Wir hätten uns gegenseitig Blowjobs verpassen können. Das ist ja nichts Schwules, solange du nicht schwul bist. Aber das Wunderbare ist die Empathie zwischen uns. Wir sind beide sehr schüchtern und introvertiert und verstehen blind, wovon der andere spricht. Auch Stephen hatte seine Drogenjahre, machte sich mit Models unglücklich und war dann wegen Depressionen in Therapie. Er leidet zudem unter den gleichen Panikattacken in der Öffentlichkeit wie ich. Es hilft beim Songschreiben, wenn beide die gleichen Neurosen haben.
Meine Therapeuten sagen, Glück besteht darin, sich selbst zu akzeptieren. Mein neues Album entstand in der bislang glücklichsten Phase meines Lebens. Sollte es deshalb ein Flop werden, bin ich am Arsch. Ich müsste sofort meine Happy Pills absetzen und schnellstens wieder depressiv werden.
Ja, und ich sehe auch keinen Grund, diese Pillen abzusetzen. Einige Leuten warnen, ich solle mich nicht von einem Medikament abhängig machen, aber ich denke: Warum denn nicht? Diese Pillen behindern mich nicht, und sie machen mein Leben viel erfreulicher, weil sie mich seelisch im Gleichgewicht halten.
Ich habe Kate sehr, sehr gern, aber wir sind keine verwandten Seelen, auch wenn wir beide mit 15 aus unserer Kindheit katapultiert wurden. Seit ich clean bin, haben wir uns nicht mehr getroffen - warum, können Sie sich denken. Seit langem wusste jeder, was mit ihr los ist. Die Treibjagd der englischen Yellow Press ist ekelerregend. Man versucht allen Ernstes, sie in den Selbstmord zu treiben. Dabei hat sie niemandem etwas angetan, nur sich selbst. Ich habe mit genau jenen Journalisten gemeinsam Drogen genommen, die jetzt schreiben, wie schlimm es sei, dass sie kokst. Für diese Heuchler sollte es keinen Platz auf dieser Welt geben. Sie verdienen es nicht zu leben.
Der Schriftsteller William S. Burroughs schwärmte einmal: "Wenn Gott jemals etwas Besseres erschaffen haben sollte als Kokain, dann hat er es für sich selbst behalten." Burroughs redet Bullshit, denn Ecstasy ist viel besser als Kokain.
Kokain ist eine verdammte Depri-Droge. Ich habe mir jahrelang dabei zugesehen, wie sich mein Leben in Scheiße auflöste. Ich erinnere mich, wie ich mit 19 mit einem 35-Jährigen gekokst habe. Ich fragte ihn: "Hast du jemals Spaß gehabt, wenn du eine Linie ziehst?" Seine Antwort war: "Nicht wirklich. Du kannst nur länger wach bleiben als andere - und das ist ein verdammter Scheißsport." Ich habe Drogen nie genommen, um Spaß zu haben, sondern weil ich einsam war und mich fühlte wie ein Haufen Dreck. Ich wünsche Kate die Erfahrung, welche Freude es ist, keine Drogen mehr in der Blutbahn zu haben. Du wachst nicht mehr mit diesem grausamen Kokainkater auf und musst nicht grübeln, was du gestern Nacht wieder Peinliches angestellt hast.
Als ich clean wurde, kam mir das Leben erst mal so aufregend vor, wie mit der eigenen Schwester zu tanzen. Heute denke ich: "Wenn du ein Konzert gibst, starren dir Tausende ins Gesicht, und du starrst denen ins Gesicht. Welche Sorte Kick könntest du um Himmels willen mehr brauchen als das?" Ansonsten gibt es da noch dreifache Espressi, drei Packungen Silk Cut Purple am Tag, Scrabble und Fußball.
Nichts Eindeutiges, jedenfalls bin ich nicht hingegangen.
Ich bin ein großer Fan von allem, was mit Okkultismus, schwarzer Magie und übernatürlichen Phänomenen zu tun hat. Schon meine Mutter hat nach Ufos Ausschau gehalten. Meine Angst vor Gespenstern und Untoten grenzt bedauerlicherweise an Paranoia. Ich kann oft nicht allein schlafen, weil ich mich von ihnen terrorisiert fühle. Ich versuche, mit denen zu reden, aber die hören mir offenbar nicht zu. Dann muss mein Manager kommen und an meinem Bett Wache halten.
Nicht mehr. Ich habe mich zu oft gefragt: Mit wem spreche ich da eigentlich? Was kann er für mich tun? Wofür muss ich mich eigentlich jeden Tag bedanken? Irgendwann ist mir an der Gebetsfront der Saft ausgegangen.
Das ist ein lausiges Gerücht! Ich habe mich für diesen Film lediglich interviewen lassen. Ich bin weit davon entfernt, ihm zu vergeben. Es ist doch nicht bloß ein Robbie-Williams-Ding, schwelende Bitterkeit zu fühlen über etwas, das einem in der Jugend zugestoßen ist. Mir geht es darum, den 17-jährigen Jungen in mir zu beschützen, der sehr verletzt wurde. Das bin ich mir wert. Man ist auch, was und wen man hasst. Wenn ich an Gary Barlow erinnert werde, meldet sich in mir eine junge Stimme, die sagt: "Du warst heute nicht nett zu mir, Gary, deshalb werde ich dich jetzt in einen beschissenen Frosch verwandeln!"
Ich bin ein Konkurrenztyp, der den Wettkampf braucht. Ich muss bei allem so tun, als hinge mein Leben davon ab, dass ich am Ende auf dem Siegerpodest stehe. Ich will, dass "Intensive Care" mein erfolgreichstes Album wird, und ohne Tournee würde es sich schlechter verkaufen als die Vorgänger. Wahrscheinlich wird die Tour meiner Seele sehr wehtun, aber wenn ich Schmerzen habe, spüre ich wenigstens, dass ich lebendig bin.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 42/2005