Über 20 Jahre lang war Michael Graeter König der Klatschpresse, er wusste alles über das Treiben der besseren Kreise - wer mit wem wann ins Bett ging und warum. Er war Vorbild für "Baby Schimmerlos" in der Kultserie "Kir Royal". Dann kam er ins Gefängnis. Jetzt, völlig verarmt, versucht er sein Comeback.

Michael Graeter begann seine Karriere 1970 bei der Münchner "Abendzeitung", später schrieb er für "Bild" und die "Bunte". Er wurde reich,betrieb Cafés und Kinos - und ging bankrott© Volker Hinz
Das hat was, dass wir uns hier im "Königshof " treffen, hier in diesem Raum. Da hatte ich, viele Jahre ist das her, genau in diesem Eck, ein nettes Mittagessen mit dem südafrikanischen Herzspezialisten Christiaan Barnard und dem Münchner Arzt Bruno Reichart. Meine Kollegin Elke Dietrich von der "Abendzeitung" war dabei, bald hab ich gesehen, wie Bruno und sie unterm Tisch miteinander fußelten, das uralte Spiel zwischen Mann und Frau, Lust und Liebe, von mir verkuppelt, hat sie damals den Mann ihres Lebens gefunden. Mir wäre es jetzt auch lieber, ich säße hier mit einer schönen drallen Blondine, statt mit Ihnen, wirklich wahr, und ...
Wie bitte! Mein Leben ist nicht verpfuscht, überhaupt nicht. Schauen Sie, ich habe 20 Jahre großartigen Glücksrittertums hinter mir, war jahrzehntelang ein erfolgreicher Geschäftsmann, erfolgreicher Gesellschaftsreporter und ...
Passen Sie bloß auf, beachten Sie nun jedes Wort, denn ins Gefängnis kommen Sie schneller, als Sie denken! Ein Patzer, und der Horror beginnt. Und dann fahren Sie mit einer grünen Minna mit Sehschlitzen durch die Stadt, ein Fiasko, entstanden durch verschiedene Umstände.
Ich möchte jetzt nicht darüber reden, es ging letztendlich um 3500 Euro und den Verstoß gegen Bewährungsauflagen. Mein Geschäftsführer hatte Arbeitgeberanteile nicht an die Krankenkasse entrichtet.
Lassen Sie uns nicht weiter darüber reden, ich habe gebüßt und: ich bin jetzt wieder voll da. Haben Sie denn nicht die neuesten Zeitungen gelesen?
Da stand doch: Graeter ist wieder da! In der Stadt hängen Plakate mit mir, überall. Die Dame an der Rezeption kannte Sie nicht. Das ist ein ganz schlechtes Beispiel, sie ist mit Sicherheit die Einzige hier im "Königshof", die mich nicht kennt. Das ist mein Stammlokal seit über 20 Jahren.
Ich war kein König, ich hatte keine Macht. Ich hab mit meiner Kolumne der Gesellschaft ein wenig Amüsement geboten, Hausmitteilungen für Insider, lustvolles Gerede, mehr nicht.
Ich war keine Ikone, Sie übertreiben, und Sie sagen immer: "war, war, war". Ich war nicht, ich bin.
Mein Gott, ich war im Kittchen, acht Monate lang, ja, es war die Hölle. Ohne meine Frau hätte ich das nicht durchgestanden, sie hat mich wie ein Tiger verteidigt und beschützt. Und nun bin ich zurück.
Ja. Ich habe Millionen verloren, aber ich bin reich an Ideen.
Ja und? Zurück zu den Wurzeln, sag ich mir.
An Wochenenden von fast 450.000.
Meine Güte, das kann sich ändern. Die "Abendzeitung" ist auf jeden Fall ein schöner Schauplatz für mein Gewerbe.
Welche denn? Ich bin gespannt.
Ich bin doch nicht die Nachttischlampe prominenter Damen!
Meinen Sie das wirklich?
Wenn es eine gute Geschichte gewesen wäre, hätte ich sie gehabt. Ich kenne Susanne Klatten seit den 80er Jahren, ich habe sie bei Burda kennengelernt, als sie dort Hospitantin war. Eine eloquente Frau, eine attraktive Dame. An der Geschichte, die nun so viele schaudernd erfreut, stimmt vieles nicht!
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 48/2008