Das immergleiche Rate-Ritual

24. Januar 2013, 11:43 Uhr

Schaue eines - und du kennst sie alle. Ob "Star-Quiz", "Quiz-Show" oder "Quiz vom Menschen" - was so bunt daherkommt, ist zum routinierten Einerlei verkümmert. Es gibt nur eine Ausnahme. Von Bernd Gäbler

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Voll gut drauf und immer schön locker: Eckart von Hirschhausen als Moderator von "Das fantastische Quiz des Menschen".©

Alles wird wie immer sein: Eckart von Hirschhausen wird heute Abend (20.15 Uhr im Ersten) ungelenk durch eine technisch aufwendige Studio-Dekoration staksen und versuchen, witzig zu sein. Alles ist aufgezeichnet, hübsch zusammengeschnitten, steril und langweilig. Die Regeln sind stets die gleichen. Paarweise hocken Prominente hinter Pulten. Immer sind es Jan-Josef Liefers und Christine Neubauer, ein Nachrichtensprecher und eine Schöne (oder Barbara Schöneberger), ein Comedian und eine Schauspielerin. Sie raten und scherzen, machen alberne Spielchen und spenden am Ende irgendwas für irgendwen. Die Spannung ist gleich Null, die Fragen sind beliebig, der Ausgang ist egal. Hauptsache, die TV-Familie ist unter sich.

Diesmal kommen Ulrike von der Groeben (RTL) und Marcel Reif (Sky), der Koch Steffen Henssler und Ingo Nommensen (beide ZDF), sowie Mariella Ahrens (als Schöne) und Gesine Cukrowski - also eher die zweite Garnitur, sonst wäre Armin Rohde dabei. Und Eckart von Hirschhausen wird wieder so tun, als könne man was lernen, bei seinem "Quiz des Menschen", das er selbst "fantastisch" findet.

Eine Zeit lang war das deutsche Fernsehen fast zur quizfreien Zone geworden. Seit dem Erfolg von "Wer wird Millionär?" aber gibt es auch in ARD und ZDF Quiz wieder in Hülle und Fülle. Optisch und inhaltlich ist dabei eine bemerkenswerte Annäherung zu beobachten. Immer will das Quiz eine ganz große Show sein, mit viel Publikum, knallbuntem Studio, Musikeffekten und Lachern. Und immer wirkt es letztlich brav, risikofrei und piefig. Immer sollen die Fragen zum Schmunzeln anregen oder etwas kurios sein. Manchmal sind sie auch auf altväterliche Art schlüpfrig. Aber sie stehen längst nicht mehr im Zentrum. Das Raten und Wissen ist zum Beiwerk geworden. Der Inhalt ist dünn, die Verpackung opulent. Ob "Star-Quiz" oder "Quiz-Show", ob Pflaume oder Pilawa, im Kern ist alles zu einem furchtbar routinierten Einerlei einer großen Unterhaltungsfabrikation von der Stange geworden.

Ein Kindergeburtstag für TV-Firmen

Die Firmen, die im Hintergrund die Quiz-Sendungen konzipieren und produzieren, können alle in etwa dasselbe und schauen alles voneinander ab. Allenfalls lächelt Kai Pflaume mal etwas süß-saurer als Jörg Pilawa, der ZDF-gemäß vom einst Spitzbübischen ins Fach des Jovialen gewechselt ist. Außerdem taucht Günther Jauch wieder häufiger in den Rateteams auf. Warum? Weil das sein Alleinstellungsmerkmal als Produzent ist: die Selbstvermarktung. Der Zuschauer kann sich als Merksatz notieren: Wenn es Jauch ist, der wieder einmal seine niedliche Tapsigkeit in neckischen Bewegungsspielen vorzeigt oder sich Charlys-Tantenhaft mit Queen-Elizabeth-Fummel verkleidet, wie jüngst zum Jahresende bei "2012 - Das Quiz" geschehen, dann wird das Quiz auch von dessen Firma i+u produziert.

Da gab übrigens Frank Plasberg, einst als knallharter Journalist in die erste Reihe der TV-Größen aufgestiegen, den albernen Bi-Ba-Butzemann. Die Kandidaten mussten unter anderem mit um den Bauch geschnallten Pappbooten auf Skateboards knieend um die Wette paddeln. Plasberg tut dann so, als würde er sich köstlich amüsieren. Es mag für ihn sprechen, dass man ihm noch anmerkt, wie wenig er eigentlich für derartige Quiz-Masterei geschaffen ist.

Das Quiz will Kindergeburtstag sein, simuliert aber nur dessen Ausgelassenheit. Nur bei Pilawa geht es etwas gemächlicher zu. Er lässt als sportiven Test rüstige Seniorenpaare Tischtennisbälle in Blumenvasen titschen. Das ist dann doch mehr Altennachmittag.

Wissen ade

Wenn man sich anschaut, welche Spiele gespielt und welche Fragen gefragt werden, dann ist ein Paradigmen-wechsel greifbar. Selbst im Quiz zum Jahresrückblick mit Frank Plasberg geht es ausschließlich um Nebensächliches und Absurdes. Früher einmal hatte das Quiz nicht nur mit Raten, sondern auch mit Wissen zu tun. Wie illusionär auch immer das war, es behauptete zumindest irgendeine Relevanz. Das ist endgültig vorbei. Indem das Fernsehen alle bildungsbürgerlichen Hüllen abstreift, landet es fröhlich und willentlich im Infantilen.

Dass dieses Kindische keineswegs sein muss, lehrt unter anderem ein Blick auf das ausländische Privatfernsehen. Wer einmal auf dem britischen Privatsender ITV "The Chaser" gesehen hat, wird sich verwundert Augen und Ohren gerieben haben. Da gibt es zwar auch Fragen zu Filmstars und Popmusik, aber ebenso selbstverständlich zu griechischen Göttern und physikalischem Basiswissen.

Die Quoten sind manierlich

Ein Horror für die hiesigen Produzenten des öffentlich-rechtlichen Quiz-Elends. Veränderungsdruck aber gibt es nicht. Zwar kenne ich keinen unter 60-Jährigen, der sich stolz zum Anschauen der Pilawa/Pflaume/Plasberg/Hirschhausen-Quize bekennen würde, aber die Quoten sind manierlich. Die Prime-Time am Donnerstag gehört für die ARD nicht zu den Baustellen. Pilawa hat sich beim ZDF etabliert. Alles geht seinen Gang. Die Produktionsfirmen verdienen herrlich, die Kandidaten mehren ihre TV-Bekanntheit, die Zuschauer dösen und die Sender sind zufrieden.

Womit sie zugleich zeigen, dass sie überhaupt nicht begriffen haben, worin eigentlich der Reiz des globalen Erfolgsformats "Wer wird Millionär?" besteht. Das einzige Quiz-Format übrigens, in dem Jauch auftaucht - als Moderator - und nicht auch produziert. Und er moderiert es gut, denn er weiß, worauf es ankommt: auf die normalen Menschen, die da nervös auf dem Kandidatenstuhl herumrutschen. Sie schwitzen und freuen sich, haben Glück oder wissen viel, raten und riskieren etwas oder gehen lieber auf Nummer sicher. Mit ihnen können wir uns vergleichen und mitfiebern. Außerdem sind die Fragen - vielleicht mit Ausnahme der großen Kalauer am Anfang - in der Regel ganz interessant, oft originell, manchmal witzig. Man möchte die richtige Antwort wissen. Das ist der Unterschied: Das Publikum wird nicht per se für blöd gehalten.

 
 
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