um den Leuten zu helfen, die auf ihrem Trip festhingen. Aber selbst die waren total friedlich.
Zur Person Frances Schoenberger wächst im niederbayerischen Kollbach auf. Nach dem Besuch einer Handelsschule in Landshut, wird sie Au-Pair-Mädchen in Dublin. Mit 23 Jahren geht sie in die USA. Sie lernt Starjournalist Will Tremper kennen, der ihr Mentor wird. In den 70er Jahren beginnt sie, von Los Angeles aus für die Jugendzeitschrift "Bravo" zu schreiben. Später wird sie Korrespondentin für den stern und ist zudem als Repräsentantin der "Export Union des deutschen Films" und Auslandsbeauftragte der Filmförderanstalt FFA tätig. In Hollywood lernt sie zahlreiche Stars wie Clint Eastwood, Billy Wilder und Walther Matthau, später auch Johnny Depp, Brad Pitt und viele andere kennen. In ihrem Buch "Barfuss in Hollywood" gibt sie einen unterhaltsamen Einblick ins Innenleben der Glamourmetropole.