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23. März 2010, 16:35 Uhr

Das sind die Favoriten für Oslo

Harte Konkurrenz für Lena Meyer-Landrut

Unter englischen Buchmachern laufen bereits die Wetten: Wer gewinnt den Eurovision Song Contest? Lena Meyer-Landruts härteste Konkurrenz kommt demnach aus dem Osten. Von Baku bis Berlin - das sind die Favoriten für Oslo. Von Jens Maier

"Allez! Ola! Olé!" schallt es aus Frankreich, in Holland wird "Sha-la-lie, sha-la-la" gesungen und Norwegen schmettert verliebt "My Heart Is Yours": Die Teilnehmer des Eurovision Song Contest 2010 stehen seit Montag fest. Die Chefs der Delegationen tagen derzeit in Oslo und haben die Beiträge jetzt offiziell eingereicht. Eine wahre Balladen-Flut kommt auf Europa zu. An Interpreten wird eine ehemalige Grand-Prix-Gewinnerin dabei sein, aber auch viel versprechende Newcomer. Und obwohl der Sieger des Wettbewerbs als nahezu unvorhersehbar gilt, zeichnen sich schon jetzt einige Favoriten ab.

Aserbaidschan

Erst zwei Mal hat Aserbaidschan teilgenommen und schaffte mit einem achten und einem vierten Platz gleich den Sprung unter die Top Ten. 2010 will die Kaukasusrepublik ganz an die Spitze. Die in einem aufwendigen Vorentscheid ausgesuchte 17-jährige Sängerin Safura punktet nicht nur mit ihren gesanglichen Qualitäten, sondern auch mit ihrem Aussehen. Mit fünf hübschen Tänzern an ihrer Seite überzeugt der Beitrag auch die homosexuelle Fangemeinde. Bei der Songauswahl hat man in Baku nichts dem Zufall überlassen. Schwedische Erfolgsautoren wurden engagiert, die mit "Drip Drop" ein Lied mit Ohrwurmpotential ablieferten. Der Refrain erinnert ein wenig an Lady Gaga, nur an ihrem osteuropäischen Akzent muss Safura noch feilen.

Norwegen

Didrik Solli-Tangen will mit seiner Schmachtballade "My Heart Is Yours" an den Erfolg von Alexander Rybak anknüpfen. Der 22-jährige Tenor aus Norwegen sieht dem Vorjahressieger nicht nur sehr ähnlich, sondern hat eine ebenso überzeugende Bühnepräsenz wie dieser. Hier hören die Ähnlichkeiten allerdings auf. Solli-Tangens Beitrag erinnert eher an eine klassische Arie als an Rybaks "Fairytale". Die Jurys wird er mit seiner hervorragenden gesanglichen Leistung jedenfalls auf seiner Seite haben und gilt deshalb als einer der Favoriten. Ob er am Ende auch die Herzen der Televoter erobern kann, bleibt abzuwarten.

Israel

Ihm fliegen die Herzen schon jetzt reihenweise zu: Harel Skaat wird von seinen Landsleuten unverblümt als der "attraktivste Eurovisionsteilnehmer aller Zeiten" vorgestellt. Der 28-jährige Israeli wurde 2004 in der Castingshow Kokhav Nolad ("Ein Star ist geboren") zwar nur Zweiter, avanciert seitdem aber zum Superstar. Der charmante Skaat stand von vornherein als Kandidat für Oslo fest, die Zuschauer durften aus vier von ihm vorgetragenen Songs wählen und entschieden sich schließlich für "Milim" ("Worte"). Bei den englischen Buchmachern schnellte die dramatische Ballade sofort auf den vorderen Platz, weswegen sich Israel berechtigte Hoffnungen auf seinen vierten Grand-Prix-Sieg machen darf.

Kroatien

Noch ohne Sieg, dafür aber mit drei starken Frauen, tritt Kroatien an. Die Gruppe Feminnem hat sich im kroatischen Vorentscheid gegen 15 Mitbewerber durchgesetzt. Die drei gutaussehenden Sängerinnen sind auf der Grand-Prix-Bühne keine Unbekannten. Bereits 2005 nahmen sie am Wettbewerb teil, damals allerdings für Bosnien-Herzegowina, landeten aber abgeschlagen auf dem 14. Platz. Dass sie jetzt für Kroatien als Hoffnungsträger gelten, liegt vor allem an ihrem starken Lied. "Lako je sve" ("Alles ist einfach") ist eine klassische Grand-Prix-Hymne mit dramatischem Schluss-Akkord. Der Refrain wird für mitteleuropäische Zungen zwar schwer mitzugrölen sein, sichere Punkte vom Balkan machen Feminnem aber zu Mit-Favoriten.

Deutschland

Sie hat bereits alle Chart-Rekorde gebrochen: Dank Lena Meyer-Landrut zählt Deutschland zum ersten Mal seit Jahren wieder zu den Favoriten. Die 18-jährige Schülerin aus Hannover gilt als unkonventionell und überzeugt vor allem durch ihre Bühnenpräsenz. Ihr Lied "Satellite" sticht unter den vielen gefühlsbetonten Balladen besonders positiv hervor und trifft den Geschmack von Skandinaviern und Angelsachsen. Besonders ihre große Fan-Unterstützung könnte ihr eine Platzierung ganz vorne bescheren, falls genügend Deutsche im benachbarten Ausland für Lena anrufen. Das Glück scheint jedenfalls schon auf ihrer Seite zu sein. Bei der Auslosung der Startreihenfolge fürs Finale hat Deutschland eine sogenannte Wildcard gezogen und durfte zwischen den Plätzen eins bis 25 frei wählen. Lena startet auf einem erfolgversprechenden 22. Platz.

Außenseiter-Chancen

Seit Wochen belegt Anna Bergendahl mit "This Is My Life" die schwedischen Charts, allerdings wird ihr Beitrag es unter den vielen Balladen schwer haben. Ganz anders als die Pop-Nummer "Run Away" aus Moldawien, der die englischen Buchmacher beste Außenseiterchancen einräumen, ebenso wie Armenien mit der Popnummer "Apricot Stone". Weißrussland könnte mit der Musical-Ballade "Butterflies" vor allem osteuropäische Herzen höher schlagen lassen. Mit der Türkei muss ebenfalls gerechnet werden, obwohl der rockige Beitrag der Band "Manga" eher unspektakulär klingt.

Chancenlos

Obwohl die Niederlande in diesem Jahr Vader Abraham - ja, der mit den Schlümpfen - als Komponisten ins Rennen schicken, dürfen sich unsere Nachbarn kaum Hoffnung auf ein Weiterkommen nach dem Semi-Finale machen. Und auch für Niamh Kavanagh, die 1993 den Grand Prix für Irland sogar gewonnen hat, wird es mit einer weiteren Ballade schwer werden. Frankreich liefert mit "Allez! Ola! Olé!" einen Vorgeschmack auf die kommende Fußball-Weltmeisterschaft, der eher als Mitgröhl-Song fürs Stadion konzipiert sein dürfte. Für Verstörung dürfte schließlich auch der Volksmusik-Beitrag aus Slowenien sorgen, der bei den britischen Buchmachern auf dem letzten Platz gewettet wird.

KOMMENTARE (10 von 12)
 
Huxley_82 (24.03.2010, 09:33 Uhr)
Ich verstehe nicht,
wie einem "Satellite" gefallen kann. Ich krieg da echt nen Vogel bei dem Lied, und ich bin sonst sehr tolerant was Musik angeht... aber dieser gestellte schottische(?) akzent ist einfach nur furchtbar.
Noctim (24.03.2010, 09:28 Uhr)
Seit wann...
... kommt es bei diesem doofen Contest auf das Lied an?

Die allgemeine Popularität eines Songs entscheidet vielleicht über die ersten 5 Plätze (wo Deutschland garantiert nicht landen wird), aber die anderen 20 Nationen werden sich wie eh und je im klassischen Schema gegenseitig wählen.

Deutschland: Türkei, 12 Punkte...
Malt (24.03.2010, 09:14 Uhr)
Lena = Hype
Unter Medienrummel (engl. ?Hype? ? von Hyperbel) werden meist kurzlebige, in den Massenmedien aufgebauschte oder übertriebene Nachrichten verstanden, die gezielt von Interessensträgern zur Werbung für bestimmte Ideen oder Produkte lanciert wurden.
Miguelo (24.03.2010, 08:48 Uhr)
Lena vielleicht zu frisch
Lena könnte für den ESC ein wenig zu frisch daherkommen. Es gibt noch viele Traditionalisten. Gehöre ich auch zu :D
Von daher finde ich es klasse, das Israel und Kroatien mit Texten in der Landessprache aufwarten. Den drei Mädels aus Kroatien traue ich den Sieg zu.

Warum Aserbaidschan so weit oben gewertet wird, ist mir auch ein Rätsel. Das ist ja wirklich nichts halbs und nichts ganzes. Hauptsache eine gutaussehende Frau schicken...

Insgesamt sehr viele Balladen unter den Favoriten und Außenseitern. Und vieles klingt für mich wie ein Großteil der SIngle-Charts. Leider haben die meisten Lieder beim ESC kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Der Gewinner vom letzten Jahr, Rybak mit Fairytail, war da schon mal wieder eine positive Ausnahme.
knackebusch (23.03.2010, 22:06 Uhr)
Bleib hier
"Satellite" ist eine Nullnummer, die nichts zu bieten hat. Musik aus der Retorte und eine Stimme, wie es sie zu Tausenden gibt. Damit nach Oslo zu fahren zu diesem verstaubten Song-Contest kommt fast einem Selbstmord gleich. Das wird nichts, Lena.
Johann58 (23.03.2010, 20:33 Uhr)
@Viper2024
wie gesagt, Musik ist Geschmacksache und die Bewertung ist subjektiv. Das Bohlen irgendwo bekannt ist schmeichlt Deutschland nicht gerade. Mich reisst das Lied jetzt nicht vom Hocker aber das kann ich von den anderen Liedern auch nicht behaupten.
Obstmann (23.03.2010, 19:07 Uhr)
möp
Ich habe mir jetzt gerade die Beiträge von Aserbaidschan und Israel angeschaut...Optisch beide sicherlich ganz vorne mit dabei...aber die junge Frau aus Aserbaidschan sollte noch noch ein wenig an Ihrem Dialekt feilen..Warum der israelische Titel auf Platz 1 bei den Buchmachern ist, wissen wohl blos diese...So viel Schnulz und Schmalz hält man doch im Kopf nicht aus...eine langweilige Melodie, eine austauschbare Stimme und so leid es mir tut, aber israelisch scheint nicht unbedingt die geeignetste Sprache zu sein um Musik damit zu belegen...Klingt meiner Meinung nach jedenfalls gewöhnungsbedürftig!
Viper2024 (23.03.2010, 19:06 Uhr)
@sothebys
Stimmt. Aber die Zeiten mit Modern Talking (wo Thomas Anders am Erfolg ja nicht ganz unbeteiligt war) liegen aber schon lange zurück. Dennoch wird jedes Lied mit Bohlenbeteiligung von einer DSDS Dumpfnudel ein No. 1 Hit in Deutschland und das ich das was ich nicht vestehen kann.

@Johann58
also Kroatien und Aserbaidschan sind eindeutig besser (Meldodie, Emotionen und Bühnenpräsenz). Vergl. das mal mit dem offiziellen Video von Lena Meyer-Landrut.
sothebys (23.03.2010, 18:42 Uhr)
@viper2024
Dieter Bohlen ist im Ausland und insbesondere im osteuropäischen Ausland noch bekannter und beliebter als er mit Modern Talking in Deutschland je war.

Das Lied und die Interpretin Lena können nur dann ankommen wenn ausreichend junge Menschen anrufen.
Johann58 (23.03.2010, 18:42 Uhr)
mal reingehoert in die Lieder
und festgestellt objektiv gesehen ist da nichts oder kaum was dabei, was besser ist. Da aber der Musikgeschmack subjektiv ist bedeutet das ja nicht viel. Ein richtiger Headbanger wird kein Verstaendnis fuer die Talala Liedchen haben und die Schlagerfans werden bei Rock Musik den Kopf schuetteln aber nicht vor Begeisterung.

Da es keine objektive Beurteilung gibt wird auch das Resutat nicht alle und jeden zufriedenstellen.
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