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30. November 2008, 08:00 Uhr

"Verona Pooth ist das ultimative Nichts"

Über 20 Jahre lang war Michael Graeter König der Klatschpresse, er wusste alles über das Treiben der besseren Kreise - wer mit wem wann ins Bett ging und warum. Er war Vorbild für "Baby Schimmerlos" in der Kultserie "Kir Royal". Dann kam er ins Gefängnis. Jetzt, völlig verarmt, versucht er sein Comeback.

Michael Graeter, München, Baby Schimmerlos, Kir Royal

Michael Graeter begann seine Karriere 1970 bei der Münchner "Abendzeitung", später schrieb er für "Bild" und die "Bunte". Er wurde reich,betrieb Cafés und Kinos - und ging bankrott© Volker Hinz

Das hat was, dass wir uns hier im "Königshof " treffen, hier in diesem Raum. Da hatte ich, viele Jahre ist das her, genau in diesem Eck, ein nettes Mittagessen mit dem südafrikanischen Herzspezialisten Christiaan Barnard und dem Münchner Arzt Bruno Reichart. Meine Kollegin Elke Dietrich von der "Abendzeitung" war dabei, bald hab ich gesehen, wie Bruno und sie unterm Tisch miteinander fußelten, das uralte Spiel zwischen Mann und Frau, Lust und Liebe, von mir verkuppelt, hat sie damals den Mann ihres Lebens gefunden. Mir wäre es jetzt auch lieber, ich säße hier mit einer schönen drallen Blondine, statt mit Ihnen, wirklich wahr, und ...

Herr Graeter, es tut mir leid, Sie sind ein erledigter Fall, Ihr Leben ist verpfuscht.

Wie bitte! Mein Leben ist nicht verpfuscht, überhaupt nicht. Schauen Sie, ich habe 20 Jahre großartigen Glücksrittertums hinter mir, war jahrzehntelang ein erfolgreicher Geschäftsmann, erfolgreicher Gesellschaftsreporter und ...

... bis vor Kurzem saßen Sie im Gefängnis.

Passen Sie bloß auf, beachten Sie nun jedes Wort, denn ins Gefängnis kommen Sie schneller, als Sie denken! Ein Patzer, und der Horror beginnt. Und dann fahren Sie mit einer grünen Minna mit Sehschlitzen durch die Stadt, ein Fiasko, entstanden durch verschiedene Umstände.

Nett gesagt, aber Sie als Unternehmer hatten es versäumt, Arbeitgeberanteile für Ihre Mitarbeiter an die Krankenkassen zu zahlen.

Ich möchte jetzt nicht darüber reden, es ging letztendlich um 3500 Euro und den Verstoß gegen Bewährungsauflagen. Mein Geschäftsführer hatte Arbeitgeberanteile nicht an die Krankenkasse entrichtet.

Ich bitte Sie: Sie sind der Chef, Sie sind verantwortlich.

Lassen Sie uns nicht weiter darüber reden, ich habe gebüßt und: ich bin jetzt wieder voll da. Haben Sie denn nicht die neuesten Zeitungen gelesen?

Doch.

Da stand doch: Graeter ist wieder da! In der Stadt hängen Plakate mit mir, überall. Die Dame an der Rezeption kannte Sie nicht. Das ist ein ganz schlechtes Beispiel, sie ist mit Sicherheit die Einzige hier im "Königshof", die mich nicht kennt. Das ist mein Stammlokal seit über 20 Jahren.

Bis vor ein paar Jahren waren Sie der König der Klatschpresse, der Herr von München ...

Ich war kein König, ich hatte keine Macht. Ich hab mit meiner Kolumne der Gesellschaft ein wenig Amüsement geboten, Hausmitteilungen für Insider, lustvolles Gerede, mehr nicht.

Sie waren das Vorbild für Baby Schimmerlos in Helmut Dietls Kultserie "Kir Royal", Sie waren der Zechkumpan von Jack Nicholson, Roger Moore und Steve McQueen, Sie waren eine Ikone ...

Ich war keine Ikone, Sie übertreiben, und Sie sagen immer: "war, war, war". Ich war nicht, ich bin.

... und wo Sie waren, war die Gesellschaft - doch nun sind Sie im gesellschaftlichen Aus.

Mein Gott, ich war im Kittchen, acht Monate lang, ja, es war die Hölle. Ohne meine Frau hätte ich das nicht durchgestanden, sie hat mich wie ein Tiger verteidigt und beschützt. Und nun bin ich zurück.

Und sind arm, sehr arm.

Ja. Ich habe Millionen verloren, aber ich bin reich an Ideen.

Sie müssen nun mit 67 Jahren wieder dort arbeiten, wo vor über 30 Jahren Ihre Karriere begann - bei der Münchner "Abendzeitung".

Ja und? Zurück zu den Wurzeln, sag ich mir.

Damals stellte die "Abendzeitung" noch etwas dar, sie hatte eine Auflage von über 300.000 und ...

An Wochenenden von fast 450.000.

... heute dümpelt sie bei 150.000 herum.

Meine Güte, das kann sich ändern. Die "Abendzeitung" ist auf jeden Fall ein schöner Schauplatz für mein Gewerbe.

Eine Geschichte, eine wirklich irre Geschichte, hätten Sie als Erster für Ihre "Abendzeitung" haben müssen!

Welche denn? Ich bin gespannt.

Der Fall Susanne Klatten.

Ich bin doch nicht die Nachttischlampe prominenter Damen!

Aber da kommt doch alles zusammen: Geld. Macht. Sex. Scham. Baby Schimmerlos hätte vor Begeisterung randaliert!

Meinen Sie das wirklich?

Ja, sicher, das ist doch der perfekte Stoff für Sie: ein Hotelzimmer, ein Liebhaber, eine Kamera - eine Milliardärin, die BMW-Erbin, die in die Liebesfalle geht. Und um Millionen Euro erpresst wird.

Wenn es eine gute Geschichte gewesen wäre, hätte ich sie gehabt. Ich kenne Susanne Klatten seit den 80er Jahren, ich habe sie bei Burda kennengelernt, als sie dort Hospitantin war. Eine eloquente Frau, eine attraktive Dame. An der Geschichte, die nun so viele schaudernd erfreut, stimmt vieles nicht!

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 48/2008

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KOMMENTARE (10 von 15)
 
otisC (01.12.2008, 11:39 Uhr)
@bertl & staude.
bin also nicht der einzige, der das Gefühl hat, beim Interview stammen Fragen und Antworten aus einer Feder. Würde mich sehr wundern, wenn das nicht der Fall wäre oder wenigstens nachträglich noch "hart" daran gearbeitet wurde. Wenn die beiden wirklich so schlagfertig sind, wie es rüberkommt, dann Hut ab! ich bin/wäre beeindruckt. Er ist zwar ein "schwarzer" aber selbst der Inhalt ist gut. Aber lesen werde ich trotzdem keinen klatsch - i dont give a f.
Silbador (01.12.2008, 11:07 Uhr)
So isses
Schön wenn man so abgeklärt sein kann - naja mit 67 Jahren ...
Er kann halt manche Sachen rauslassen, die andere schönreden bzw. schreiben.
Pooth ist ja nur eine hohle Nuss von vielen, die durchs TV huschen darf, es gibt da noch einige andere, mal sehen ob Graeter die auch noch mal abwatscht - ich freu´ mich jedenfalls drauf.
riothamus (01.12.2008, 10:01 Uhr)
Den meisten Politikern
@ traldors
würde ich auch keine Möglichkeit mehr geben sich irgendwie zu äußern. Im übrigen finde ich es widerlich, wenn sich Menschen über andere Menschen abfällig äußern, wer hat denen dieses recht gegeben ?
Diese Menschen sollten erst mal vor der eigenen Haustür den Schmutz wegfegen.
gormiti (01.12.2008, 09:06 Uhr)
Warum kein Interview?
Was soll das hier in den Kommentaren? Wenn jemand im Knast war, darf er doch Interviews geben. Wir sind ja nicht in den USA. Wer im Knast war, hat doch seine Tat auch abgesessen. Die Menschenrechte sollte man ihm nicht gleich entziehen.
Oder sollte jeder, der mal im Knast war für immer in Armut und unbeachtet leben? Wieviel Mittelalter manche Leute im Kopf haben ist unglaublich. Zum Glück ist das hier noch Deutschland.
Staudenmaier007 (01.12.2008, 08:44 Uhr)
@DasBertl
Ehrlich gesagt........kam mir das auch als Erstes
in den Sinn. Hahaha.
Doch selbst wenn´s so wäre wurde ich 5 Minuten
köstlich amüsiert.
traldors (01.12.2008, 08:33 Uhr)
Ja, warum gibt man solchen Menschen (...)
ein Forum? Noch, wenn sie im Knast gesessen haben?!
Schlussletztendlich sprechen wir auch mit Politikern, die durch die Bank nach 25 Jahren Politik und mit dem was sie verbrochen haben (Wenige Ausnahmen gibt es) alle mindestens 3 Jahre "gesiebte" Luft verdient hätten.
Der "grundgute" Michael hatte einfach das Problem keine bezahlte Lobby hinter sich zu versammeln die ihn kurzerhand "herausgehauen" hätte. Er "fuhr ein" wie alle "kleinen Gauner" die keinen Migrationshintergrund haben.
Thats it.
jsbach (01.12.2008, 08:25 Uhr)
Erfrischende Morgenlektüre
Super. Mal einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Man wünscht sich einen Fernsehabend zwischen ihm und Marcel-Reich-Ranicki. Mit dem hervorragenden Interviewer als Moderator. stern-Achtung, stern-TV, das bringt Quote!
si2008x (01.12.2008, 08:24 Uhr)
Wenn man bedenkt...
...das Kinderschänder oft weniger Zeit im Gefängnis verbringen, frage ich mich, mit wem ER sich wohl davor angelegt hat??
riothamus (01.12.2008, 07:40 Uhr)
Warum gibt man
solchen solchen Menschen überhaupt eine Plattform ?
Terroristen, Kinderschänder und Mörder werden demnächst wohl auch noch in einem Interview zu Wort kommen. Bald gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Stern und Bild.
PWB-NZ (01.12.2008, 03:07 Uhr)
Die Luftpumpe ...
.. hat mich am meisten beeindruckt. Ich meine: sein Vergleich einer solchen mit dieser unsäglichen Verena Pooth (bei uns in Neuseeland ist poo - ja, genau das...). Der Mann ist mir ausgesprochen sympathisch. Michael for President!
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