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24. Januar 2008, 10:21 Uhr

Doherty clean in Berlin

Er hat weder Frauenkleider getragen, noch Crackpfeifen gezählt oder sich irgendwelche Nadeln unter die Haut geschoben. Nein, Ex-Kate-Moss-Freund Pete Doherty hatte sich sogar die Haare gewaschen. Die Babyshambles sind in Berlin aufgetreten - und müssen sich vor den Kilians aus Dinslaken in Acht nehmen. Von Sophie Albers

Pete Doherty Babyshambles Kate Moss

Pete Doherty stürzt sich mit Intensität in die Musik© Sören Stache/DPA

Schon Stunden vor Konzertbeginn harren Fans vor der Berliner Columbia-Halle aus und singen im milden Regen Babyshambles-Lieder. In fetten roten Lettern steht "Sold Out" (ausverkauft) unter dem Bandnamen zu lesen - das gilt übrigens für alle Konzerte der Tour. Dabei ist doch nicht mal sicher, ob Pete Doherty denn auch kommt. Viel zu häufig schon hat er seine Fans umsonst warten lassen. Als durch die Boulevardpresse wandelndes Drogenproblem mit Ex-Topmodel-Verbindung hat Pete Doherty einen wesentlich größeren Bekanntheitsgrad als ein Doherty, der ein genialer Britpopper ist. Und der Erste hat es schon zu seinem Markenzeichen gemacht, den Zweiten regelmäßig hängen zu lassen. Das scheint die Leute vor der Halle jedoch nicht zu stören.

Drinnen ist die Lage entspannt, vom wilden Doherty keine Spur. "Wir haben ihn weder vor noch nach der Show gesehen", sagt Simon den Hartog, durchaus charismatischer Frontmann der Vorband Kilians. Am Vortag spielten sie mit den Babyshambles in Köln. Da war Doherty aufgetreten, mit Hut und Mantel und ein bisschen verwirrt.

Bester, deutscher Britpop

Als die Kilians aus Dinslaken auf die Berliner Bühne steigen, tobt die voll besetzte Halle. Wellen der Begeisterung schwappen durch das Menschenmeer vor der Bühne. Die Security-Jungs können froh sein, dass Britpop-Mädchen gern magersüchtig sind, denn sie müssen einiges stemmen heute Abend. Mit einer energischen Bühnenshow, der man selbst bei größter Missgunst gegenüber Britpop aus Deutschland nur Jubel entgegenbringen kann, ziehen die Kilians das Publikum auf ihre Seite. Und den Hartog bringt die Ankündigung der "großen Band" einfach so häufig, dass sie verblasst. Das liegt wohl auch an seiner Stimme, die irgendwo zwischen Killers, Maximo Park und Dinslaken liegt, und genau so klingt, wie eine Britpopstimme klingen muss: rau, wild, melodiös, kraftvoll. Aber wir wollten ja über Doherty und die Babyshambles reden:

Die machen an diesem Abend einfach alles falsch! Sie sind pünktlich, sehen aus wie frisch geduscht und liefern eine einwandfreie Show ab. Die guten Songs vom guten Doherty, der nicht mal einen Hut trägt, geschweige denn eine Perücke wie im vergangenen Jahr. Nach dem etwa 45 Minuten kurzen Set gibt es eine Zugabe vom zweiten Gitarristen, noch eine von der Band, und dann geht das Licht an.

"Da fehlt was"

Einige Fans setzen sich erst einmal etwas verwirrt auf den Boden. Klar, Doherty ist blass und sexy wie immer, und natürlich hat er auch seine Vielleicht-bin-ich-betrunken-Schlenker gemacht, aber eigentlich war das einfach nur ein Konzert einer guten, vollprofessionellen Band. Selbst winzigste Rock'n'Roll-Einlagen wie das Umtreten eines Mikroständers wurden augenblicklich von Bühnenhilfen korrigiert. Diese Herren waren übrigens auch für das Anzünden der Zigaretten zuständig und das Wegwischen ausgelaufener Flüssigkeiten.

"Da fehlte was, aber was?", fragt ein Mädchen im Ringelshirt. "Ich glaube, der ist jetzt clean", antwortet eine junge Frau mit schwarzer Ponyfrisur. Recht könnte sie haben, ließ sich Doherty doch gerade mit den Worten zitieren: "Offensichtlich bin ich jetzt von den Drogen weg. Mein öffentliches Bild ist nichts weiter als ein schreckliches, cartoonhaftes Monster, das in keinerlei Beziehung zu dem ruhigen, schüchternen, zurückhaltenden, abstinenten, Polizei liebenden Poeten mit sauberer Nase steht, den ihr vor euch seht."

Wenn Doherty und seine Band es tatsächlich geschafft haben sollten, einfach nur eine gute Band zu sein, ohne den ganzen Handyfilm-mit-Koks-und-Kate-Moss-Überbau, herzlichen Glückwunsch! Dann müssen die Briten sich aber auch den Vergleich mit den Kilians gefallen lassen. Und die, werter Polizei liebender Poet, hatten an diesem Abend schlicht und ergreifend mehr Energie.

Von Sophie Albers
 
 
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