Sie ist die derzeit erfolgreichste Künstlerin im Pop: In der neuen Ausgabe von "Neon" spricht Lady Gaga über einsame Nächte mit Freddie Mercury, Männer als Spielzeuge und Lügen, die zur Wahrheit werden.

Bevor sie selbst ins Rampenlicht trat, schrieb Lady Gaga Songs für Britney Spears und den Pussycat Dolls© Chris Pizzello/AP
Sie dürfen gerne Gaga zu mir sagen.
Von "Radio Gaga" von Queen, natürlich. Ich liebe Freddie Mercury. Er hat Theater und Pop miteinander versöhnt - schauen Sie sich nur seine Bühnenshows an, das waren riesige Opern! Als ich mich vor meinem ersten Plattenvertrag bei Theatern in New York um Auftritte bewarb, mit meiner Musik und meinen Kostümen, hieß es immer, ich sei zu oberflächlich, zu wenig ernsthaft. Die Plattenfirmen hingegen fanden meine Auftritte zu theatralisch – ich passte wirklich nirgendwohin. Wenn ich dann traurig und einsam zu Hause herumsaß, hat mir Freddie Kraft gegeben. Ich hörte seine Musik - und dachte: Der hat es schließlich auch geschafft.
Und doch gab es diese Zeit. Vor vier Jahren bin ich von der Kunsthochschule geflogen, die meine Eltern für mich bezahlt hatten; mein Vater sprach danach kein Wort mit mir, er hat mich auch finan ziell nicht mehr unterstützt. Also zog ich in dieses beschissene kleine Apartment in Manhattan, in die Lower East Side, wo es gar nicht schön oder etwa glanzvoll ist.
Wo haben Sie das denn her? Na ja, auf jeden Fall habe ich mir damals ständig die Haare gemacht und alle möglichen Outfits ausprobiert. Wenn ich dann perfekt aussah, deprimierte mich das oft, und ich begann von vorn. Die Zeit war wirklich schlimm. Die Sachen von damals trage ich übrigens heute noch.

Die neue Ausgabe des Magazins "Neon" ist ab sofort im Handel erhältlich© Neon
Vielleicht. Aber nur für Menschen, die ohne Mut und Fantasie durchs Leben gehen, ist mein Stil ein Schock. Ich finde ihn einfach interessant. Ich finde es gut, dass ich nicht so aussehe wie alle anderen Popsängerinnen. Vielleicht verändert sich dadurch sogar ein wenig, was die Leute sexy finden und was nicht; ich jedenfalls fühle mich in meiner Garderobe wie eine begehrenswerte, machtvolle Frau.
Auf jeden Fall gebe ich den Männern, die mich begehren, und den Frauen, denen ich ein Vorbild bin, Rätsel auf. Und das ist gut so.
Ruhm bedeutet nicht, dass einen jeder kennt - sondern, dass einen jeder kennen lernen möchte. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Und zu Letzterem tragen Rätsel bei. Außerdem: Wenn amerikanische Verbindungsstudenten, die jungen Frauen diktieren wollen, wie sie aussehen sollen und was sexy ist und was nicht, Angst vor mir haben, finde ich das eher gut als schlimm.
Überhaupt nicht! Um für das Recht einzutreten, dass man anziehen darf, was man will, dass man sich mitteilen darf, kommunizieren, auch wenn es nicht in eine Männerfantasie passt, muss man doch keine Feministin sein! Ich bin jedenfalls keine, ich liebe Männer, ich könnte sie alle ficken, an jedem verdammten Tag. Aber das geht leider nicht, weil ich ja gaga bin.
Weil ich berühmt bin und daran arbeite, es in den nächsten 25 Jahren auch zu bleiben, fehlt mir dazu ein bisschen die Zeit. Außerdem sind nicht alle Männer hübsch - aber fast alle sind erschreckend eindimensional. Meine Freunde sind jedenfalls immer fürchterlich erschrocken, wenn ich mal einen Dreier mit einer Frau wollte, sogar dann, wenn sie sehr berühmt und sehr gut aussehend war. Es hat sie eingeschüchtert. Dabei interessiert mich an Frauen nur der Körper, ich war noch nie in eine verliebt. Die Anziehungskraft ist rein physischer Natur.