Künftiger IG-Metall-Vorstand "Reformer in der Warteschleife"


Dem Führungswechsel bei der IG Metall steht nichts mehr im Wege: Auf den scheidenden Jürgen Peters soll im November Berthold Huber folgen. Damit wird sich einiges ändern.

Als "Reformer in der Warteschleife" ist der jetzige Zweite IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber schon bezeichnet worden. Im Jahr 2003 ist dem 57-jährigen Schwaben der Sprung auf den Chefposten der Gewerkschaft verwehrt worden. Damals machte Jürgen Peters nach einem heftigen internen Streit das Rennen und Huber wurde Vize. Nun soll Huber aufrücken, wie der Gewerkschaftsvorstand am Montag in Frankfurt am Main beschlossen hat. Damit wird sich einiges ändern bei der größten deutschen Gewerkschaft.

Mann der leisen Töne

Ganz im Gegensatz zum bisherigen IG-Metall-Chef Peters ist Huber eher der Mann der leisen Töne und liebt die Analyse. Der Vater von drei Kindern wird zudem dem Reformflügel der IG Metall zugerechnet, während Peters als Galionsfigur der Traditionalisten gilt. Sich selbst hatte Huber einmal als "Ausgeburt des Modernismus" bezeichnet.

Huber gilt als begabter Strippenzieher im Hintergrund, und zeigte dies unter anderem, als es es um den "Pforzheimer Abschluss" ging, der Öffnungsklauseln zulässt, wenn Stellen oder die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebs auf dem Spiel stehen. Der 1950 in Ulm geborene Schwabe stand seit November 1998 an der Spitze des zweitgrößten Metall-Tarifbezirks Baden-Württemberg. Mit dem Tarifabschluss 2002 gelang ihm bereits der zweite große Wurf. Schon 1999 hatte er in Böblingen in einer festgefahrenen Tarifrunde ein ordentliches Schlichtungsergebnis mit den Arbeitgebern ausgehandelt.

Gestandener Tarifpolitiker und "echter 68er"

Der designierte Gewerkschaftschef kann sich in die Kette seiner Vorgänger einreihen, die aus Baden-Württemberg nach Frankfurt am Main kamen, um in der Gewerkschaftszentrale Tarifgeschichte zu schreiben. Dazu gehört etwa der legendäre Willi Bleicher, der nach dem Krieg den Anfang machte; dann kam Franz Steinkühler, der später als IG-Metall-Chef nach Frankfurt am Main kam. Und auch der frühere Bundesarbeitsminister Walter Riester sowie der 2003 zurückgetretene Gewerkschaftschef Klaus Zwickel gehören in diese Reihe.

Huber ist gelernter Werkzeugmacher. Nach langer Zeit als Betriebsratsvorsitzender bei einem Omnibushersteller in Ulm studierte er zwischen 1985 und 1989 Geschichte und Philosophie. Unmittelbar darauf folgte nach der Wende ein Einsatz beim Aufbau der Gewerkschaft in den neuen Ländern. Huber war bis zu seiner Berufung nach Stuttgart Leiter der Abteilung Tarifpolitik in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale. Dort hatte er damals mit Riester die Marschrouten in der Tarifpolitik festgelegt. Nach dem Besuch des Gymnasiums hatte Huber dem bürgerlichen Milieu erst einmal Ade gesagt hatte, er bezeichnet sich selbst als "echten 68er".

Gewerkschaftsboss am Klavier

Die damalige Zeit prägte ihn, die Kapitalismusanalyse von Karl Marx findet er heute noch richtig. Die Rolle des Menschen sieht er jedoch anders: "Die Geschichte machen die Menschen selbst", sagte er einmal. Das Streben, seinen Horizont zu erweitern, treibt ihn auch heute noch um. Auffällig ist zudem Hubers immenser Zigarettenkonsum. Der neue IG-Metall-Chef spielt auch gerne Klavier, am liebsten Schubert. Viel Zeit hatte er dafür aber nach seinem Aufstieg in der Gewerkschaftshierarchie nicht mehr.

Der 57-Jährige ist seit 1991 SPD-Mitglied. Doch ob der Gewerkschaft wieder eine Annäherung an die SPD gelingt, hängt nicht nur von Huber ab, sondern auch von der Zusammensetzung des übrigen neuen Gewerkschaftsvorstandes. Huber hatte zum Leidwesen der Sozialdemokraten wie alle anderen Gewerkschaftsfunktionäre in den vergangenen Monaten vor allem Front gegen die Rente mit 67 gemacht. Und auch an Hartz IV hatte er heftige Kritik geübt.

Oliver Schmale/AP AP

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