Kahl ist cool

12. April 2013, 16:12 Uhr

Haare oder nicht Haare, das ist hier die Frage, seitdem Trainerstar Jürgen Klopp gestanden hat, sich welche verpflanzt zu haben. Und was sagt frau dazu? Von Sophie Albers

Glatze, Jürgen Klopp, Bruce Willis, Jürgen Vogel, Haartransplantation

"Männer mit Haaren wie ich haben wichtigere Dinge zu tun, als sich um eine Frisur zu kümmern", sagt Bruce Willis.©

Ich habe meinen Freund Alexander noch nie mit Haaren gesehen. Er hat sie sich kurzerhand abrasiert, als sie ziemlich früh anfingen auszufallen. Ich kann mir Alexander mit Haaren ehrlich gesagt gar nicht vorstellen. Genauso wenig Bruce Willis oder Telly Savalas oder Jürgen Vogel oder Vin Diesel oder Arjen Robben oder Andre Agassi.

Als ich einmal John Travolta getroffen habe, musste ich ihm die ganze Zeit aufs Sprühtoupet starren, weil er damit aussah wie ein Monchhichi. Ebenfalls Grund zum Starren ist der kunstvoll über die Platte gelegte Scheitel, den man glücklicherweise immer seltener sieht. Und dann diese Typen, die plötzlich Hut/ Mütze tragen. Von den Berlusconi-Steckhaaren gar nicht erst zu reden.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Der männliche Haarverlust bereitet Geschlechtsgenossen blanke Angst, Frauen verwirrt er. Vielleicht werden Männer, die Haare verlieren, ähnlich panisch wie Frauen, die Falten kriegen. Für beide ist es der unumkehrbare Abschied vom süßen Vogel Jugend. Und beide finden immer neue Mittel und Messer, um diesen zumindest aufzuschieben. Aber wie Großmutter schon sagte: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."

Was bleibt, ist das vermaledeite Abfinden, zu dem kaum einer taugt - ich auch nicht, wenn ich mein Cremesortiment betrachte. Die Männer haben aber trotzdem einen Vorteil, der faltenhysterischen Frauen leider völlig abgeht: Sie haben die Chance, auch ohne Haare cool auszusehen. Denn seien wir ehrlich: In unserer Gesellschaft werden eher coole Glatzen fotografiert als in Würde gealterte Frauen.

Es gibt keinen Mittelweg

Anders als beim armen Samson in der Bibel wirkt der Haarverlust heutzutage auf viele Frauen tatsächlich männlich. Auf jeden Fall männlicher als jeder Versuch, ihn zu vertuschen. Michael Mettke von "jetzt.de" hat jüngst in einem Kahlkopf-Selbstbericht sogar festgestellt, wer schon früh die Haare verliert, altere langsamer. "Weil er nicht grau wird, sondern gleich bleibt. Ich behaupte sogar, dass die ganz große Midlife-Crisis bei mir ausbleiben wird: Die meisten Leute kennen mich schon jetzt nur mit Glatze oder können sich an meine Haare gar nicht mehr erinnern. Wenn hingegen ein gutaussehender Mann mit Mitte Vierzig seine Haarpracht verliert, muss der Schmerz weitaus tiefer stechen."

Das reicht Ihnen nicht? Hier kommt die ultimative Entscheidungshilfe zur Frage Haar oder nicht Haar, bei der es laut meinem Mann "keinen Mittelweg" gibt: Die Studie "Shorn Scalps and Perception of Male Dominance" (Rasierte Köpfe und die Wahrnehmung männlicher Dominanz) besagt klar und deutlich, dass kahlköpfige Männer als bessere Führungspersönlichkeiten angesehen werden als Männer mit längerem oder dünner werdendem Haar. Beste Besipiele seien Netscape-Gründer und Risikokapitalgeber Marc Andreessen, Dreamworks-Chef Jeffrey Katzenberg und Amazon-Chef Jeffrey Bezos. There you go.

Stärke, Macht und Selbstbewusstsein

"Ein rasierter Kopf macht einen nicht automatisch erfolgreicher, aber er zeigt, dass man aktiv eine Entscheidung getroffen hat", zitiert das "Wall Street Journal" den Technologieunternehmer und Autor Seth Godin, der seit zwei Jahrzehnten Reste rasiert. Männer mit Glatze, "stehen zu dem, was sie haben, anstatt vorzugeben, etwas anderes zu sein."

Es strahle Stärke, Macht und Selbstbewusstsein aus, alles "bloßzulegen", lässt sich die New Yorker Imageberaterin Julie Rath zitieren. Ein kahler Kopf sei der Weg der Natur zu sagen, dass du hart im Nehmen bist", fügt Professor Michael Cunningham von der University of Louisville hinzu.

Vielleicht deshalb sagt mein Freund Alexander, dass er manchmal Albträume habe, das ihm wieder Haare wachsen.

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