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27. Juni 2009, 19:52 Uhr

Schwarzfahrer in Uniform

Polizei, erste Klasse, Deutsche Bahn, Nahverkehr

Auch im Fernverkehr dürfen Polizisten kostenlos mitfahren. Aber nur zweite Klasse.© Volker Hartmann/ddp

Das Image der Polizei leidet

"Wir haben diese Diskussion vor zwei Jahren breit geführt", erzählt Sandra Pfeifer, Pressesprecherin der Bundespolizei in Potsdam. "Schon damals haben wir den Kollegen ganz deutlich gesagt, dass sie nicht in der ersten Klasse sitzen dürfen, selbst wenn der Zugbegleiter sie ausdrücklich dazu auffordert. Die Kollegen dürfen die erste Klasse nur betreten, wenn sie dort einen Einsatz haben. Oder sie kaufen sich eine reguläre Fahrkarte." Pfeifer selbst ist schon vom Zugbegleiter eingeladen worden, in der ersten Klasse Platz zu nehmen. "Ich habe verzichtet, obwohl ich nur einen Stehplatz hatte. Aber wir dürfen es einfach nicht und daran halte ich mich."

Auch Oberkommissar F., der jeden Tag mit dem Zug zum Dienst fährt, setzt sich "selbstverständlich" in die zweite Klasse. "Wir müssen schon den Anschein der Vorteilsnahme vermeiden", sagt er. "Man stelle sich nur mal vor, ein Polizist erwischt den Zugbegleiter, der ihn in die erste Klasse eingeladen hat, ein paar Tage später bei einer Verkehrskontrolle." Für das "versnobte" Verhalten seiner Kollegen hat F. "nicht das geringste Verständnis". "Da verderben einige, wenige schwarze Schafe das Image der Polizei."

Dass Schwarzfahrer in Uniform das Image der Polizei nicht gerade aufpolieren, sieht auch Ralfmartin Meyer, Sprecher Hamburger Polizei: "Die Polizei Hamburg hat ein hohes Interesse daran, dass die Regelung eingehalten wird", sagt der Kriminaldirektor. "Wir haben alle Mitarbeiter über die betreffende Regelung umfassend informiert, auch darüber, dass ein Verstoß, also zum Beispiel das Fahren in der 1. Klasse, den Tatbestand des Erschleichens von Leistungen gemäß § 265a Strafgesetzbuch erfüllen könnte." Darüber hinaus sei die Regelung, nur in der zweiten Klasse zu fahren, "Teil der Polizeidienstvorschrift". Polizeibeamte, die dagegen verstießen, riskierten nicht nur disziplinarrechtliche, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen.

Die Staatsanwaltschaften tun sich allerdings schwer, Schwarzfahrer in Uniform zu belangen. Einige Juristen verneinen das "Erschleichen von Leistungen", weil sich die Polizisten nicht der Kontrolle durch die Bahn entziehen würden. "Es kämen aber unter Umständen Betrugs- oder Korruptionsdelikte in Betracht", sagt Wilhelm Möllers, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg.

In Hamburg sind zwei Polizisten wegen vermeintlichen Schwarzfahrens in Uniform angezeigt worden. Beide Ermittlungsverfahren wurden eingestellt. Bei einem der Beamten war die Beweislage unklar. Der andere Beamte war in Uniform in der zweiten Klasse gefahren, allerdings nicht zum Dienst, sondern nach Süddeutschland in den Urlaub. Hamburger Polizisten ist dies - im Gegensatz zu den Beamten einiger anderer Bundesländer - verboten. Dennoch erkannte der ermittelnde Staatsanwalt keine Straftat, schloss allerdings ein "Dienstvergehen" nicht aus. Mit anderen Worten: Die Polizei muss selbst in den eigenen Reihen durchgreifen.

Beamte besetzen die wenigen Plätze

Ob sich die Freifahrt in Uniform im Vergleich zu den Polizeieinsätzen in den Zügen rechnet, vermag die Bahn nicht zu beantworten. "Es gibt diesbezüglich keine Statistik bei der DB, die eine belastbare Hochrechnung erlauben würde", sagt Bahn-Sprecher Sommer. "Die Kundenbefragungen zeigen aber, dass die Anwesenheit von uniformierten Beamten das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden steigert."

Doch auch in der zweiten Klasse gibt es Fahrgäste, die sich über uniformierte Polizisten ärgern. Die Beamten dürfen hier zwar umsonst fahren - allerdings ohne Anspruch auf einen Sitzplatz. Sie haben ihren Platz sogar "ohne Aufforderung für zahlende Kunden der DB freizumachen". Doch einige Beamte setzen offenbar auch hier auf die autoritäre Wirkung ihrer Uniform. "Die Verkümmerung sozialer Instinkte in den Personenwagen der Deutschen Bahn zeigt sich auch in dem Verhalten der uniformierten Passagiere", klagte "Fernpendler" Herbert J. aus Bad Hersfeld kürzlich in einem Leserbrief an die Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Kaum einer gibt seinen einmal eroberten Sitzplatz ohne Aufforderung her, obwohl nicht er selbst, sondern der Steuerzahler seine Fahrkarte bezahlt hat", schrieb der Fernpendler, der seit sechs Jahren zweiter Klasse fährt. "Die Hemmschwelle, einen Polizisten oder Bundesgrenzschutz-Beamten zum Aufstehen aufzufordern, ist eben für viele Menschen zu hoch."

Von Kerstin Schneider
Seite 1: Schwarzfahrer in Uniform
Seite 2: Das Image der Polizei leidet
 
 
KOMMENTARE (10 von 53)
 
h-p-t (30.06.2009, 09:41 Uhr)
wo ist das Problem ?
solange die jungs für ne alte dame aufstehen und ihrer vorbildfunktion gerecht werden ?
sollen sie vielleicht auch noch steuern für ihre dienstwagen zahlen ?
ich bin froh wenn ich die polizei sehe und sie präsent ist, mir haben sie stets mit gutem beispiel gedient, irgendwelche negativen kommentare kenn ich nur aus dem i-net / den nachrichten.
von mir sollte jeder polizist freien zugang zu allem haben und sollte diese vergünstigungen haben. erstens sind sie präsent, und zweitens halten sie oft genug für ihr mickriges gehalt ihren kopf hin...!
( da ein polizist nie feierabend hat, schließe ich die zeit af dem weg zur arbeit und zurück mit ein ^^)
die welche sich hier so aufregen, sollten mal besser nachdenken wo überall sie sich ihre "vergünstigungen" herausnehmen...also immer schön ball flachhalten ^^
McKenzie73 (29.06.2009, 18:52 Uhr)
Ich fahre niemals in Uniform...
weil ich, wie jeder andere, der zur Arbeit fährt, erst wirklich dort meinen Dienst beginnen will. Das ist mir die Monatskarte wert. Der Artikel ist sehr polemisch aufgemacht und schmälert das Ansehen derjenigen Kollegen, die schon auf der Fahrt zur Arbeit Material für zwei Tätigkeitsberichte, eine Strafanzeige und diverse Dienstkartenaushändigungen ansammeln, weil sie wirklich bürgernah sind.
BodoGiertz (29.06.2009, 09:34 Uhr)
Ein Relikt abschaffen
Einmal davon abgesehen, dass es natürlich ein Unding ist, dass hier Leute, die sowieso schon priviligiert sind diese Privilegien auch noch missbrauchen:
Die erste Klasse ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten und eine Unverschämtheit gegen die mehrheit der Fahrgäste, die oft in überfüllten Wagen stehen müssen, während die 1.Klasse-Wagen halb leer sind !
Auch das Problem der 1.Klasse-Beamten hätte sich dann erledigt.
Gruebler-66 (29.06.2009, 01:33 Uhr)
Ups, vergessen....
... wundert euch nicht wenn der Beitrag da schnell gesperrt wird, kritische Kommentare sind da manchmal sehr schnell verschwunden...
Einige "Moderatoren" da sind sehr dünnhäutig wenn es um kritische Beiträge geht.
Aber in der Grundidee ein nicht schlechtes Forum.
Gruebler-66 (29.06.2009, 01:22 Uhr)
Postet den Artikel...
... doch mal hier:
www.copzone.de
Und wundert euch dann wieviele Ausflüchte und Ausreden Ihr bekommt...
So viel zu der Meinung der Gutbürger über die Integrität einer Uniform.
Bevor etwas falsch verstanden wird, ich bin für die Präsenz der Polizei in den Zügen, auch umsonst, aber halt da wo sie hin gehören und auch legitimiert sind.
Nicht in der Nobelklasse für die jeder Normal Bürger sehr teures Geld bezahlt.
(Und in deren Abteilen sie nichts von "bahntypischen Problemen" mitbekommen....
balldurian (28.06.2009, 22:06 Uhr)
Der bericht zeigt wirkung ...
... die herren arbeiten an ihrem image. Schwarzfahren kann auch berufsbedingt passieren, russ und rauch sind seit über hundert jahren ein markenzeichen unerreichbarer pünktlichkeit.
Der Artikel
http://www.stern.de/panorama/:Bahn-Panik-Brand-Regionalzug/704800.html
Vier Bundespolizisten, die in dem Zug auf dem Weg zum Dienst mitreisten, löschten die Flammen mit Feuerlöschern
.
... liefert die Erklärung ...
sophia7519 (28.06.2009, 21:22 Uhr)
RE: Der Artikel regt mich auf!
>>>
Sollte man die Gesellschaft wirklich gegen die Ordnungshüter aufhetzen??? In was für einer Welt leben wir eigentlich??? Traurig
......
Wo sehen Sie Ordnungshüter ?
Oder kommts von der Aufregung - manche sehen dann auch weiße Mäuse.
War erst vor 3 Tagen in der Zeitung wie Polizeibeamte privat abkassierten.
Vielleicht nicht überall so, aber wenn Sie nicht angeboten hätten ins Schiffchen zu stecken - direkt in die Hand gedrückt hätte vielleicht geklappt ?
Und solange Polizisten keine Bank überfallen ist doch alles nur Grund zur Freude !
sophia7519 (28.06.2009, 21:19 Uhr)
RE: Der Artikel regt mich auf!
>>>
Sollte man die Gesellschaft wirklich gegen die Ordnungshüter aufhetzen??? In was für einer Welt leben wir eigentlich??? Traurig
debrasseur (28.06.2009, 18:05 Uhr)
Warum aufregen, über alltägliches?
Die Macht wird ausgelebt, zum Schaden der Demokratie.
Mardiabolo (28.06.2009, 18:00 Uhr)
Der Artikel regt mich auf!
Ok, was war der Grund für diesen Artikel? Futterneid? Rache? Oder einfach nur schlechte Recherche?!? Ich fahre häufig Bahn (Kiel - Hamburg) und habe schon sehr oft Beamte in Uniform in der zweiten Klasse sitzen sehen. Einmal sogar habe ich erlebt, dass eine von ihnen (Waschpo) einschreiten mußte. Der ältere Herr schien jedenfalls sehr dankbar zu sein. Ich glaube, dass die Gesellschaft immer weniger Respekt vor der Polizei hat. Wo sollen die Polizisten denn in einer Großstadt parken? 10 min Fußweg vom Streifenwagen entfernt? Wenn ich die Polizei brauche, dann will ich sie sofort. Und das passiert nicht, wenn sie erst ewig weit laufen müssen! Sicherlich, einige wenige Polizistin benehmen sich vielleicht grenzwertig. Aber 99% von ihnen sind korrekt und höflich. Ich durfte einmal noch nicht mal was für die Kaffeekasse spenden, sondern sollte es in ein Schiffchen für die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger werfen. Nein, dieser Stern-Artikel ist falsch und überspitzt und vermutlich sogar noch verdreht dargestellt. Pfui! Sollte man die Gesellschaft wirklich gegen die Ordnungshüter aufhetzen??? In was für einer Welt leben wir eigentlich??? Traurig
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