Skandal im Mutantenstadl

11. November 2012, 16:56 Uhr

Es war die Woche der prominenten Offenbarungen: Die Kastelruther Spatzen spielen ihre Instrumente nicht selbst, Michael Ammer hat die Nase voll vom Koks und Robert Geiss lässt nachhelfen. Von Stefan Mielchen

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Michael Ammer, Kastelruther Spatzen, Robert Geiss

Selbst ihnen kann man nicht mehr trauen: Die Kastelruther Spatzen spielen ihre Instrumente nicht selbst.©

Auch Promis werden älter. Doch der Herbst hat nicht nur schöne Tage. Vor allem, wenn man Michael Ammer heißt und nicht mehr so kann wie früher. Deutschlands Partylegende hat sich in dieser Woche derart ausführlich über vergangene Zeiten ausgelassen, dass man sich ernsthaft Sorgen um seine Zukunft macht. "Ich habe in meinem Leben 30.000 Flaschen Champagner getrunken, früher Unmengen an Kokain konsumiert und Frauen behandelt wie ein Bauer seine Kühe", vertraute Ammer den Suchttherapeuten von "Bild" an. Mittlerweile säuft der 51-Jährige nur noch am Wochenende - beruflich, versteht sich. Früher war eben alles besser. Ammers Aftershow-Partys genossen in den 90ern einen besonders guten Ruf: "Wir waren exzessiv wie im alten Rom. Überall in den Zimmern lagen nackte Frauen rum. Wir vögelten und koksten uns durch den nächsten Tag und zogen die kommende Nacht auch noch durch."

Opa erzählt vom Krieg! Doch auch der männlichste Macho muss mal kürzer treten. "Am Nachmittag hält er ein Mittagsschläfchen. Und abends kocht ihm seine junge Freundin Laura, 23, Königsberger Klopse", beschrieben die Reporter Ammers beschaulichen Lebensabend. Selbst vom Koks hat er die Nase voll – als Schneekönig soll er angeblich abgedankt haben. Kein Wunder: Das weiße Pulver verträgt sich ja auch nicht so gut mit den blauen Pillen.

Aus dem Gröbsten raus ist mittlerweile auch Jack Nicholson. Die Hollywood-Legende hat das Prinzip Bauer sucht Frau erfolgreich in die Tat umgesetzt: Über 2000 Mädels will der 75-Jährige flachgelegt haben. "Es gab Tage, da war ich mit mehr als vier Frauen im Bett", prahlte der Schauspieler in dieser Woche in der britischen "Sun". "Ich war besessen von Sex." Doch auch Nicholson hat mittlerweile das Fach gewechselt und ist zum Verbalerotiker mutiert: "Ich habe nicht mehr die Energie, um es wild zu treiben", gestand er. Offiziell hat Nicholson fünf Kinder. "Es könnten aber auch 9.000 Kinder sein", glaubt er – Macho bleibt eben Macho. Altersweise beteuerte er noch: "Das Sexlegenden-Zeug ist mir peinlich." Doch dazu besteht kein Grund. Wirklich peinlich wäre es, als Jack the Tripper in die Geschichte eingegangen zu sein.

Schwellungen bei Robert Geiss

Wie viele Damen den Weg von Robert Geiss pflasterten, ist nicht überliefert. Doch an dem 48-jährigen Vorzeige-Unternehmer nagt auch ohne größeren Frauenverschleiß der Zahn der Zeit. Das ständige "Roooooobert" geht auch am stärksten Mann nicht spurlos vorbei. Nachdem Gattin Carmen ihrer Nase, den Lippen und den Brüsten zu neuem Glanz verhalf, musste auch der Selfmade-Millionär erkennen, dass natürliche Schönheit nicht von innen kommt. Also ließ auch er nachhelfen: "Gerade in der heutigen Zeit wäre man schön blöd, wenn man es nicht machen lassen würde", erklärte Geiss, als er in dieser Woche mit einem auffallend geschwollenen Gesicht am Flughafen von Nizza angetroffen wurde. Was genau "es" war, verriet er nicht. Eine Hirn-Transplantation indes scheint ausgeschlossen.

Doch nicht nur prominente Männer haben einen an der Waffel. Denn sobald man glaubt, dass es nimmer schlimmer gehe, strahlt der Kultursender "Vox" schon wieder eine neue Folge von "Natürlich blond" aus. In dieser Woche ging es um die spannende Frage, ob Daniela Katzenberger früher mal ein Mann war. "Sie wirkt nicht auf mich, als wäre sie zum ersten mal auf dieser Welt", erklärte eine so genannte "Rückführungsexpertin", die zur Feststellung der Geschlechtsidentität der 26-Jährigen hinzugezogen wurde. So lässt sich ein ausgewachsener Sockenschuss natürlich auch umschreiben. Ob die Katze tatsächlich schon ein Leben als Kater geführt hat, will sie nun mittels Hypnose herausfinden. Denn sie fürchtet, dass sie im aktuellen Leben die Strafe für die Sünden aus einem vorangegangenen kassiert. Wenn es danach geht, muss ihr Publikum allerdings auch schon mehrfach gelebt und heftig gesündigt haben.

Schlag gegen den internationalen Volksmusikterrorismus

War sonst noch was? Na klar: Während Amerika gewählt hat wurde fast unbemerkt ein herber Schlag gegen den internationalen Volksmusikterrorismus ausgeführt. Die Meldung, dass die Kastelruther Spatzen ihre Instrumente gar nicht selber spielen, hat in dieser Woche das Rollatoren-Geschwader von Nordfriesland bis Südtirol an den Rand des Herzkaspers getrieben. Auch die Szene selbst ist in Aufruhr: "Ich würde mich schämen", schäumte Wolfgang Schwalm von den Wildecker Herzbuben, und Heino forderte Konsequenzen: "Wenn man den Kastelruther Spatzen ihre Echos abnimmt, dann muss ihr Produzent auch ihre Goldenen Schallplatten abgeben!" Denn aufgedeckt hat den Skandal eben jener Produzent, der seine Spatzen nun als "Bierzeltmusikanten" titulierte: "Ich habe mich oft für die unsägliche Schrammelei geschämt", sagte er - na wenigstens etwas! Rückendeckung bekamen die Fake-Musiker ausgerechnet von "Milli Vanilli"-Erfinder Frank Farian, der mit dem schönen Satz überraschte: "Das ist eine ganz normale Praxis." Und auch Andy Borg rechtfertigt den Mutantenstadl : "Die ‚Spatzen' sind für mich einfach authentisch." Stimmt, vorzuwerfen haben sie sich wirklich nichts: Schon 1991 veröffentlichte die Band den Titel "Wahrheit ist ein schmaler Grat".

 
 
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