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17. November 2011, 15:47 Uhr

Schlange stehen für den Prollchic

Luxus für alle: Nach Karl Lagerfeld und Stella McCartney hat nun auch Donatella Versace eine Modelinie für H&M entworfen. Nicht nur in Hamburg war der Andrang am ersten Verkaufstag riesig. Beiden Partnern kommt der Deal gelegen - sie kämpfen mit Problemen. Von Nadja Röhner

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Ob in Hamburg oder wie hier in Düsseldorf: Deutschlandweit kam heute die Kollektion von Versace in die H&M-Läden. Allein die Einkaufstüten sind ein modischer Hingucker© Rolf Vennenbernd/DPA

Es ist kurz vor acht Uhr, und doch herrscht in der Hamburger Spitaler Straße bereits Alarm. Vor der Filiale von Hennes & Mauritz drängen sich dutzende junger Frauen, die nur darauf warten, den Laden stürmen zu dürfen, um ein Versace-Schnäppchen zu ergattern. Bereits seit sechs Uhr warten viele auf Einlass. Zum zehnten Mal kooperiert der schwedische Modefilialist mit einem Luxusdesigner. Nach Karl Lagerfeld, oder Roberto Cavalli ist es in diesem Herbst nun Donatella Versace. Motto: Disco-chic der 90er.

Dass sich das italienische Label überhaupt zu einer Kooperation mit dem Billiganbieter hinreißen ließ, ist eine Überraschung. Denn noch vor drei Jahren sagte Chefdesignerin Donatella Versace in einem Interview mit der New York Times: "Ich denke, wenn man die Versace-Linie mit H&M zusammenbringt, würde das das Label durcheinander bringen". Dass sie ihre Meinung geändert hat, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass die Marke nach familiären Dramen und Millionenverlusten einen Image-Kick gebrauchen kann.

Vom Proll-Image zum Kult

Einen entscheidenden Beitrag hat bereits Lady Gaga geleistet. Sie durfte für ihr Musikvideo "The Edge of Glory" die Archive der italienischen Marke plündern. So verhalf die Pop-Exzentrikerin den Medusen-Motiven und Miamiprints vom Proll-Image zum Kult.

Der Versace-Deal kommt für H&M wiederum genau zur richtigen Zeit. Nachdem die Eurokrise und das schleppende Herbst-Geschäft den Umsatz im dritten Quartal um 15 Prozent auf 389 Millionen Euro drückten, soll nun Versace das Schlussquartal 2011 ankurbeln. Die Designer-Kooperationen der Vorjahre waren jedenfalls erfolgreich.

Die Studentinnen Mariam Nemati und Irina Marik harrten stundenlang aus, bis sie die H&M-Filiale in der Hamburger Einkaufsmeile entern durften. Objekt ihrer Begierde: eine nietenbesetzte Lederjacke. 199 Euro soll das gute Stück mit dem Mäandermuster kosten. "Ein stolzer Preis, aber für ein Versace-Schnäppchen würden wir das Geld ausgeben", sagt Irina. Das Einlass ist so streng wie in In-Clubs: Es werden Armbänder verteilt. Die jeweilige Farbe gibt an, zu welcher Zeit die Gruppe von 20 Personen in den Versace-Bereich darf. Wer endlich drin ist, muss schnell sein: Jeder Kunde hat nur 15 Minuten Zeit, sich die limitierten Teile unter den Nagel zu reißen. Und auch hier gibt es Beschränkungen: Pro Teil darf jeder Kunde nur eine Größe kaufen.

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Auch die Studentinnen Mariam Nemati und Irina Marik waren in Hamburg shoppen. Ihre Beute: Leggins von Versace© Nadja Röhner

Folgt Tom Ford auf Versace?

Obwohl die Versace-Kollektion gerade erst in den Läden hängt, wird bereits ein Designername für 2012 gehandelt: Tom Ford, ehemaliger Chefdesigner von Gucci. H&M will sich zu dem Gerücht nicht äußern.

Für Mariam und Irina wäre der Amerikaner ein Grund, wieder in aller Frühe vor einer H&M-Filiale auszuharren. "Allerdings wäre es schön, wenn die Kollektion günstiger wäre als die Teile von Versace", sagt Irina. Sie hat Pech gehabt im Wettlauf um die Klamotten: In ihrer Tüte steckt nicht die gewünschte Lederjacke, sondern nur eine Leggins mit Mäandermuster. Immerhin: Sie war 90 Euro billiger.

Von Nadja Röhner
 
 
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