Schweizer "Heiler" muss lange in Haft

22. März 2013, 12:51 Uhr

Ein "Heiler" hat 16 Menschen durch Blut-Injektionen absichtlich mit HIV infiziert. Nun verurteilte ihn ein Gericht zu fast 13 Jahren Gefängnis. An das Blut für die Injektionen kam er mit einem Trick.

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HI-Viren unterm Elektronenmikroskop: ein Schweizer Musiklehrer soll 16 Menschen absichtlich solche Viren gespritzt haben.©

Der selbsternannte Schweizer Heiler, der mindestens 16 Menschen absichtlich mit HIV infiziert hat, muss fast 13 Jahren ins Gefängnis. Das Regionalgericht Bern-Mittelland sah es als erwiesen an, dass der Mann 16 Menschen zwischen 2001 und 2005 hinterrücks mit dem Aids-Erreger angesteckt hatte. Das berichtete die Schweizer Depeschenagentur SDA. Der 54-Jährige muss wegen schwerer Körperverletzung und dem Verbreiten von Krankheiten 12 Jahre und 9 Monate in Haft. Das Motiv des Mannes blieb unklar.

Der Mann hatte vor Gericht alle Vorwürfe abgestritten. "Der Angeklagte und niemand anders ist für die Infizierung der 16 Menschen verantwortlich", sagte Gerichtspräsident Urs Herren.

Waffen und KO-Tropfen

Obwohl es sich um ein noch nicht rechtskräftiges Urteil in erster Instanz handelt, muss der Mann im Gefängnis bleiben. Das Gericht ordnete eine Sicherheitshaft an. Während des Prozesses hatte sich der Berner 24 Stunden vor der Polizei in seinem Haus verschanzt, statt an der Verhandlung teilzunehmen. Die Beamten mussten das Haus vergangene Woche stürmen und nahmen den bewaffneten Mann fest.

Der Musiklehrer hatte sich als Heiler ausgegeben und seine Patienten neben HIV teilweise auch mit Hepatitis C infiziert. Dabei stach er die Menschen unter Vorwänden wie zum Beispiel einer Akupunktur-Behandlung. Zeugen berichteten, KO-Tropfen verabreicht bekommen zu haben, während der Bewusstlosigkeit habe sie der Musiklehrer dann gestochen.

Blutproben für Schamanen

Blut besorgte sich der Berner von einem HIV-positiven Mann, der jahrelang zu ihm kam. Vor Gericht sagte der Mann aus, dass er sich von dem Angeklagten regelmäßig Blut abzapfen ließ, um es von einem "Schamanenkreis" analysieren zu lassen.

Ans Licht kam die Geschichte, als sich 2004 Verdachtsfälle häuften: Im Berner Inselspital wurde bei mehreren Menschen HIV diagnostiziert, die den Musiklehrer aufgesucht hatten. Danach nahm die Justiz ihre Untersuchungen auf. Bis zur Anklage dauerte es sieben Jahre, weil einige Betroffene nicht gleich der Weitergabe ihrer Identität zustimmten.

tkr/DPA
 
 
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