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7. Dezember 2007, 16:37 Uhr

Mörderisches Mode-Imperium

Gucci, dieser Name steht für Glamour, Luxus und Eleganz. Doch hinter der Glitzerfassade tobt ein erbitterter Familienstreit - bis hin zum Mord. Aus diesem Stoff will US-Regisseur Ridley Scott einen Thriller inszenieren - gegen den Willen des Gucci-Clans. Luisa Brandl, Rom

Patrizia Reggiani bei ihrer Verhaftung im Jahr 1997. Sie wurde für den Mord an ihrem Ex-Mann Maurizio Gucci schuldig gesprochen© epa ansa Ferraro; Universal Pictorial Press Photo

Noch ist für die Filminszenierung der Gucci-Saga keine einzige Klappe gefallen, noch ist nicht ein Schauspieler gecastet worden - doch allein die Ankündigung des Hollywood-Projektes sorgt für Wirbel: Starregisseur Ridley Scott will die Geschichte des zerstrittenen Fashionclans auf die Leinwand bannen. Der Name Gucci steht zwar wie kein anderer für Luxus und Eleganz. Doch hinter der Glitzerfassade des Florentiner Modeimperiums brodelten Familienstreitereien, die bis zum Mord führten. Aus dem Stoff will der Regisseur von "Blade Runner" einen Thriller inszenieren.

Die Familie Gucci, die es in ihren besten Jahren zu 500 Millionen Dollar Jahresumsatz brachte mit weltweit 153 Geschäften, läuft nun Sturm gegen die Hollywood-Vermarktung ihrer Geschichte und droht an, den Modekrimi mit rechtlichen Mitteln zu stoppen. "Es muss endlich Schluss sein mit dieser Schmutzkampagne", wettert Patrizia Gucci, 44, Urenkelin des Firmengründers. Die Autorin und Designerin wehrt sich offenkundig dagegen, immer wieder von den Schattenseiten ihres Clans eingeholt zu werden.

Der Sattlermeister Guccio Gucci gründete 1923 das Designerlabel. Schnell wurden die exklusiven Lederwaren mit dem Symbol der beiden verbundenen Steigbügel zum Must-have der feinen Gesellschaft. Nach dem Tod des Gründers entbrannte jedoch ein Streit um das Erbe. Die Firma wurde zerschlagen. Erst Ende der achtziger Jahre brachte sein Enkel Maurizio Gucci den alten Glanz zurück, indem er den Stardesigner Tom Ford verpflichtete. Gucci war fortan der Dresscode der Stars.

Die Familie verprasste das Geld - das Personal blieb ohne Gehalt

Doch der Firmenchef schaltete und waltete ganz im Stil eines feudalen Renaissancefürsten. Ein Firmenjet wurde angeschafft, zwei Ferraris standen in der Garage, eine Luxusyacht wurde für mehrere Millionen Dollar überholt. Die Verschwendung trieb das Unternehmen schließlich in den Ruin. Der Umsatz ging rasant zurück. Das Gucci-Personal blieb ohne Gehälter und streikte. Im Herbst 1993 übernahmen arabische Investoren, die bereits 50 Prozent der Gucci-Anteile von Maurizios Onkel Aldo er-worben hatten, auch noch Maurizios Aktienpaket und setzten den Luftikus vor die Tür.

Andertalb Jahre später, im März 1995, da ist Maurizio Gucci als internationaler Immobilienmakler im Geschäft, betritt er wie gewohnt das Bürogebäude in der Mailänder City und wird von einem Auftragskiller mit einem Revolver niedergestreckt. Hinter dem Mordanschlag steckte seine Ex-Gattin Patrizia Reggiani, die den Killer engagiert hatte. Reggiani war eng mit einer neapolitanischen Wahrsagerin befreundet, die ihre Bedürfnisse nach Okkultem befriedigte. Sie war es, die den Mörder suchte und fand. Reggiani hatte um das Erbe des von ihr getrennt lebenden Ehemanns gefürchtet, sollte der sich mit seiner neuen Lebensgefährtin vermählen. Obwohl sie bis zum Schluss ihre Unschuld beteuerte, sitzt sie nun ihre 29 Jahre Haftstrafe ab.

Nachdem Hollywood die Geschichte der Familie Gucci für sich entdeckt und das Filmprojekt angeschoben hatte, nahm Regisseur Scott Kontakt mit den Betroffenen auf. Er schickte seine Ehefrau, Giannina Facio, die gleichzeitig seine Produzentin ist, nach Florenz. Die soll sich drei Tage von Patrizia Gucci bewirtet haben lassen und der Frau das Drehbuch schmackhaft gemacht haben. Für die Besetzung der Rolle ihres Vaters Paolo, der im selben Jahr wie Maurizio starb, habe sie den klingenden Namen Nicolas Cage genannt. "Ich war glücklich. Ich dachte, unserer Familie würde endlich Gerechtigkeit widerfahren. Wir trennten uns in großer Zuneigung", sagte Gucci über das Treffen mit der Produzentin.

Ein paar Tage später habe sich auch der Drehbuchautor bei ihr gemeldet und ihr versichert, dass der Mord an ihrem Vetter Maurizio nur am Rande eine Rolle spiele. Daraufhin, so Gucci, habe sie gar nichts mehr gehört. Es vergingen drei Jahre, bis sie jetzt von der Ankündigung des Thrillers erfuhr. "Wir waren sehr überrascht und verstört", sagte Gucci dem "Corriere della Sera". Sie fühle sich verraten. Die Guccis seien schließlich nicht das italienische Dallas. "Ich hoffe, dass es den Film niemals geben wird", wird Gucci in den italienischen Medien zitiert.

Luisa Brandl, Rom
 
 
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