Darum habe ich über Kates Schwangerschaft gelästert

6. Dezember 2012, 16:56 Uhr

Sechs Monate Schwangerschaftsberichte aus dem Königshaus: ARD-Reporterin Annette Dittert schien "not amused" und tat das via Facebook kund. Nun erklärt sie, was sie wirklich von den Royals hält.

© ARD Annette Dittert berichtet als Korrespondentin für die ARD aus London

Wie genervt sind Sie von den neuen Entwicklungen rund um die britische Königsfamilie? Oder war Ihr Facebook-Eintrag ein Witz?

Das war britischer Humor. Und auch viele meiner Kollegen ergehen sich derzeit in satirischen Kommentaren zu diesem Thema. Sie listen sogar Dinge auf, über die sie nicht mehr berichten wollen. Zum Beispiel welche Farbe die Erzeugnisse haben, die man als Frau da von sich gibt. Das hat hier im Privatfernsehen eine Moderatorin angesichts der schweren Übelkeit von Kate ernsthaft diskutieren wollen. Aber natürlich war mein Eintrag ein Witz. Ich bin ein großer Fan der royalen Berichterstattung, sie macht unser Reporterleben hier bunt und abwechslungsreich.

Ist es schwierig, über solche royale Themen zu berichten?

Nein, eigentlich nicht. Es gibt viele journalistische Quellen: Zunächst die BBC, die berichtet in solchen Fällen auf ihrem Nachrichtenkanal so gut wie rund um die Uhr. Da wird jede noch so feine Änderung im Gesichtsausdruck des Prinzen genauestens interpretiert und altgediente Hofberichterstatter ergänzen alles mit exklusiven Informationen. Es gilt aber auch: Wer anscheinend intime Details ausplaudert, hat keine Ahnung. Wer der königlichen Familie wirklich nahesteht, der hält den Mund.

Sind Sie selber ein Fan des Königshauses – oder von bestimmten Mitgliedern des Königshauses?

Ich habe mich dieses Jahr bereits mehrfach als großer Fan der Queen geoutet. Sie erinnert mich einfach immer an meine Mutter - mit dieser deutsche Betondauerwelle und diesem eisernen Pflichtgefühl. Aber ganz im Ernst: Die stoische Disziplin, mit der die Königin die "Firma" durch schwere Zeiten gesteuert hat, ist beeindruckend. Die Welle an Begeisterung und echter Dankbarkeit, die ihr Volk ihr dafür in diesem Jahr entgegengebracht hat, war daher wirklich verdient. Und sie wirkte gerührt über diesen Dank. Das hatte sie nicht erwartet, glaube ich.

Im vergangenen Jahr war es die Hochzeit von Kate und William, in diesem Jahr das Thronjubiläum der Queen – gibt es irgendetwas, was noch nicht berichtet wurde?

Nein. Und Ja. Einerseits wird, wie vor allem jetzt rund um Kates Schwangerschaft jeder noch so kleine Schritt minutiös begleitet, andererseits weiß die Presse doch erstaunlich wenig darüber, wie es drinnen in den Schlössern zugeht. Man bleibt eben doch draußen - und das ist auch so gewollt. Der Queen ist wichtig, dass ihre Familie etwas Besonderes bleibt. Sie will einen Rest von Geheimnis erhalten. Walter Bagehot hat einmal gesagt: "Don't let daylight into magic - kein Licht soll die Magie berühren". Damit meinte er, dass das Königshaus sorgsam darauf achten müsse, dass sein Zauber nicht verfliegt. In den 60ern gab es einmal eine Dokumentation in der BBC mit dem Namen "The royal family". Da sah man Elizabeth II beim Eiskaufen mit ihrem Sohn Prinz Edward und beim Würstchen-Grillen in Schottland. Gezeigt wurde also eine ganz normale Familie. Der Film wurde exakt einmal ausgestrahlt und landete dann im Giftschrank. 
Elizabeth II hat damals schnell verstanden, dass diese Art der Soap ihrer Einzigartigkeit nur schaden konnte.

Wie wichtig ist für die royale Berichterstattung der britische Humor?

Der britische Humor ist immer wichtig, und natürlich braucht man ihn vor allem an Tagen wie gestern, wenn Hunderte von Reportern ernsthaft über das Phänomen der Morgenübelkeit berichten. Ich stand beispielsweise gestern Nachmittag vor der St. Edwardsklinik, in der Kate zur Zeit behandelt wird, um für die ARD-Sendung "Brisant" zu berichten. Das war schon eine absurde Szenerie. Neben mir standen an die 90 Teams: Chinesen neben Japanern, Kenianer und Kolumbianer. Und alle rätselten über intime Details einer problematischen frühen Schwangerschaft. Das sind die Höhepunkte eines Reporterlebens! Und natürlich fragt man sich dann: Wie lange wird das jetzt noch so weitergehen? Denn die Popularität des britischen Königshauses führt im Zusammenspiel mit den 24-Stunden-Nachrichtenzyklen auf digitalen Kanälen zu immer mehr Berichterstattung, auch dann, wenn gar nicht viel passiert ist. Es gibt einfach eine so unglaublich große Nachfrage nach immer neuen Folgen dieser wunderbar kitschig-bunten Soap - nach guten Nachrichten, die gibt es ja sonst kaum mehr irgendwo in den Fernsehnachrichten. Und aus all dem ergeben sich manchmal Tage, an denen man den britischen Humor ganz besonders gut gebrauchen kann.

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