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2. Februar 2011, 15:04 Uhr

Warum bei Pilawas Quizshow alles falsch läuft

Jörg Pilawa soll in Mainz die Prinzenrolle bekommen und zum Alleinunterhalter direkt nach Thomas Gottschalk werden. In seinem Quiz "Rette die Million!" quietscht und klemmt es jedoch. Ausnahmsweise kann Pilawa nichts dafür - das Quizformat selber steht auf dem Kopf. Von Bernd Gäbler

 
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An Moderator Jörg Pilawa liegt es nicht: Das Konzept der Quizshow "Rette die Million!" ist nicht ganz ausgegoren© DPA

Eine "Terra-X-Show", eine "Logo-Show" und eine Promi-Ausgabe von "Rette die Million!" soll Jörg Pilawa demnächst beim ZDF moderieren dürfen. Nicht nur am Mittwoch, sondern auch am bedeutend schwierigeren Samstagabend darf er dann seine Moderationskünste zeigen. So wird er nicht nur zum Allround-Quiz-Onkel aufgebaut, sondern Jörg Pilawa erhält auch konkurrenzlos die Pole-Position hinter Thomas Gottschalk, den er - Stand heute - wohl auch dereinst beerben soll.

Es wird noch einige Jahre dauern, bis er zu den Sternen greifen darf. Bis dahin ist noch eine lange Durststrecke zurückzulegen. Dazu gehört das Quiz "Rette die Million!", mit dem er am 2. Februar erneut auf Sendung ist. Es ist die fünfte Ausgabe eines Formats, das für den Mainzer Sender die Alternative zu Günther Jauchs "Wer wird Millionär?" darstellen soll, aber genau das nicht ist. Anfangs fiel die Aufzeichnung der Sendung unangenehm auf, weil das quizbegeisterte Saalpublikum aus Sicherheitsgründen über Stunden hinweg - Guantanamo-gleich - ohne Getränk und Möglichkeit zum Toilettengang eingepfercht worden war. Der Geldbetrag von einer Million Euro war im Studio physisch präsent - diese Sensation war den Fernseh-Unterhaltern wichtiger als das Publikum. Dieser Missstand wurde inzwischen ebenso abgestellt wie die stundenlange Dauer der Aufzeichnung. Nicht abgestellt wurden die fundamentalen Mängel dieser eigenartigen Quiz-Sendung.

Wie Quiz funktioniert

Normalerweise funktioniert Quiz so, dass Menschen wie du und ich oder stattdessen Menschen, die aus dem Fernsehen bekannt sind, Fragen zur Allgemeinbildung beantworten müssen. Das lädt zur Identifikation und zum Vergleich ein: "Das hätte ich aber gewusst!" oder "Das hätte der doch wissen müssen!" Durch Anstrengung, Wissen, Können, Glück, Taktik erringen clevere Kandidaten Geldbeträge, mit denen sie zufrieden sind - oder sie versagen. Gerade in Deutschland wird es sehr geschätzt, wenn sich Kandidaten eifrig Schritt für Schritt nach oben arbeiten. 32.000 Euro als Lohn für lange Anstrengung - das kann dann schon großes Glück bedeuten und beim Zuschauen große Gefühle - vom Gönnen bis zum Neid - auslösen.

Alles läuft falsch herum
Bei "Rette die Million!" läuft alles genau andersherum. Ein Kandidatenpaar bekommt einen Batzen Geld in die Hand - genau eine Million Euro - und muss diese dann von Fragerunde zu Fragerunde verteidigen. Es kann den Betrag auf eine Antwort setzen oder auf mehrere splitten. Verloren geht alles Geld, das auf falsche Antwortfelder gesetzt wurde. Permanent müssen die Kandidaten dicke Geldpacken hin- und herschieben. Hier soll Spannung entstehen, weil Risikospieler und Sicherheitsdenker zu unterscheiden sind.

Tatsächlich geht es aber meist nur darum, ob die Kandidaten viel oder wenig verlieren. Das gesamte Quiz ist eine einzige Aneinanderreihung von Niederlagen. Man kann sich vorstellen, wie die Stimmung am Ende meist ist. Errungene 50.000 Euro wirken nicht wie ein großer, verdienter Lohn für lange Anstrengung, sondern wie der letzte Strohhalm in einem Strudel des dahinrinnenden Geldes. Während bei Günther Jauch - trotz des Millionenziels - viele Kandidaten schon bei 16.000 Euro glückselig sind, fühlen sich bei Pilawas Kandidaten bei viel höheren Beträgen wie gerade noch davon gekommene Verlierer.

Das Quiz, das mit einem Millionenbetrag beginnt und mit kleinen Siegessummen endet, steht auf dem Kopf. Es ist wie ein Hochsprungwettbewerb, in dem alle bei 2,45 Meter beginnen müssen und dann so lange die Latte reißen, bis sie bei ihrer Höhe angekommen sind. Wer würde dann 2,27 Meter noch als Erfolg verbuchen? Selbst wenn "Rette die Million!" noch einigermaßen vernünftigen Zuschauerzuspruch hat, das Konzept stimmt einfach nicht. Selbst die Kategorien, nach denen die Fragen sortiert sind, wirken zufällig und strukturlos. Das Quiz läuft nicht rund - und diesmal kann Pilawa kaum etwas dafür.

Pilawas Rolle ist unklar

Nun könnte selbst bei diesem verqueren Konzept noch etwas Spannung entstehen, wenn es der Moderator verstünde, aus der Paar-Situation der Kandidaten Honig zu saugen. Dafür aber ist seine Rolle zu unklar definiert. Ist er das fragende Gegenüber der Kandidaten? Nein, die Fragen stellt ein Computer. Ist er Helfer und interessierter Gastgeber? Nein, dafür befasst er sich viel zu wenig mit den Kandidaten. Meist steht er da, wo im Quiz-Studio auch tatsächlich sein Platz sein soll: ein bisschen daneben. Natürlich ist Jörg Pilawa ein routinierter Moderator, der die Stimmung erspürt, gelegentlich mal ein freundliches Witzchen macht, die Sendung irgendwie am Laufen hält. Aber sie läuft nicht rund, es gibt kaum schöne, kaum erhellende Momente.

Gegenwärtig gibt es ohnehin zu viele Quiz-Sendungen (Hirschhausen, Plasberg, Yogeshwar/Elstner, Pflaume). Keine kann "Wer wird Millionär?" das Wasser reichen. Das liegt auch daran, dass sich viele Moderatoren mit öden Konzepten begnügen. Hier macht Pilawa keine Ausnahme. Vermutlich ist er im Moment beim ZDF weniger als Moderator denn als Produzent gefragt, sonst ist die Aufgabe "Rette das Format 'Rette die Million!'" unlösbar.

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

Von Bernd Gäbler
 
 
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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