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16. Januar 2008, 17:48 Uhr

Keinen Löffel draufgelegt

Auch nach der vernichtenden Kritik der ersten Show von "The next Uri Geller" wird fröhlich weitergemacht wie gehabt: Uri Geller versendet magische Strahlen, die Gäste finden alles total aufregend, und die Kandidaten mühen sich redlich, um sich nicht vollends lächerlich zu machen. Von Björn Erichsen

Zoom

Hängepartie mit dem "mysteriösen Lord" Jake Nasher© Prosieben/ Holger Rauner/ DPA

Man darf Stefan Gödde, Moderator der Show "The next Uri Geller" ruhig mal ein Kompliment machen: Er bemüht sich wirklich sehr. Im schicken Nadelstreifenjackett rauschte er durch die Halle, um deutlich zu machen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. Mit den drei anwesenden Sozialrichtern machte er einen Uhrenvergleich. "Hier ist alles sauber", verkündete er stolz, nachdem er tief in den Gehörgang von Comdian Oliver Welke geblickt hatte. Der war neben Schauspielerin Christine Neubauer und ProSieben-Moderatorin Charlotte Engelhardt an diesem Abend als Promi-Gast und Versuchskaninchen geladen. Und dann brachte er sogar seine Mutter ins Spiel, die ihn nach der letzten Sendung angerufen hatte: "Hallo, Stefan, hier ist Mama, halt dich fest, bei uns ist gerade ein Löffel vom Fernseher geflogen." Wow, wenn sogar bei Mutter Gödde Übersinnliches passiert...

Ihr Sohn plauderte unterdessen ausgelassen mit Geller über die "unglaublichen Reaktionen", die die erste Sendung bei der Presse ausgelöst habe. Im Hintergrund wurden als Beleg in schneller Folge diverse Zeitungsartikel mit Schlagzeilen wie "Die magische Rückkehr des Löffelverbiegers" eingeblendet. Nur genaueres Hinsehen im Standbild ließ erkennen: Fünf der sieben Artikel waren teilweise schon Wochen vor Beginn des Formates am 8. Januar veröffentlicht worden - also bevor die Presse zu ihrer großen Spottattacke auf Uri Geller ausholte. Ein eingeblendeter "Bild"-Artikel war tatsächlich im Anschluss an die erste Show erschienen: Allerdings liest man unter der wohlwollend klingenden Überschrift, dass sich der Erstling durch "135 Minuten Sendezeit quälte", und Geller ganz "dringend noch einen Löffel drauflegen" müsse.

Tat er leider nicht. Geller verzapfte bei seinen Bewertungen genau die gleichen paranormalen Plattitüden wie beim ersten Mal: "Deine mentale Beeinflussung der Promis war voller Stil", oder "Deine Fähigkeit, die menschlichen Schwingungen zu fühlen und wahrzunehmen, ist ... [dramaturgische Pause] ... faszinierend." Mal ganz ehrlich: Wem hilft dieses Gewäsch? Den Kandidaten? Wohl kaum. Den Zuschauern sicher auch nicht. Das wird man vielleicht selbst bei ProSieben irgendwann erkennen: In der aktuellen Form verharrt die Show in spaßbefreiter Belanglosigkeit.

Geller in Frührente

Dabei gäbe es doch spannende Alternativen: Geller könnte zum Beispiel den ganz harten Hund geben, eine Art mystischen Super-Bohlen, der den Teilnehmern ein deftiges "Das hast du jetzt aber ordentlich verkackt" mit auf den Weg gibt. Das würde den Kandidaten zwar auch nicht helfen, aber zumindest hätten die Zuschauer was zu lachen. Besser noch wäre allerdings, Geller würde vorzeitig in Rente geschickt - die Sache mit dem Nachfolger regelt sich ja gerade. An seine Stelle tritt dann ein ernst zu nehmender Bühnenmagier, der die Talente und Tricktechniken der Kandidaten nach ernst zu nehmenden Kriterien bewertet.

Hätten sie es sich nicht selbst ausgesucht, könnten einem die Teilnehmer fast leid tun. Für jeden von ihnen hat die Show eine Rolle - ob sie wollen oder nicht. In den kleinen Einspielern, in denen es gerne blitzt und donnert und meist irgendwelche Anverwandte oder beste Freunde die besonderen Fähigkeiten bestätigen, werden die neuen Teilnehmer vorgestellt. Gestern Abend war Leo Martin dran, der "Mann mit dem stechenden Blick", der mal als Profiler gearbeitet hat. Und auch der "mysteriöse Lord" Jake Nasher. Und natürlich Farid, "Mr. Cool" aus Bochum, den angeblich selbst Rapper Sido fürchtet.

Den besten Auftritt des Abends hatte jedoch Alexander Hartmann - der "Charming Boy mit Tiefgang", der allein schon wegen seiner wild hochtoupierten Haare recht weit kommen dürfte. Stirn an Stirn stand er da mit Neubauer, bombardierte sie mit Fragen, drehte sich in einer Art Mental-Ringkampf mit ihr mehrfach im Kreis, bis er ihr schließlich das Hilfsverb "wollte" entlocken konnte, das sie vorher auf einer vermeintlich willkürlichen Seite eines Buches gelesen habe. Anschließend sorgte er noch dafür, dass Welke das Wort "Nebengebäude" augenscheinlich per Gedankenkraft in das Gehirn von Charlotte Engelhardt transferierte. Die war verwundert: "Ich habe das Wort wirklich gehört, mir ist jetzt ganz kodderig."

Die Umdrehungen der Erotikschraube Beim Auftritt von Farid wurde kräftig an der Erotikschraube gedreht: Wieder wurde Welke ("Ich hatte noch nie ein Blind Date") auf die Bühne gerufen und suchte sich aus 30 leicht bekleideten Models exakt jenes aus, das Mr Cool zuvor vorausgesehen hatte. Der Auftritt von Torsten Strothmann - mit verbundenen Augen Gegenstände erkennen, die Neubauer in der Hand hielt - wäre fast schiefgegangen. Und die Darbietung von Nasher, der sich an einem präparierten Strick an einen Galgen hängte, klang in der Ankündigung wesentlich spannender als die gebotene Hängepartie. Sie reichte allerdings aus, um Moderator Gödde in die Nähe einer Organ-Inkontinenz zu bringen. "Boah, da ist mir ja fast das Herz in die Hose gerutscht."

Wer gehofft hat, dass Uri Geller in seinem "Live-Experiment" wieder magische Reparaturstrahlen in die Wohnzimmer schicken würde, um kostengünstig alte Toaster, Wasserkocher und Heizdecken zu reanimieren, wurde enttäuscht. Diesmal galt die Gellersche Gedankenkraft dem Mobiliar der Zuschauer. "Ich werde ihre Tische verschieben, vielleicht sogar zum Hüpfen bringen", kündigte Geller vielsagend vor der Werbepause an.

Und damit die Zuschauer auch verstehen, was sie tun sollen, wurde das Ganze im Studio vorgemacht. Neben den Promi-Gästen wurden einige Studiogäste an zwei auf der Bühne platzierte Tische gerufen. Im Viererpack legte man die Hände auf. Erst mal passierte gar nichts. Dann zählte Geller auf Hebräisch "Achad, Shtaim, Shalosh" (1-2-3) herunter - ProSieben hat diesen Slogan übrigens auf einer Kaffeetasse verewigt, die der geneigte Zuschauer zum "Schnäppchenpreis" von 19,90 Euro erwerben kann - und siehe da: Die Tische bewegten sich tatsächlich. Unfassbar - vor allem für Neubauer, die bei diesem "Table Dance" vor sich hin jauchzte wie eine Frühlingsballdebütantin nach ihrem vierten Doppelkorn.

Zwölfjähriger mit hüpfendem Tisch

Auch in den Wohnstuben der Republik muss die Hölle los gewesen sein. Per Telefon verkündete Susann K. aus Eisenhüttenstadt atemlos, dass sie bei der Übung "ganz heiße Hände" bekommen habe. Auch Frank B. aus Fürstenwalde "habe da so ein Kribbeln gespürt". Auf einem eingesandten Video durfte man denn auch noch bewundern, wie ein vollschlanker Zwölfjähriger aus München mit einem kleinen Beistelltisch durch sein Kinderzimmer hüpft. "Einfach unglaublich", fand Geller. "Ich habe keine Erklärung dafür. Es sind ganz seltsame Dinge, die da passieren." Starke Aussage, kann man sicher unterschreiben.

Ob bei Mutter Gödde daheim auch die Tische wackelten? Ihr Sohnemann wird es den Zuschauern wahrscheinlich in der nächsten Episode der Geller-Show verraten. Doch zunächst einmal musste er sich um Spannung bemühen, wie es sich für das Finale einer Casting-Show gehört. Lord Nasher wurde mit seiner Galgennummer rausgewählt. Und man fragt sich schon, weshalb der so geschockt reagierte: Bei all den besonderen Fähigkeiten in der Sendung müssten doch eh schon alle wissen, wie es am Ende ausgeht.

Von Björn Erichsen
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Cookie_25 (17.01.2008, 13:09 Uhr)
uffff!
Da hat der Autor mal richtig schön Dampf abgelassen.Klingt fast so als wäre er eine verlassene Geliebte von Uri Geller, so wie er drauf rumhackt. Seine Kritik hat wenig Kritisches, dafür viel Persönlisches und Populistisches. Wem will man mit so einem Kommentar bitte gefallen? Mag sein, dass the NextUri Geller ziemlich überflüssig ist, aber was ist mit der restl. Grütze, die uns tgl. im TV-Alltag dargeboten wird? Allen voran der RTL-Dschungel, der hier aber sogar mit kleinen Videos auf der Stern.de Startseite zum anschauen bereitgestellt wird!Könnte der Autor bitte auch mal etwas zum Dschungel schreiben, sonst werde ich den Verdacht nicht los, das Stern. de eigentlich rtl.de heißen müsste!
RomanTicker (17.01.2008, 11:54 Uhr)
Naja
Da hat der Stern an anderer Stelle Lösungen für die Tricks angeboten. Dabei hat der Rechtsanwalt anscheinend nicht richtig aufgepasst und bei seinen Lösungsversuchen daneben getippt. Beispielsweise der Lord mit der Schlinge hat nicht etwa einen Partner benötigt, der ihm die Seilnummer zeigte. Es war vielmehr so, dass das präparierte Seil von MAGNETEN zusammengahelten wurde. Da der Typ ganz offensichtlich einen Ring an eine Hand trug und jedes Seil in die Hände nahm, bevor er sich für eines entschied, ist es doch sehr erstaunlich, dass hier im Stern nicht einmal die offensichtlichste Lösung veröffentlicht wird. Der Lord konnte mit dem Ring die Magnete spüren.
Manche Tricks könnten richtig gelöst sein, aber was war mit dieser Frau in der ersten Sendung, die eine Geldscheinnummer vom Geldschein eines Promis blind wusste. Wenn das ein Trick war, dann muss der Promi eingeweiht gewesen sein. Möglich ist es, aber nicht zu beweisen, solange der Herr dies nicht zugibt. Genauso wird einfach unterstellt, dass Christine Neubauer eine Markierung sah und das Spiel mitspielte. Gibt es dafür Beweise?
Auslaender (17.01.2008, 10:01 Uhr)
Volksverdummung
Warum sollte es denn das Vorrecht von Religionen sein, die Leute mit Mummenschanz und Volksverdummung zu verarschen?
Ich habe mich jedenfalls ganz gut amüsiert während der Sendung.
AH.Maurer (16.01.2008, 22:14 Uhr)
Was zum Teufel, machen Löffel ...
auf dem Fernseher ???
Schulse (16.01.2008, 17:39 Uhr)
Ist ja...
... wieder klar, dass so ein Stuss es auf die Startseite bei Stern.de schafft... Dramen aus aller Welt machen ja einfach keine professionellen Eindruck... Stern.de, das bild.de der Abiturienten
havranek (16.01.2008, 16:54 Uhr)
@ Amenics1
Du darfst von den Stern Autoren nicht zuviel erwarten, die ziehen sich den ganzen Tag RTL inkl. Super-Bohlen rein, da nimmt man Details nachher nicht mehr so ganz genau! (Der ganze RTL-Kommerz trübt die Sinne!)
Aber man siehts ja an den Kommentaren, zwar wird die Dschungelshow im Stern wie nichts anderes beworben, den Zuschauern gefällts trotzdem nicht. Das Gegenteil bei Uri Geller, Journalisten sind halt schon ein komisches Völkchen... =)
gitarrist (16.01.2008, 16:39 Uhr)
Unglaublich, aber ich habe es erlebt
Als ich das erste Mal den Geller im TV gesehen habe, dachte ich auch an Kameratricks und frag mich nicht. Ich habe hier in Wisconsin jemanden getroffen, der aehnliche Tricks drauf hatte wie der Geller. Es war bloss anders. Er hat mich in einer Bar angesprochen und dann fing er an mir ein paar Tricks zu zeigen, die ich nicht fuer moeglich hielt. So schnell wie der kam war er dann auch wieder weg. Es war ein wenig unheimlich. Nach dem ich das aber gesehen hatte und der mich einfach so in einer Bar ansprach, glaube ich schon, dass es sowas gibt oder besser gesagt, ich kanns mir nicht anders erklaeren. Er verschwand so schnell wie er gekommen war und drueckte mir seine Karte in die Hand. Unglaublich, aber wahr!!!
Dazu sollte man sagen, dass ich vollkommen nuechtern war wie sonst auch.
Amenics1 (16.01.2008, 16:32 Uhr)
Zaubertricks, na und?
Ist doch nicht mit übernatürlichen Phänomenen geworben worden sondern mit Entertainment und Unterhaltung.
Der Artikel ist ganz unterhaltsam, ich frage mich aber warum manche Darstellungen ironisch durch den Kakao gezogen werden so als ob was "Übernatürliches" eigentlich aber nur ein Zaubertrick ist - aufgeklärt wurde es aber nicht "wie" es funktioniert. Es wird nur gesagt dass es ein billiger Kneipentrick ist oder dass Fr. Neubauer das Wort "wollte" abgeluchst wurde mit Zitat:..."das sie vorher auf einer vermeintlich willkürlichen Seite eines Buches gelesen habe.." - ja und, wie hat er's denn gemacht? Da bin ich jetzt aber mal gespannt :-)
donkeykong (16.01.2008, 16:30 Uhr)
@mechmo
Tatsaechlich, da ist mir der Uri Geller-Vogel erschienen und hat mir geraten, beim naechsten Mal den Fernseher wieder auszulassen, da wieder nichts Interessantes passieren wird!
Danke fuer den Vogeltrick!
Amenics1 (16.01.2008, 16:28 Uhr)
Zaubertricks, na und?
Ist doch nicht mit übernatürlichen Phänomenen geworben worden sondern auch mit Entertainment
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