Der Gewerkschafter war im ersten Kabinett Schröder Bundesarbeitsminister. 2002 musste der Reformer für Superminister Wolfgang Clement seinen Stuhl räumen

Der Gewerkschafter Walter Riester, ehemaliger Bundesarbeitsminister© Sebastian Lasse / Zeitenspiegel; DPA
Walter Riester, 60, war im ersten Kabinett Schröder Bundesarbeitsminister. 2002 musste der Reformer für Superminister Wolfgang Clement seinen Stuhl räumen.
Er pendelt zwischen Berlin, seinem Wahlkreis Göppingen und Kärnten, wo er ein Ferienhaus hat. Der gelernte Fliesenlegermeister, in zweiter Ehe verheiratet, liebt es, dort zu werkeln. Im Frühjahr erscheint seine Biografie unter dem Titel "Mut zur Wirklichkeit".
Das Interview mit Walter Riester führte Ingrid Eißele
Da komme ich gerade her. Zum ersten Mal seit 25 Jahren stand ich wieder auf Skiern. Viermal hat's mich reingehauen, aber ohne eine Blessur.
Ich habe mich nie als Opfer begriffen. Natürlich wollte ich damals meine Arbeit nicht aufgeben und die Arbeitsmarktreform auf den Weg bringen. Aber für das neue Ministerium mit Schwerpunkt auf Wirtschaftspolitik war ich als Gewerkschafter und Sozialpolitiker nicht der richtige Mann.
Ja, um die soziale Gestaltung von Globalisierung - etwa, welche Rechte multinationale Konzerne ihren Mitarbeitern in ärmeren Ländern geben und wie soziale Standards entwickelt und konkret umgesetzt werden können. Vorige Woche habe ich darüber vor der Weltbank in Washington gesprochen.
Das ist typisch für Deutschland, jede Reform wird schon im Ansatz zerredet. Die Stiftung Warentest lobt die Riester-Rente, 330 000 Betriebe haben damit eine betriebliche Altersvorsorge eingeführt.
Ich habe 43 Jahre den Höchstsatz in die Rentenversicherung gezahlt. Außerdem bekomme ich als langjähriger Mitarbeiter der IG Metall die betriebliche Altersversorgung meiner Gewerkschaft. Meine Ministerpension wird damit verrechnet.
Nein, weil ich als Minister und Abgeordneter nicht sozialversicherungspflichtig bin. Aber für meine dreijährige Enkelin Kira habe ich damals einen der ersten Verträge abgeschlossen.
Ich hatte interessante Angebote, die ich aber ablehnte. Doch ich habe immer noch einen guten Draht in die Ministerien.
Gut. Ich posaune meine Kritik im Gegensatz zu andern ja nicht öffentlich hinaus. Wenn ich dem Kanzler sage: "Ich sehe diese Sache kritisch, willst du meine Meinung dazu hören?", habe ich dafür noch immer schnell einen Termin bei ihm bekommen.
Ich hab mich selbst nie so furchtbar wichtig genommen. Vielleicht, weil ich erst mit 55 Jahren Berufspolitiker geworden bin. Mir ist es heute wohler ohne das ganze Drumherum mit Chauffeur, Bodyguards und dieser Aura von Wichtigkeit.
So extrem sicher nicht. Mir war immer wichtig, nie die Bodenhaftung zu verlieren. Ich habe deshalb meiner Familie und meinen Freunden gesagt, wenn ich abhebe, dann sagt mir das. Ich komme aus kleinen Verhältnissen, habe mir fast alles als Autodidakt beigebracht. Kennen Sie den Satz von Erich Kästner? Wenn ihr die Lebensleiter hochgeht, dann behaltet auch die Fähigkeit, wieder herunterzugehen.
Endlich mehr Zeit, um nachzudenken, zu lesen. Ich habe nie eine Fremdsprache erlernt, auch nicht, wie man im Internet surft. Das habe ich mir noch vorgenommen. Als Minister wird einem in dieser Hinsicht zu viel abgenommen.