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ZDF schummelt bei "heute"-Nachrichten

Die "heute"-Nachrichten des ZDF haben bei der Berichterstattung zum NSU-Prozess die Zuschauer getäuscht: Ein Kommentar zum Karlsruher Urteil wurde aufgezeichnet, als dieses noch gar nicht gefällt war.

Von Rolf-Herbert Peters

  Ismail Erel von der türkischen Zeitung "Sabah:" Die Uhr im Hintergrund zeigt deutlich, dass der Kommentar bereits am Nachmittag aufgezeichnet wurde

Ismail Erel von der türkischen Zeitung "Sabah:" Die Uhr im Hintergrund zeigt deutlich, dass der Kommentar bereits am Nachmittag aufgezeichnet wurde

In den Augen der Deutschen ist die "heute"-Sendung - neben der "Tagesschau" - ein Hort journalistischer Ehrlichkeit. Doch vergangenen Freitag zeigte sich die öffentlich-rechtliche Nachrichtensendung, moderiert von Matthias Fornoff, von einer anderen Seite: Bei einer Stellungnahme von Ismail Erel, stellvertretender Chefredakteur der türkischen Tageszeitung "Sabah" (Europaausgabe), zum Streit um die Journalistenplätze beim NSU-Prozess hat die Redaktion getrickst.

Erel hatte mit "Sabah" vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt, weil Medien aus der Türkei keinen Presseplatz für das Verfahren zugeteilt bekommen hatten. In "heute" kommentierte er gegen 19.02 Uhr stolz das Urteil, das türkischen Medien nun Präsenz zugestand: "Das ist nun mal für uns eine sehr, sehr positive Nachricht. Also nicht nur für uns, die 'Sabah' hat, glaube ich, für die ganzen türkischen Medien hier in Deutschland etwas bewirkt, nämlich dass die am Prozess teilnehmen können. Und das Bundesverfassungsgericht hat natürlich auch gesehen, dass hier eine Ungleichbehandlung stattfand."

Nur: Erel konnte den Richterspruch noch gar nicht kennen. Er fiel erst rund dreieinhalb Stunden nach der Aufzeichnung des Beitrags. Wer genau hinsah, konnte entdecken, dass die Redaktionsuhr hinter Erels Kopf kurz vor halb drei Uhr zeigte. Die Deutsche Presseagentur vermeldete das Urteil um 18.16 Uhr. Für den Zuschauer musste der Eindruck entstehen, die öffentlich-rechtlichen Reporter hätten in Windeseile eine aktuelle Einschätzung des Klägers eingeholt. In der Einleitung des Einspielers, den die ZDF-Reporter Birgit Franke und Christoph Schneider erstellt hatten, hieß es noch: "Vor knapp einer Stunde die mit Spannung erwartete Entscheidung aus Karlsruhe." In Wahrheit hatte Erel ins Blinde hineingesprochen, der Sender hatte die Aktualität nur vorgetäuscht.

ZDF räumt Vorabaufzeichnung ein

Auf Nachfrage des stern beteuerte Erel zunächst, das Urteil bereits gekannt zu haben. "Da ging wohl die Uhr falsch", sagte er am Telefon. Das Kamerateam sei allerdings schon vor 18 Uhr anwesend gewesen. Wann genau das Statement aufgezeichnet worden war, könne er sich am Ende nicht mehr erinnern. Das ZDF brauchte Stunden, um die stern-Anfrage zu dem Vorfall zu beantworten - aber dann eindeutig. Ein Sprecher räumte ein: "Nach Rückfrage bei den zuständigen Kolleginnen und Kollegen können wir Ihnen mitteilen, dass die Frage bei einem Dreh für die ZDF-Sendung 'Forum am Freitag’ in Erwartung einer entsprechenden Entscheidung vorab gestellt und aufgezeichnet wurde."

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