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21. Februar 2012, 14:26 Uhr

Was Rach so erfolgreich macht

Millionen schauen zu, wenn "Rach, der Restauranttester" durch die Provinz reist, um defizitäre Kaschemmen aufzumöbeln. Am Montag ging die sechste Staffel zu Ende - sie war so erfolgreich wie keine zuvor. Was ist Rachs Erfolgsrezept? Von Bernd Gäbler

 
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Sternekoch Christian Rach, wie seine Fans ihn kennen und lieben: wild gestikulierend vor einem Gasthaus in der deutschen Provinz© RTL

Verzweifelt gestikuliert er, stemmt die Arme in die Hüfte, rauft sich die Haare - so wird Christian Rach, der Restauranttester, bei "Switch reloaded" karikiert. Auch in der echten Sendung bemüht sich der echte Christian Rach gelegentlich, seiner Parodie gerecht zu werden. Dann gestikuliert er wild, die Ellenbogen immer dicht an den in wildgemusterte Hemden gehüllten Leib gepresst.

Die seit September 2005 nach dem englischen Vorbild "Ramsay's Kitchen Nightmares" auf RTL ausgestrahlte Sendung folgt einem ritualisierten Ablauf. Der "Sternekoch", wie Christian Rach immer wieder annonciert wird, schaut sich in einem Restaurant um und bestellt sich erstmal was zu essen. Er testet es nicht, sondern ist gerufen worden, um zu helfen. Noch mit dem Teller in der Hand geht er schnurstracks in die Küche. Abgründe tun sich auf. In Wismar taut Mike tiefgefrorenes Fleisch in einem schmuddeligen Warmwasserkübel auf, in der Trattoria Fellini in Ludwigshafen sieht es im Lager aus wie auf einer Müllhalde, in der Weinstube in Mindelheim weiß leider keiner, was ein Müller-Thurgau ist. So geht es nicht.

Rund sechs Millionen Zuschauer schalten ein

Aus der Lageanalyse folgen Vorschläge und Konsequenzen. Rach fordert Entscheidungen. Bei der Umgestaltung des Interieurs überfährt er die Inhaber meist ein wenig, dann aber müssen sie "mitziehen". Dann heißt es: "Schluss mit Jammern!". Kriegen sie die Kurve? Sind sie motiviert oder umständlich, wissbegierig oder überfordert? Wird es Konflikte geben zwischen Koch und Besitzer, Küche und Service? Aus diesem Stoff speist sich die Dynamik, meist muss nach anfänglicher Einsicht noch ein retardierendes Element kathartisch überwunden werden.

An diesem Montag ist die vorerst sechste Staffel mit einer Rundfahrt des "Sternekochs" zu früheren Stationen seines Wirkens zu Ende gegangen. Mit 4,99 Millionen Zuschauern war die Quote zum Abschied verhältnismäßig schwach. Normalerweise schalteten zwischen 5,54 und 6,9 Millionen Zuschauer ein, stets lag die Quote sogar in der Zielgruppe der jüngeren Zuschauer zwischen 20 und 25 Prozent. Wie kann das sein? Uns wird vorgeführt, was im Manager-Jargon "Change-Management" heißt. "Du kannst nix", sagt Rach einem Koch auf den Kopf zu und dann heißt es: Scheitern oder "üben, üben, üben". Es macht den Reiz dieser Sendung aus, dieser Veränderung zu folgen. Als Zuschauer bekommen wir sehr viel zu sehen: die deutsche Provinz, deutsche Paare, den Wert guter Arbeit, die Bedeutung klarer Strukturen, die Notwendigkeit, sich zu entscheiden. Es geht um Ökonomie und Psychologie. Und wir sehen, wie sich Menschen gegen Veränderungen sträuben, überheblich sind oder uneinsichtig. Wir merken, dass sie Ausreden vor sich herschieben – und, obwohl wir kein Restaurant besitzen und auch nie eins haben wollen – erkennen wir uns darin selbst. Es ist unser eigener, kleiner innerer Schweinehund, unsere eigene "Ja, aber"-Mentalität und unsere eigene Sehnsucht nach Anerkennung in der Arbeit, nach einem Chef, der ruhig streng sein darf, wenn er denn gerecht ist. "Rach, der Restauranttester" ist auch deshalb so erfolgreich, weil es in unserem Arbeitsalltag eine "Gratifikationskrise" gibt und allenthalben auch schlechte, unstrukturierte Vorgesetzte.

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Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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