Bettinas früher Abschiedsbrief

7. Januar 2013, 18:38 Uhr

Wer wollte, konnte schon Bettina Wulffs Buch als langen, mitunter knallharten Abschiedsbrief an ihren Mann Christian werten. Wir haben zusammengefasst, was sie über die Beziehung schrieb. Von Florian Güßgen

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Text-Bild-Schere? Ja, schon. Sieht aber besser aus als das Paar im Edeka von Großburgwedel. Bettina und Christian Wulff beim Bundespresseball im November 2010 in Berlin©

Ein paar Monate? Ein halbes Jahr? Ein Jahr? Klar. Schon kurz nachdem Bettina Wulff im September mit großem Tamtam ihr Buch "Jenseits des Protokolls" veröffentlicht hatte, wurde - zumindest bei uns der in der Redaktion - gewettet: Wie lange geht das noch gut? Wie lange bleibt sie noch mit Christian zusammen? Ist das nicht zum Scheitern verurteilt, nachdem sie ihn öffentlich gedemütigt hat mit jenem Schlüssellochroman? Bettina Wulff bekundete damals, dass sie für die Beziehung kämpfen wolle, berichtete von paartherapeutischen Bemühungen. Was jetzt, Monate später, tatsächlich zur Trennung des einstigen Glamour-Paares der Republik geführt hat, wird sicher eines Tages herausgefunden werden. Hier können Sie schon einmal nachlesen, wie Bettina Wulff die Beziehung in ihrem Buch beschrieb. Im Nachhinein liest es sich wie ein langer Abschiedsbrief an ihren Mann Christian.

Offen bekannte die ehemalige First Lady der Republik, dass es ihr nicht egal sei, was über sie geschrieben wird. Das betraf vor allem das immer wieder kolportierte Gerücht, sie habe als Escort-Lady gearbeitet. "Mir ist es nicht egal, was andere über mich denken", heißt es in "Jenseits des Protokolls".

"Er war für mich so etwas wie tabu"

Sie beschreibt, wie sie Wulff, damals Ministerpräsident in Niedersachsen, im April 2006 bei einer Südafrika-Reise kennenlernte. Nein, versichert sie, er habe nicht auf einer Liste von wegen "Haben wollen" gestanden, und: "Ich habe bei Männern kein festes Beuteschema." Am Anfang, so erklärt sie, habe es ihr ferngelegen, an eine Beziehung mit dem mächtigen Politiker zu denken. "Nach dieser ersten persönlichen Begegnung konnte ich zumindest sagen, dass ich Christian Wulff sehr sympathisch fand. Dass er viel natürlicher war, als er nach außen hin erschien. Aber es lag jenseits meiner Vorstellungskraft, dass wir jemals ein Paar sein würden. Ich habe ihn auch gar nicht als potenziellen Partner wahrgenommen. Er war verheiratet und damit für mich so etwas wie tabu. Eigentlich."

Das änderte sich dann, als Christian Wulff der alleinerziehenden Mutter Avancen machte. Im Juni 2006 trennt sich der niedersächsische Regierungschef "einvernehmlich", wie es so schön heißt, von seiner Frau Christiane, mit der er eine Tochter hat. Die "Neue" wird fröhlich-freundlich mithilfe der "Bild"-Zeitung eingeführt, der erste öffentliche Auftritt ist beim Public Viewing eines Fußball-WM-Spiels am Waterlooplatz in Hannover. Deutschland spielt gegen Polen. Flanke Odonkor, Tor Neuville. Die Stimmung ist gut - ebenso wie die Vorzeichen der Verwandlung Bettina Körners in die niedersächsische First Lady.

In Hannover, so beschreibt es Bettina Wulff Jahre später, sei es ihr auch recht gut gelungen, ihre Selbständigkeit an der Seite ihres Mannes halbwegs zu wahren. Sie arbeitet weiter. 2008 heiratet sie Christian Wulff im Schlosshotel Münchhausen, im Mai desselben Jahres kommt ihr zweiter Sohn zur Welt. Bis 2009 hat sie einen Halbtagsjob als Pressereferentin bei der Drogeriemarktkette Rossmann in ihrem Heimatort Großburgwedel. "Diese getrennten Leben waren gut. Wir waren jeder eigenständig, konnten uns in dem, was wir gelernt hatten, beweisen und darum recht erfüllt und zufrieden aufeinander zugehen und miteinander als Partner umgehen. Als Bundespräsident und als Frau des Bundespräsidenten mussten wir zu einer quasi untrennbaren Einheit werden. […] Ich hatte ein großes Stück Eigenständigkeit und Selbstbestimmung verloren."

"Es fehlte der Austausch"

Erst, als Christian Wulff Ende Juni 2010 zum Bundespräsidenten gewählt wird, verändert sich die Beziehung offenbar dramatisch - und gerät aus dem Gleichgewicht. Bettina Wulff fürchtet, hinter ihm, hinter dem Amt zu verschwinden, sich völlig aufgeben zu müssen. "Jetzt, im Rückblick, habe ich bereits des Öfteren gedacht, dass wir häufig in diesen ersten Monaten nach Christians Wahl zu sehr mit uns selbst beschäftigt waren und vor lauter 'Funktionieren-Müssen' das Beziehungsleben so gut wie auf der Strecke blieb", schreibt sie. Und: "Es fehlte der Austausch, das aktive Teilnehmen am Leben des anderen."

Einmal schreibt sie, für Leser zum erfreuten Fremdschämen, dass ihr Mann neben seinen Pflichten "physisch wie psychisch" nicht in der Lage gewesen sei, sich auch noch mit ihr auseinanderzusetzen. Er bereue das heute, habe realisiert, dass man ein Familienleben nicht nur "nach außen führen" könne, sondern sich dem Partner auch mitteilen müsse. An anderer Stelle stellt Bettina Wulff fest, dass die neue Rolle die Beziehung veränderte - dauerhaft. "Es wäre ein Lüge zu sagen, dass das Aus- und Erfüllen des Amtes des Bundespräsidenten spurlos an unserem Beziehungsleben vorbeiging. Möglicherweise war es bei anderen Paaren nicht der Fall, ich aber merkte bereits nach etwa einem Jahr, dass sich Wesentliches verändert hatte."

Vergleichbare Aussagen finden sich an vielen Stellen in dem Buch. Bettina Wulff fühlte sich von den Sicherheitsleuten gegängelt, war unzufrieden mit ihrer Rolle als "Frau von", war auch unzufrieden in der Dahlemer Dienstvilla des Präsidentenpaares, sehnte sich zurück nach der Geborgenheit des Hauses in Großburgwedel bei Hannover. Dazu kam, dass sie sich offenbar öffentlich wehren wollte gegen die wabernden Gerüchte, sie habe als Escort-Lady gearbeitet. Das Amt habe es unmöglich gemacht, sich zur Amtszeit ihres Mannes dagegen zu wehren.

Kein "untrennbares Doppelpack"

Schon sehr kalt erscheint, wie sie sich am Tag des Rücktritts ihres Mannes bewusst von ihm distanziert. Selbst an dem Tag, an dem wohl der Lebenstraum ihres Mannes endgültig zerplatzte, dachte sie nach eigenem Bekunden vor allem daran, anderen zu zeigen, dass sie keine Einheit mit ihm bildete. "Mich nervte der Gedanke, dass ich mich wenige Minuten später vor die Masse an Journalisten stellen musste, die zu wenig unterschied zwischen mir und meinem Mann", schreibt sie. "Natürlich waren Christian und ich in Berlin ein Team. Aber deswegen wollte ich mich nicht selbstverständlich als untrennbares Doppelpack über einen Kamm scheren lassen." Aus genau diesem Grund habe sie sich "ganz bewusst" ein Stück weit entfernt von Christian Wulff aufgestellt: "Um zu zeigen: Ich bin eine eigenständige, selbstständige Frau."

Für die Zeit nach seinem Rücktritt formuliert Bettina Wulff ihre Ansprüche ebenfalls in ihrem Buch. "Ich will mich endlich einmal um meinen eigenen Kern kümmern, um mich selbst, meine Träume und Wünsche. […] Ich finde das adäquat, dafür habe ich und dafür haben auch die Kinder zu lange nach dem Terminkalender meines Mannes gelebt", schreibt sie. Mit dem Erscheinen des Buches verrät sie auch, dass das Ehepaar sich um paartherapeutische Hilfe bemüht. "Er hat realisiert, dass man ein Familienleben nicht nur nach außen führen kann", schreibt Bettina Wulff über ihren Mann, sondern dass man sich dafür auch über sich selbst Gedanken machen muss und auch mit dem Partner darüber spricht."

Als das Buch veröffentlich wird, im September des vergangenen Jahres, setzt Bettina Wulff in ihren öffentlichen Äußerungen noch auf ein Fortleben der Beziehung. Es sei oberste Priorität für sie und ihren Mann, dass sie in den kommenden Jahren "überwiegend selbstbestimmt und nicht fremdbestimmt" lebten. Auf Sicht von drei bis fünf Jahren werde das Haus in Großburgwedel die Heimat bleiben. "Es ist mir ein Bedürfnis zu zeigen, dass ich neue Dinge im Leben als wichtig definieren werde, dass ich mir Neues suchen werde, was mich erfüllt, dass es einfach weitergeht. Ich möchte zeigen, dass ich wieder ein glückliches Leben führen kann", schreibt Bettina Wulff.

Kai Diekmann, der "Bild"-Chef, hat in seiner Exklusiv-Story der Trennung nun den Gemütszustand von Bettina Wulff beschrieben. Freunde hätten sie als "sehr traurig" über die aktuelle Entwicklung erlebt, hat er recherchiert. "Sie habe sich dies alles ganz anders vorgestellt - gleichwohl schaue sie nun nach vorn und sei entschlossen, ein neues Leben aufzubauen." Das "letzte gemeinsame Foto" des Paares, das die "Bild" natürlich auch anbietet, zeigt Christian und Bettina Wulff, wie sie an Heiligabend in einem Edeka-Supermarkt in Großburgwedel an der Kasse stehen. Er ist leicht gebeugt, sie blickt direkt in die Linse der Kamera. Die Szene vermittelt Normalität, genau jene Normalität, nach der sich Bettina Wulff laut langen Passagen ihres Buches immer gesehnt hatte, in der Berliner Diaspora. Offenbar hat es zumindest mit dieser Normalität auch nicht funktioniert.

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