16. Februar 2012, 14:53 Uhr

Der smarte Harte

Weil er gut aussieht und smart ist, wird Markus Lanz unterschätzt. Dabei genießt er in der Branche einen exzellenten Ruf - und könnte genau der Richtige für den Neustart von "Wetten, dass ..?" sein. Von Carsten Heidböhmer

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Könnte der Unterhaltungsshow "Wetten, dass ..?" frischen Wind einhauchen: Markus Lanz©

Ich habe in den letzten Jahren einen Weg eingeschlagen, der von der großen Showbühne eher wegführt." Mit diesen Worten hatte Markus Lanz noch vor Kurzem sein Desinteresse an der Moderation von "Wetten, dass ..?" zum Ausdruck gebracht. Nun macht er es aber wohl doch.

Letztlich gab aber etwas anderes den Ausschlag: "Natürlich kitzelt es die Eitelkeit, wenn man bei solch einem bedeutenden Format im Gespräch ist", hatte der 42-Jährige im gleichen Interview gesagt. Offenbar war die Eitelkeit stärker. So muss Markus Lanz seinen bisher eingeschlagenen Weg korrigieren und doch in Richtung große Showbühne marschieren.

Das dürfte für den Moderator kein Problem sein, denn mit weiten Wegen kennt er sich aus. Bereits mehrfach ist er an die Pole gereist und hat sich dort unter widrigsten äußeren Bedingungen durchgekämpft. Im vergangenen Jahr etwa hatte er sich zusammen mit Joey Kelly auf einen wettlauf zum Südpol begeben, mit schmerzhaften und bleibenden Folgen: „Ich habe aufgrund der Kälte kein Gefühl mehr in den Fingerkuppen. Am Südpol war mein Kreislauf so am Boden, dass ich im Schnee Gespenster gesehen habe, das war unheimlich“, sagte Lanz hinterher.

Lanz gilt als gute Wahl

Keine Frage: Markus Lanz schont sich nicht und geht auch mal dahin, wo's wehtut. Diese Charaktereigenschaft könnte ihm helfen bei seinem künftigen Himmelfahrtskommando, den Unterhaltungstanker "Wetten, dass ..?" noch einmal flottzukriegen. Die Chancen, dass er es hinkriegt, stehen nicht gut. Doch wenn es einer schafft, dann am ehesten Lanz, der in der Fernsehbranche einen exzellenten Ruf genießt.

Der frühere RTL-Chef Helmut Thoma hält ihn für eine gute Lösung: "Lanz ist jung, frisch und verfügt über ein journalistisches Profil", sagte Thoma stern.de. Es sei allerdings wichtig, dass Lanz das Konzept der Show gründlich überarbeite und auf ihn zuschneide. Seine eigene Talkshow moderiere er jedenfalls sehr gut, so Thoma. Das bestätigen auch Menschen, die in seiner Sendung eingeladen waren. Mehre Gäste beschreiben ihn übereinstimmend als freundlich auch jenseits der Kamera, verbindlich und vor allem an den Gesprächspartnern interessiert. "Er ist ein guter Frager, kann zuhören und geht auch auf das ein, was man sagt", berichtet ein Gast, der mehrmals in der Sendung eingeladen war. Ein anderer Gast hebt hervor, dass Lanz auf sein Gegenüber sehr gut vorbereitet sei. Etwas Negatives ist von niemandem zu hören.

Er zeigt Haltung

Vor allem besitzt Lanz eine Eigenschaft, die im deutschen Fernsehen zwischen all den Pilawas und Kerners selten geworden ist: Er zeigt Haltung. Er scheut sich nicht, nachzufragen, seinen Gästen zu widersprechen und seine Meinung auszudrücken – auch wenn er damit allein steht. Vor einigen Jahren war Lanz einmal zusammen mit Charlotte Roche zu Gast bei Johannes B. Kerner. Es war eine peinliche Sendung, in der sich alle Gäste freiwillig auf das Niveau von Charlotte Roches Bestseller „Feuchtgebiete“ herabließen und alberne Pipi-Kaka-Witze machten. Markus Lanz saß stoisch daneben und brachte mit einem Satz seine Haltung zum Ausdruck: "Das Buch hat mich weder amüsiert, noch war es große Literatur." Vielmehr war zu diesem Thema nicht zu sagen.

Ein anderes Mal zeigte er sogar öffentliches Engagement: Aus Protest gegen die Atomtests, die der französische Staatspräsident Jacques Chirac auf Mururoa veranlasste, nahm er gemeinsam mit zwei Kollegen eine Single auf. Der Titel war eindeutig: "F... ! Chirac".

Dass es Markus Lanz eines Tages zur Moderation von Deutschlands wichtigster Fernsehshow bringt, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Denn geboren wurde er in Italien. 1969 kam er in Südtirol auf die Welt, wo er die ersten 20 Jahre seines Lebens verbrachte. 1990 siedelte er nach Deutschland über, zunächst studierte er in München Kommunikation und absolvierte im Anschluss ein zweijähriges Volontariat bei Radio Hamburg. 1995 gelang ihm der Sprung auf den Bildschirm: Er wurde er Nachrichtenmoderator bei RTL Nord. Bundesweit bekannt wurde er 1998: In ihrer Babypause übernahm Lanz von Barbara Eligmann die RTL-Sendung "Explosiv - Das Magazin". Ab April 1999 moderierte er die Sendung neun Jahre lang regelmäßig, später übernahm er auch die Redaktionsleitung.

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