5. April 2013, 16:16 Uhr

Rollerfahrer Striesow auf Tour mit den Rockern

Der erste "Tatort" mit Devid Striesow kam im Januar trotz guter Quote bei Kritikern nicht immer gut weg. Jetzt unternimmt Kommissar Jens Stellbrink einen neuen Anlauf - im Rockermilieu.

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Im Saar-"Tatort" "Eine Handvoll Paradies" tritt Elisabeth Brück (Kommissarin Lisa Marx) aus dem Schatten von Devid Striesow (Kommissar Jens Stellbrink) hervor©

Der neue "Tatort" des Saarländischen Rundfunks (SR) kommt in Fahrt. In der zweiten Folge heizt der neue Ermittler Devid Striesow als Kommissar Jens Stellbrink mit seinem roten Motorroller durch malerische Landschaften. Auf seine unkonventionelle und menschlich-einfühlsame Art kommt er dem Mörder eines Rockers auf die Spur. Nach einem umstrittenen Debüt im Januar bietet "Eine Handvoll Paradies" eindrucksvolle Bilder und verspricht viel Spannung. Der Streifen von Regisseur Hannu Salonen läuft an diesem Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD.

Auf einer Landstraße wird die Leiche von "Rüde", Mitglied einer Rockergang, gefunden. Schnell wird klar, dass er nicht mit seiner Harley Davidson verunglückt ist, sondern dass er ermordet wurde. Stellbrink beißt bei seinen Ermittlungen auf Granit. Denn unter den verschworenen Rockern herrscht eisiges Schweigen. Auch wenn seine Partnerin Hauptkommissarin Lisa Marx (Elisabeth Brück) vor den Gefahren warnt, geht der furchtlose Stellbrink in die Höhle des Löwen: "Dann muss ich sie wohl in ihrer Hundehütte besuchen."

Skurriler Ermittler in Jeans und Hemd

Statt kleinteilig und konventionell wie seine Vorgänger ermittelt Stellbrink in Jeans und Hemd auf seine bisweilen skurrile Art. Striesow macht dem Typ eines neuen Fernsehkommissars alle Ehre. Im Gegensatz zur ersten Folge kommen seine Sprüche weniger als schlechte Comedy, denn als stimmiger Humor rüber. Die Rocker werden als schräge Outlaw-Cowboys präsentiert.

Der Einstieg des neuen "Tatort"-Ermittlers hatte im Januar zwar stolze 9,05 Milionen Zuschauer vor den Fernseher gelockt, die Kritik von "Tatort"-Fans und Medien war aber meist vernichtend. Vielfach waren Ungereimtheiten und Langatmigkeit kritisiert worden. Selbst die überregionalen Feuilletons waren sich einig: "Grandios missratene Episode" befand die Süddeutsche Zeitung, "völlig misslungen" die Frankfurter Allgemeine. Die "taz" wollte "Melinda" am liebsten in den "Giftschrank" verbannen.

SR drehte zwei "Tatort"-Folgen in nur 41 Tagen

Das könnte bei der zweiten Folge anders aussehen. Zwar steht auch in einer "Handvoll Paradies" der ständig präsente Striesow im Scheinwerferlicht. Allerdings gewinnt seine Kripo-Partnerin, die im Januar Stellbrink buchstäblich oft nur hinterherlaufen durfte, ein wenig an Format. Sie wartet nicht zuletzt mit Insiderkenntnissen aus der Rocker-Szene auf. Und selbst die spröde Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach), die Stellbrink erneut in die Quere kommt, darf etwas auftauen und am Schluss der "unorthodoxen" Ermittlungs-Art des SR-Kommissars Anerkennung zollen.

"Eine Handvoll Paradies" gewinnt nicht zuletzt durch die rockige Musik von Musicalkomponist Frank Nimsgern und wartet mit eindrucksvollen Bildern auf. Chefkameramann Wolf Siegelmann setzt die saarländische Landschaft, Industrieruinen und alte Häuser oft in buchstäblich schrägen Einstellungen in Szene.

Für dieses Jahr hat der SR gleich zwei "Tatort"-Folgen in nur 41 Tagen gedreht. Im nächsten Jahr gibt es dann wieder nur eine. In Zeitungsinterviews hat Striesow versprochen: "Ich habe die Figur so angelegt, dass ich sie noch über Jahre weiterspielen kann. Ich will alle Skurrilitäten beibehalten und weiterentwickeln."

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Von Jörg Fischer, DPA
 
 
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