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14. Juli 2010, 13:32 Uhr

Jauch kassiert 4500 Euro pro Minute

Günther Jauch wagt den Balanceakt: Für RTL macht er künftig Unterhaltung, für die öffentlich-rechtliche ARD mimt er den seriösen Moderator einer Talkshow. Und das lohnt sich für ihn: Laut "Bild" erhält Jauch einen satten Gehaltsaufschlag.

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Lässt sich sein Gastspiel bei der ARD gut dotieren: Günther Jauch© Henning Kaiser/DDP

Die Entscheidung ist gefallen, ausgerechnet an seinem 54. Geburtstag: RTL-Schwergewicht Günther Jauch wird demnächst auch für die ARD arbeiten und im Ersten als Nachfolger von Anne Will auf dem Polittalk-Sendeplatz am Sonntagabend zu sehen sein. Der WDR- Rundfunkrat gab mit großer Mehrheit grünes Licht für das geplante Engagement ab Herbst 2011. Und damit ist zugleich der Weg frei für eine Premiere in der deutschen Fernsehgeschichte.

"Das hat es so noch nie gegeben, dass ein Journalist Unterhaltung bei den Privaten und zugleich politische Information bei den Öffentlich-Rechtlichen macht", sagte die WDR-Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. "Was es in einigen Ausnahmefällen gibt, ist, dass jemand Unterhaltungssendungen in beiden Systemen präsentiert. Was jetzt kommt, ist aber neu - und eine große Chance."

Wieviel Jauch verdient - laut "Bild"

Der neue ARD-Talker bleibt Moderator des RTL-Erfolgsquiz "Wer wird Millionär?" und bestreitet für den Kölner Sender auch andere Unterhaltungsformate weiter. Laut Hieronymi hat der 54-Jährige aber auch auf einiges verzichtet und sich damit auf die ARD zubewegt. Das RTL-Magazin "Stern TV" gibt er auf, neue Werbeauftritte auch. Vor gut drei Jahren war ein ähnlicher ARD-Jauch-Versuch gescheitert. Damals hatte der Moderator entnervt das Handtuch geworfen, weil ihm die ARD- Gremien aus seiner Sicht zu viel Widerstand entgegenbrachten.

Den populären Neuzugang bekommt die ARD natürlich nicht geschenkt. Laut "Bild"-Zeitung bedeutet Jauchs Verpflichtung hohe Mehrkosten für die Sendeanstalt. Er und seine 2000 gegründete Produktionsfirma sollten 10,5 Millionen Euro pro Staffel mit 39 Sendungen erhalten, meldet die Zeitung. Das seien 41 Prozent mehr, als bisher bei Vorgängerin Will angefallen seien. Jauch koste pro Minute 4487,18 Euro Gebührengeld, rechnet das Blatt vor.

10 Millionen Euro Jahresgehalt?

"Dass einer der Top-Journalisten im deutschen Fernsehen seinen Preis hat, ist klar", sagt dazu Hieronymi. "Das fällt aber nicht aus dem Rahmen. Es lässt sich auch nicht eins zu eins mit Frau Will vergleichen. Das ist etwas anderes, da sie aus einem festen Anstellungsverhältnis mit der ARD kommt." Zahlen nannte die WDR- Rundfunkratschefin nicht.

Die ARD sieht eine "Riesenchance". Ihr amtierender Vorsitzender, Peter Boudgoust, lobte Jauch als "einen Großmeister der journalistischen Unterhaltung". Viele in der Sendergemeinschaft hoffen auf wichtige neue Impulse für das Erste und zählen den Neuen zu den Besten im deutschen TV. Hieronymi meint: "Das ist zwar auch mit Risiken behaftet, bedeutet aber zugleich eine große Chance für eine Schärfung des Profils der öffentlich-rechtlichen Sender." Das WDR-Gremium habe es sich nicht leicht gemacht, lange über die Personalie beraten und keineswegs nur abgenickt.

Jauch hat schon häufiger umgeschaltet

Der Fall Jauch war zuletzt nur noch von dem WDR-Gremium abhängig. Der Norddeutsche Rundfunk hatte bereits für den quotenbringenden Publikumsliebling gestimmt. NDR und WDR hatten im Auftrag der ARD einen Vertrags mit dem TV-Profi Jauch geschlossen, der aber von den Gremien abgesegnet werden musste.

Jauch, der einst als Sport-Journalist bei Rias Berlin und dem Bayerischen Rundfunk seine Karriere begonnen hatte, pendelt schon seit Jahren zwischen den Sendern. 1990 übernahm er die Leitung von "Stern TV" und präsentierte auf RTL auch viele Shows. Für das ZDF moderierte er zwischenzeitlich das "Aktuelle Sportstudio". Der mit vielen Auszeichnungen bedachte TV-Mann schafft mit "Wer wird Millionär?" seit über zehn Jahren sensationelle Quoten bei RTL. Der Ex-RTL-Chef Helmut Thoma beäugt das neue ARD-Engagement daher auch skeptisch, wie er jüngst klarmachte: "Wenn ich noch bei RTL wäre, würde ich das schon als schwierigen Schlag ins Kontor sehen."

Yuriko Wahl/dpa/APN
 
 
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