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16. November 2011, 17:25 Uhr

Zwischen Hollywood und Hamburg

Til Schweiger wird angeblich Mehmet Kurtulus als "Tatort"-Ermittler ablösen. Doch was bringt dem Kinostar die Rückkehr ins Fernsehen? Beim Sender stellt sich diese Frage nicht. Von Sophie Albers und Katharina Miklis

Til Schweiger, Hamburg, Tatort-Kommissar, Tatort

Kinostar Til Schweiger will angeblich "Tatort"-Kommissar werden© Britta Pedersen/DPA

Dass Til Schweiger der nächste Hamburger "Tatort"-Kommissar werden soll, passt in das neue Konzept der ARD: große Namen, großes Kino. Das Stichwort Kino sorgt jedoch auch für Verwirrung, denn Schweiger wirkt fast zu groß fürs Fernsehen, wo er wohl deshalb zuletzt auch nur noch Cameo-Auftritte hatte, wie beim "Traumschiff". Was treibt ihn also zum "Tatort"?

Am Auftragsmangel kann es nicht liegen: Kaum ein anderer deutscher Filmemacher ist so erfolgreich wie Schauspieler-Regisseur-Autor-Produzent Schweiger. Neben seinen rekordebrechenden Eigenproduktionen der "Keinohrhasen"-Reihe - allein 4,3 Millionen Zuschauer für "Kokowääh" -, war er gerade in der erfolgreichen deutschen Allstar-Fortsetzung "Männerherzen 2" zu sehen.

Hollywood hat Schweiger entdeckt

Auch hat ihn, seitdem er in Quentin Tarantino "Inglourious Basterds" als Stiglitz brillierte, das US-Kino (wieder-)entdeckt - und diesmal richtig. Nach den "Drei Musketieren" mit Orlando Bloom und Milla Jovovich, ist er in der diesjährigen Hollywood-Jahresend-Romantikschnulze "Happy New Year" zu sehen: Da spielt er mal eben neben den Großen der Traumfabrik: von Zac Efron über Michelle Pfeiffer bis Robert De Niro, Halle Berry und Jessica Biel.

Dem schließt sich der Thriller "The Courier" an, in dem Schweiger neben Mickey Rourke vor der Kamera von "Paradise Now"-Regisseur Hany Abu-Assad steht. Für "This Means War" (2012) engagierte "Terminator: Die Erlösung"-Regisseur McG Schweiger neben Reese Witherspoon, Tom Hardy und Chris Pine. Zwei weitere Filme befinden sich gerade in der Postproduktion. Mehr geht nicht.

Kekilli, Tukur, Schweiger?

Fragt man in Schweigers Umgebung nach, gibt es Schulterzucken allerorten. Bei seiner Produktionsfirma Barefoot Films heißt es, die Meldung der "Bild"-Zeitung, dass die Verträge bis Jahresende unterschrieben werden, basiere auf Gerüchten, an denen man sich nicht beteilige. Dabei will das Blatt sogar wissen, dass im Frühsommer 2012 die Dreharbeiten rund um Hafen und Reeperbahn beginnen werden. Andere Schweiger-Kenner sagen, sie hätten erst aus der Zeitung vom möglichen neuen Engagement erfahren.

Auch der Sender mauert: Auf Nachfrage von stern.de sagt ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber, dass der Sender sich nicht an Spekulationen beteiligen will. Dementis sehen anders aus, und für die "Tatort"-Macher liegt der Nutzen eines Kommissars Schweiger auf der Hand. Seit einem Jahr fährt die ARD, die sich nicht damit zufrieden geben kann, dass der Krimi aus Münster der einzige Quotengarant der bundesweiten "Tatort"-Palette ist, eine große Offensive. Von den zehn Millionen Zuschauern, die Axel Prahl und Jan Josef Liefers im Schnitt vor den Fernseher locken, sind die Ermittler anderer Städte weit entfernt. Um dem entgegenzusteuern, braucht es entweder überragende Drehbücher oder Schauspieler. Die ARD scheint sich für letzteres entschieden zu haben.

In den vergangenen Monaten sorgten neue "Tatort"-Verpflichtungen regelmäßig für Schlagzeilen: Sibel Kekilli, Ulrich Tukur, Nina Kunzendorf. Allerdings waren die neuen Krimis verglichen mit dem "Tatort" aus Münster vor allem Kritikererfolge. Auch Mehmet Kurtulus, der im Frühjahr 2012 zum letzten Mal in Hamburg auf Verbrecherjagd geht, war trotz guter Inszenierungen nie ein Quotenjäger.

Der, den jeder kennt

Sollte Til Schweiger in Zukunft an der Elbe ermitteln, dürfte er auf Anhieb mehr Zuschauer ziehen. Steht der 47-Jährige doch für Mainstream, für Rekorde an der Kinokasse, für Hasen ohne Ohren und Männer mit großen Herzen. Sein Name polarisiert, aber er ist vor allem eines: bekannt. Kommissar in einem "Tatort" zu sein, gilt in der Branche als Ritterschlag. Schweiger tut sich mit seinem Starstatus in der Heimat nach wie vor schwer. Vielleicht wäre er als Kommissar nicht mehr nur jedem bekannt, vielleicht wäre er dann endlich auch einer, an dem keiner mehr vorbei kommt.

Von Sophie Albers und Katharina Miklis
 
 
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