HOME

Wohn-Riester: "Jeder soll riestern dürfen"

Seit diesem Jahr gibt es die Riester-Förderung auch für Wohneigentum. Doch wer nicht aufpasst, muss sie wieder zurückzahlen oder sich im Rentenalter mit hohen Steuerforderungen herumschlagen. stern.de sprach mit Walter Riester, "Erfinder" der gleichnamigen Rente, über die Fallstricke des Wohn-Riesterns.

Von Karin Spitra

Das eigene Häuschen gilt als eine der liebsten Formen der Altersvorsorge der Deutschen. Die Rechnung dahinter lautete: Wer im Alter mietfrei wohnen kann, ist finanziell entlastet - und kann die Immobilie zur Not auch noch verkaufen. Doch die Abschaffung der Eigenheimzulage machte vielen einen Strich durch die Rechnung. Diese Lücke wollte die Regierung mit dem Eigenheimrentengesetz - einfacher Wohn-Riester - schließen.

Das Problem: Das neue Modell taugt weder als echte Altersvorsorge, noch hilft es nennenswert bei der Immobilienfinanzierung. Und wer nicht aufpasst, muss die Förderung wieder zurückzahlen oder sich im Rentenalter mit hohen Steuerforderungen herumschlagen.

stern.de sprach mit dem "Erfinder" der gleichnamigen Altersvorsorge-Variante, Ex-Minister Walter Riester, über die Fallstricke und Schwächen des Wohn-Riesterns - und ob auch die Riesters riestern.

Herr Riester, was wollten Sie denn mit der nach Ihnen benannten Rente erreichen?

Als ich die dann nach mir benannte Riester-Rente entwickelt habe, ging es mir überhaupt nicht darum, die umlagenfinanzierte Altersvorsorge durch eine kapitalfinanzierte Altersvorsorge zu ersetzen - oder vermeintliche Schwächen auszugleichen. Ich hatte einen ganz anderen Antrieb: Angesichts der deutlich längeren Lebenserwartung und des Anspruchs der Bürger, ihren Lebensstandard auch im Alter zu halten, wollte ich nur, dass die zukünftigen Alten - mit staatlicher Förderung - mehr Rücklagen für ihre Rentenzeit bilden können.

Aber warum sind Selbstständige vom Riestern ausgeschlossen - obwohl gerade in dieser Gruppe häufig Altersarmut droht? Hinzu kommt: Wer nicht riestern darf, für den gibt es auch kein Wohn-Riester.

Es ging mir bei der Konzeption der Riester-Rente von Anfang darum, keinen Personenkreis auszuschließen. Ich halte es deshalb für falsch, dass Selbstständige, die ja auch Steuern bezahlen, vom Riestern ausgeschlossen sind. Und ich glaube, dass dies irgendwann noch geändert wird - wenn auch nicht mehr in dieser Legislaturperiode.

Sie sind also - im Gegensatz zur Haltung der jetzigen Regierung - für eine Ausweitung des Bezugsrechts auf alle?

Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch, der in Deutschland eine Ausbildung beginnt oder ins Erwerbsleben eintritt, riestern dürfen. Völlig gleichgültig, ob er dies freiberuflich oder angestellt oder als Beamter tut. Gerade bei vielen Kleingewerbetreibenden und Soloselbstständigen ist es doch so, dass diese Gruppe besondere Unterstützung bei der Bildung von Rücklagen für die Altersvorsorge braucht.

Viele Geringverdiener, die versuchen ihre späteren Rentenbezüge mit "Riester-Verträgen" aufzufetten, werden aber durch die Finger schauen: Die Grundsicherung (so hießt die Sozialhilfe für Rentner) wird ihnen gekürzt.

Es ist ein Denkfehler, wenn gesagt wird, die Riester-Rente würde durch die Grundsicherung verloren gehen: Denn diese Grundsicherung wird nur aufgezahlt, wenn die eigene Rente nicht ausreicht. Sie ist also eine zusätzliche Zahlung um ein bestimmtes Mindestniveau zu erreichen. Es wäre nicht nur moralisch falsch, sondern auch schlicht nicht zu finanzieren, wenn die Allgemeinheit die gesamte Grundsicherung für jeden Menschen bis zum Tod übernehmen müsste.
Die Menschen abzuhalten, selbst staatlich unterstützte Rücklagen zu bilden, bedeutet, dass sie über Jahrzehnte auf Zulagen verzichten - obwohl gegenwärtig nur rund vier Prozent der Rentner überhaupt Grundsicherung erhalten. Die restlichen 96 Prozent der Rentner kommen also - wenn sie riestern - in den vollen Genuss der Riester-Zulagen.

Was aber, wenn jemand im Alter nun zwar durch Wohn-Riestern ein Häuschen hat, er aber lieber in den warmen Süden ziehen will - oder die Immobilie wegen einer Scheidung verkauft werden muss - und dann die ganzen Förderungen zurückgezahlt werden müssen?

Man muss sich natürlich bei jeder Form der Altersvorsorge fragen, ob sie zu einem passt. Ist die monatliche Riester-Rente besser oder nicht doch Wohn-Riester? Das ist eine Entscheidung, die jeder nach seiner Lebenssituation treffen muss. Aber lassen Sie mich Ihnen eins sagen: Ein Haus zu bauen ist nicht nur eine rationale Entscheidung. Ein Häuschen, eine Terrasse, ein kleiner Garten - das ist eine Form von Lebensqualität, die man nicht immer gleich in Geld umrechnen sollte.

Werden die Verbaucher nicht noch mehr überfordert, wenn Sie sich jetzt auch noch mit allen Folgen und Fallstricken des Wohn-Riesterns auseinandersetzen müssen? Denn bei so einem komplexen Thema sind sie den Finanzberatern doch völlig ausgeliefert.

Natürlich wird jetzt beim Wohn-Riester Beratung für die Bürger notwendig sein. Aber dass die Beratung sauber erfolgt, dafür hat die Regierung ja die Richtlinien für die Vermittlung von Finanzprodukten und die Beraterhaftung verschärft. Über ein paar Gedanken, wie denn nun die eigene Altersvorsorge aussehen soll, kommen die Menschen trotzdem nicht herum. Das kann ihnen auch niemand abnehmen. Um die Zulagen für eine Riester-Rente zu errechnen, bedarf es nicht vieler Informationen: Sie müssen wissen, wie viel Sie letztes Jahr verdient haben, wie viel Kinder da sind und ob Sie ledig oder verheiratet sind.

Wie sieht es bei den Riesters mit dem Riestern aus?

In meiner gesamten Familie riestert niemand, weil wir die Voraussetzungen nicht erfüllen: ich darf nicht, meine Frau deshalb auch nicht - und meine beiden Söhne leben im Ausland.

Themen in diesem Artikel