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21. Dezember 2009, 14:15 Uhr

In Hollywood stirbt man immer zweimal

Jung, schön, vielversprechend, verschieden. Mit Brittany Murphy hat Hollywood den nächsten toten Star zu vermelden. Weil 32 kein Alter zum Sterben ist, wird wild spekuliert. Mal mit Respekt und mal ohne. Von Sophie Albers

Brittany Murphy, 32, tot, Hollywood

Brittany Murphy galt als quirlig, lustig und ein bisschen schwierig© Matt Dunham/AP

Ein Star stirbt immer zweimal: einmal allein mit sich und seinem Körper, der aus welchen Gründen auch immer die Arbeit aufgibt. Dann noch einmal mit der ganzen Welt, wenn Klatschblätter, selbsternannte Freunde oder auch schmerzfreie Verwandte ihre Versionen vom letzten, völlig glamourlosen Auftritt des Stars verbreiten.

So gibt es auch zwei Varianten vom Tode der Brittany Murphy. Die Hollywoodschauspielerin, bekannt aus Filmen wie "Clueless" (1995), "8 Mile" (2002) und "Sin City" (2005), starb im Alter von 32 Jahren in Los Angeles an einem Herzanfall. Bis dahin sind sich beide Sichtweisen einig.

Tod um 10:04 Uhr

Am Sonntagmorgen um acht Uhr geht ein Notruf bei der Feuerwehr von Los Angeles ein. Als die Rettungskräfte im Haus in den Hollywood Hills, das Brittany Murphy und ihr Ehemann, der britische Drehbuchautor Simon Monjack, bewohnen, eintreffen, schlägt Murphys Herz nicht mehr. Sie wird wiederbelebt. Auch während der Fahrt ins Cedars-Sinai Medical Center versuchen die Ärzte, ihr Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Doch vergeblich. Bei der Ankunft im Hospital wird Murphy für tot erklärt. Da ist es 10:04 Uhr.

Laut US-Medien hatte Murphys Mutter ihre Tochter bewusstlos in der Dusche gefunden. Sharon Murphy sagte den Sanitätern, dass ihre Tochter an Diabetes gelitten habe. Die Polizei von Los Angeles hat die Ermittlungen aufgenommen. In einer ersten Stellungnahme sagte der zuständige Gerichtsmediziner Ed Winter, dass die offizielle Todesursache erst nach der Autopsie bekannt gegeben werden könne. Auch toxikologische Tests stünden noch aus. Allerdings, so seine Meinung, sehe es nach einem "natürlich Tod" aus. Die Autopsie soll spätestens Dienstag durchgeführt werden.

Murphys Agentin Nicole Perna bat die Öffentlichkeit derweil um Zurückhaltung: "In dieser traurigen Zeit ist die Familie dankbar für Liebe und Unterstützung." Sie wünsche sich aber auch, dass ihre Privatsphäre respektiert wird. Natürlich campen trotzdem zahlreiche Paparazzi vor dem Haus.

Die Stadt, der Müll und der Tod

So weit die offizielle Zusammenfassung. Die amerikanische Gerüchteküche hat allerdings noch ein paar mehr Zutaten zu bieten, die eiligst verbreitet werden, seitdem bekannt ist, dass eines der Hollywood-It-Girls nicht weiter zur Verfügung steht. Murphy habe unter Anorexie gelitten, heißt es. "Es war Bulimie", wabert es aus der nächsten Ecke. Nach diversen Schönheitsoperationen sei sie von Schmerzmitteln abhängig gewesen, so eine weitere Spekulation in der Aufmerksamkeits-Arena. Und dann wird aus "Vicodin" plötzlich "Kokain". Zudem behauptet der AOL-Klatsch-Kanal "Tmz", dass Murphy schon längere Zeit schwere Grippe-Medikamente eingenommen und sich unmittelbar vor ihrem Zusammenbruch mehrfach übergeben habe.

Es steht auch zu lesen, dass Murphys Mann während der Wiederbelebungsversuche nur mit einer Pyjamahose bekleidet verwirrt und benommen herumgelaufen sei. Monjack war der Klatschpresse schon immer ein Dorn im Auge, zum einen weil er kein Beau ist, zum anderen wurde er mit Drogengeschichten in Verbindung gebracht.

Weiterer Grund für Verdächtigungen ist, dass Monjack angeblich eine Autopsie verweigern wollte. Für die einen ein Beweis, dass es etwas zu verbergen gibt, für andere eine Frage des Glaubens: Murphy und Monjack haben im Mai 2007 in einer jüdischen Zeremonie geheiratet. Im jüdischen Glauben ist eine Autopsie verboten.

"Hollywood frisst seine Kinder"

Harte Worte gibt es auch in den Trauerbekundungen aus dem Showgeschäft. Journalisten erinnern sich an eine "abwesende" Murphy in Interviews. Als "kleines, verlorenes Mädchen" beschreibt die Unterhaltungsreporterin Hollie McKay die Schauspielerin. Und während Ex-Freund Ashton Kutcher an einen "kleinen Sonnenschein" erinnerte, schrieb Kollegin Juliette Lewis "Ich bin so traurig über Brittany Murphy. Zu jung. Sie wirkte immer, als wollte sie es allen recht machen". "Hollywood verliert eine weitere leuchtende Seele... Wie viele noch? Eine Dekade der Dekadenz und Verwüstung. Zeit, endlich aufzuwachen", entrüstete sich US-Sänger Josh Groban. Schauspieler Jamie Kennedy schließlich, der mit "Ghost Whisperer"-Star Jennifer Love Hewitt liiert ist, vermeldete: "Sie sagen, Brittanys Herzanfall sei eine Folge von Anorexie. Um Himmels Willen, wann begreifen wir endlich, dass das Business Frauen zu schlecht behandelt". Ein deutscher User auf Facebook, wo bereits Stunden nach Murphys Tod ein virtueller Schrein errichtet wurde, fasst es mit den Worten zusammen: "Hollywood frisst seine Kinder".

Neujahr wollte Brittany Murphy eigentlich in Australien verbringen, wo sie zusammen mit Elijah Wood die 3D-Version des Animations-Hits "Happy Feet" synchronisieren sollte. "Ich nehme mich selbst nicht so ernst", hat die Schauspielerin, die es in zwei Dekaden vom Kinder-, über den Teenagerstar zum It-Girl gebracht hat, 2003 in einem Interview gesagt und über Drogengerüchte gelacht. "Kaffee ist mein einziges Laster. Ich vertrage nicht mal Sudafed [frei verkäufliches Erkältungsmittel, Anm.d.Red.]. Lieber Himmel, davon würde mein Herz explodieren."

Von Sophie Albers
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
dido07 (21.12.2009, 23:57 Uhr)
Schon 30 Jahre gearbeitet
Auch so ein Mensch, der daran kaputt ging, dass Mutti sie schon mit 2 Jahren vor Kameras zerrte.
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