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24. Februar 2012, 08:30 Uhr

Klums gute Kinderstube

Ist die siebte zugleich die letzte "Germany's next Topmodel"-Staffel? Klum und Co. gaben sich zum Auftakt der neuen Show unbeeindruckt vom Krisengerede. Das Konzept ist unverändert, nur die Kandidatinnen sind jünger. Das erste Schaulaufen geriet prompt zum Desaster. Von Mark Stöhr

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"Germany's next Topmodel"-Mutti Heidi Klum© Frederic J. Brown

Die Torte und der Tiger sind zurück: Thomas "Schätzelein" Rath und Thomas "Du musst jetzt echt mal langsam delivern" Hayo. Die beiden "Germany's next Topmodel"-Thomasse hatten richtig Stress in den letzten Monaten. Sie mussten die ganze Republik nach neuem Model-Material abgrasen. Von Niederbayern bis rauf nach Ostfriesland. Und jetzt sind sie da: die Lauras, Isabellas, Kasias und Saras, die, seit sie denken können, nichts anderes machen, als Schnütchengesichter zu ziehen und mit Riesenpumps durchs Wohnzimmer ihrer Eltern zu latschen. Aber Stopp! Waren die bei "GNTM" nicht immer zu dritt? Klar, die Klum ist auch wieder dabei! Sie sieht ein bisschen blass aus, als hätte sie persönliche Probleme, aber im Kopf ist sie wie immer hellwach: "Wir haben unterschiedliche Mädchen: Schlanke Mädchen, große Mädchen, Mädchen mit Charakter, fotogene Mädchen." Da wird man in Paris, Mailand und New York doch direkt hellhörig.

Strandshooting und Schwachsinnsaufgaben

Die siebte Staffel der Modelshow wurde im Vorfeld mit der üblichen Übellaunigkeit empfangen: Minderjährige im Magerwahn, die Glamour-Lüge, das Klum-Imperium, der Beginn vom Ende des Castingfernsehens. Alles geschenkt. Das Böse ist bekannt. Und vielleicht rauscht die Quote diesmal tatsächlich so dermaßen katastrophal in den Keller, dass ProSieben die Reißleine zieht. Aber ein Kribbeln ist trotzdem da bei der Aussicht auf eben jene verlogene Glamourwelt, die sich in den kommenden Monaten vor unseren Augen ausbreiten wird. Auf Strandshootings in Thailand, auf kreischende und keifende Kandidatinnen in Luxusvillen und auf all die Schwachsinnsaufgaben und Schwachsinnstypen, die dort auf sie warten.

Trauerprozession auf dem Laufsteg

Eine dieser Flitzpiepen hatte schon beim Auftakt ihren großen Auftritt: Guido Maria Kretschmer. Kretschmer ist ein "megatoller Designer" (Thomas Rath), der es nötig hat, seine neue Kollektion von zwei Dutzend blutigen Anfängerinnen präsentieren zu lassen. Sein Lohn: ein Zoom auf's Labellogo. Sein Preis: eine Trauerprozession auf dem Laufsteg, die jegliche Aufmerksamkeit von den Klamotten abzog. Eines der Nachwuchsmodels verhakte sich dermaßen in der Schleppe seines Kleides, dass man fürchten musste, es breche sich beide Haxen und das Nasenbein gleich noch dazu. Es war die gleiche bedauernswerte Person, der Kretschmer kurz vorher mit den Worten "Ich bin ein Designer, der gerne Geschichten erzählt" zwei Windhunde in die Hand gedrückt hatte.

Das Aussieben der Aspirantinnen - gestern wurde die Gruppe von 51 auf 25 Teilnehmerinnen reduziert - läuft nach denselben rätselhaften Kriterien wie in den Jahren zuvor. Weiß der Geier, warum jenes Gesicht mehr "Moviestar" ist und das andere nur "Mädchen von nebenan". Man sieht es ihnen nicht an. Eine sommersprossige Bohnenstange bekam das Prädikat "Potential" verliehen, während eine durchaus ansehnliche Brünette zurück in ihr altes Leben geschickt wurde. Sie fand das sehr zum Weinen.

Model-Richter legen wert auf die Kinderstube

Am Jurypult sind die Zuständigkeitsbereiche klar geregelt: Thomas Rath ist die Politesse, die auf die Einhaltung der äußeren Ordnung achtet und ab und zu ein Knöllchen verteilt ("Das Gewuschele auf deinem Kopf muss weg"). Thomas Hayo ist der Bulle, der breitbeinig in seinem Sessel lungert und blitzschnell eine Branchennews aus der Hüfte schießt ("Es ist weit verbreitet, dass Agenturen und Kunden Persönlichkeiten suchen"). Und Heidi Klum ist die Polizeipräsidentin, die auch mal über den Tellerrand des operativen Geschäfts hinaussieht und Analysen anbietet ("Das ist gut, wenn da gute Konkurrentinnen sind").

Konsens unter den drei Model-Richtern ist, dass die gute Kinderstube in jedem Fall beachtet werden muss. Die Kandidaten sind als Freundinnen zu behandeln, egal wie hässlich und doof sie sind. Nichts soll den Kritikern, die immer vom "Demütigungsfernsehen" faseln, neues Futter liefern. Das klappte bei einer Isabella besonders gut. Die 20-Jährige lebt in Kenia und hat seit ihrer Bewerbung bei "GTNM" ein paar Pfunde zugenommen. In den Worten von Rath: "Die hat sich schlichtweg verdoppelt." Schuld daran war eine Malaria-Erkrankung und ein dubioses Aufpäppelungsprogramm mit Fisch und Milch. Die Runde beglückwünschte Isabella zu ihrer erfolgreichen Genesung, Rath mit dem Satz: "Du bist ganz schön drall geworden." Als es an die Entscheidung ging, legt Rath seine Stirn in Falten und gab zu bedenken: "Das ist natürlich nicht gut, dass du so zugelegt hast." Isabella darf wiederkommen, wenn sie ihr Fliegengewicht zurück hat. Die anderen fliegen derweil nach Thailand.

Von Mark Stöhr
 
 
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