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31. März 2010, 14:53 Uhr

Deutsche wünschen einheitliches Bildungssystem

Die Mehrheit der Bundesbürger ist mit dem deutschen Schulsystem unzufrieden. Dies zeigt eine aktuelle Allensbach-Studie. Besonders in der Kritik steht die föderale Struktur. Ebenfalls ein Ärgernis: zu große Klassen und häufiger Unterrichtsausfall.

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Das deutsche Schulsystem muss besser und einheitlicher werden© Sascha Schuermann/DDP

Laut einer Allensbach-Umfrage wünschen sich die Deutschen eine bundeseinheitliche Schulpolitik. Die Mehrheit der Bürger ist mit den unterschiedlichen Bildungssystemen in den Ländern unzufrieden. 61 Prozent der Deutschen wünschen sich ein Schulsystem, in dem die Bundesregierung die Verantwortung für die Bildungspolitik trägt. Ein Drittel der Bürger aus dem Osten Deutschlands sind mit dem achtjährigen Gymnasium (G-8) unzufrieden, während ein Drittel Verbesserungsbedarf bei den Lehrplänen sieht. Ein weiteres Drittel tritt für die Rückkehr zum G-9 ein. In den alten Bundesländern wollen dies 71 Prozent. Keine großen Erwartungen setzen die Bürger in die geplante oder bereits beschlossene Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen.

Eine Verbesserung der konkreten Lernbedingungen an den Schulen ist für viele Befragte wichtiger als eine Strukturreform. Fast 60 Prozent fordern eine Verkleinerung der Klassen, bei den Eltern schulpflichtiger Kinder sind es sogar 69 Prozent. Ebenfalls bemängelt wurde der hohe Unterrichtsausfall. Hans-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, führt dies auf den verstärkten Lehrermangel zurück. Mehr als die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer wünschen sich eine stärkere individuelle und begabungsgerechte Förderung ihrer Kinder.

Was ist ein guter Lehrer?

Ein Lehrer muss Kinder motivieren können und zudem eine hohe fachliche Kompetenz aufweisen. Diese Punkte nennt eine Mehrheit der Befragten als Haupteigenschaften eines guten Lehrers. Anerkannt wird einerseits, dass der Beruf anstrengender geworden ist. Andererseits wird kritisiert, dass Lehrer zu viel über ihre Belastung klagen. Insgesamt ist die allgemeine Bewertung der Lehrer laut Allensbach deutlich schlechter als das Urteil über die Pädagogen, die die eigenen Kinder unterrichten. Eine Benotung der Lehrer durch Schüler, wie beispielsweise auf dem Internetportal spickmich.de praktiziert wird, hält Hans-Peter Meidinger für fraglich. Über "neue Rückmeldungssysteme" müsse man aber nachdenken.

Im Auftrag der Vodafone-Stiftung hat das Meinungsforschungs-Institut Allensbach mehr als 2000 Deutsche zur Schulpolitik und zum Lehrerbild in Deutschland befragt. Die Länder erhielten von den Befragten für ihre Schulpolitik nur eine 3,6. Am besten kam Bayern mit einer 3,3, am schlechtesten Schleswig-Holstein mit einer Note von 4,2 weg.

Claudia Kemmer / AP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
germinal (01.04.2010, 02:27 Uhr)
@simbadische
Sehr simbadisch, Ihre Einstellung!

Dem kann ich nur zustimmen.
f.j.neffe (01.04.2010, 01:47 Uhr)
Wie will man was vereinheitlichen, was gar nicht da ist?
Wenn sich in diesem CHAOS jemand ein "einheitliches" Bildungssystem wünscht, kann ich das als Ich-kann-Schule-Lehrer nicht ernst nehmen: Noch einheitlicher kann das CHAOS doch kaum noch werden. Als Ich-kann-Schule-Lehrer will ich erst mal ein konkretes, wenigstens EIN konkretes Beispiel sehen, wo jemand auch tatsächlich wenigstens EIN Problem konkret gelöst hat und das noch ein zweites Mal schafft. In der neuen Ich-kann-Schule sind alle Erfolge reproduzierbar - ganz anders als in unseren Du-musst-Schulen.
Wir kommen alle mit ziemlich viel ICH-KANN auf die Welt. In der Schule versucht man ständig, es in SCHABLONEN zu stanzen, man lässt es hungern und walzt es mit Du-musst platt. Diese QUÄLEREI nennt man UNTERRICHT und tut so, als ginge es nicht anders.
In der neuen Ich-kann-Schule behandelt man einfach das ICH-KANN ordentlich, man achtet und pflegt und stärkt es und seine Kräfte. Diese Kräfte freuen sich so über die menschenwürdige Behandlung, dass sie alles tun, wovor sie in der Du-musst-Schule die Flucht ergreifen.
Unsere "Schulen" sind Unterrichtsvollzugsanstalten, also das Gegenteil von Schule. Und wir machen sie immer noch perfekter so statt ANDERS. Es scheint als merken wir gar nicht mehr, was wir tun.
Deutschland braucht noch mehr vereinheitlichende NIVELLIERUNG. GEIST und GESUNDEN MENSCHENVERSTAND - das sind heute Fremdworte in Deutschland - sollte wiederentdeckt und entfaltet und gebraucht werden.
Not amused
Franz Josef Neffe
giangastone (31.03.2010, 20:23 Uhr)
Never touch a running System...
...es lässt sich mühelos nachweisen, dass die klügsten Köpfe auch heute noch aus der humanistischen Gymnasium stammen. Weil das Wort Elite in Deutschland ein Schimpfwort / eine Beleidigung ist und Integration so verstanden wird, dass die erzogenen und leistungsstarken Kinder die verwahrlosten und leistungsschwachen irgendwie mit durchschleifen müssen, wird die Leistung nach unten gedrückt. (Im vielgerühmten Island kommen auf 8 Kinder eine Lehrer, da sieht die Situation auch in integrativen Schulen natürlich ganz anders aus). Wenn Eltern frei wählen, wählen sie alte Bildungsideale und -systeme. In Hamburg (Reform) und Bayern (G8) wurde eindeutig GEGEN die Eltern entschieden. Reine Polit-Diktatur. Da wundert sich noch irgendjemand über Polit-Verdrossenheit gerade in den Familien MIT Kindern?
Wittigofranko (31.03.2010, 19:02 Uhr)
Bildung ist mehr wert - deshalb Bildungsmehrwertsteuer
Das deutsche Schulsystem stammt noch aus dem Kaiserreich des 19. Jahrhunderts.

Auch den Amerikanern ist es nach dem 2. Weltkrieg nicht gelungen, das so genannte Dreigliedrige Schulsystem, geschweige denn die "Kultus-Hoheit" - wahrlich ein vordemokratischer Begriff - der Länder zu beseitigen.

Als realistisch für Deutschland sehe ich die für Hamburg geplante Schulstruktur an: eine sechsjährige Grundschule für alle und darauf aufbauend zwei Säulen von je ebenfalls sechs Jahren.

Die traditionelle Säule bleibt das (Aufbau-)Gymnasium und die innovative Säule wird die Kolleg-Schule, die allgemeinbildend, profilbildend und berufsbildend ist und ebenfalls - über ein Berufkolleg - die Möglichkeit zum Hochschulstudium bietet - im rahmen des lebenslangen Lernens.

Da Bildung mehr wert ist, brauchen wir auch mehr Geld dafür. Deshalb sollte die MwSt erhöht - die EU lässt derzeit 25% zu - und so zur Bildungs-Mehr-Wert-Steuer weiter entwickelt werden.

Insbesondere Kinder aus finanziell schwächer gestellten Elternhäusern würden so von der verbesserten Bildungsinfrastruktur relativ mehr Gewinn haben.

Dr. Ludwig Paul Häußner, Karlsruhe
Initiator von www.unternimm-die-schule.de
hannes_schinder (31.03.2010, 18:54 Uhr)
Die Schulpflicht war ja schon mal ein großer Fortschritt
Heute haben wir die Aufgabe individuelle Begabungen zu fördern, da besteht ein akuter Mangel. Ausbildungsbetrieben sollte besonders die Übernahme von Hauptschülern erleichtert werden.
simbadische (31.03.2010, 18:35 Uhr)
Alles eine Frage des Geldes -
Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft !

Der Haken ist ganz leicht zu finden : Kinder sind - im Gegensatz zu dementen Altenheimbewohnern - keine Wähler!

Während im Altenheim eine Vertrauensperson den "mutmaßlichen Wählerwillen" erfüllen kann und den Wahlzettel ausfüllt, bleibt dieses Recht den Eltern verwehrt !

Darum gibt es eine Rentensicherung, aber kein Recht auf Bildung !

Popobawa (31.03.2010, 17:47 Uhr)
Zum Thema Lehrermangel
alles selbst verschuldet. Auf der einen Seite finden Jährlich 40 000 Lehrer keine Arbeit auf der anderen Seite fällt Unterricht aus wegen einen Mangel. Woran das liegt wissen die meisten, zu viele möchten Geschichte machen und zu wenige Mathe. Stimmt aber nicht so, die TU-Dresden stellt 3 bis 4 mal mehr Deutschlehrämter ein als Mathe, obwohl auch da die Nachfrage an Studienplätzen besteht. Hier fängt das schon an, ein drittel weniger Plätze an Mathelehrämter, über geht es in die enorme Durchfallquote da die Lehrämter das gleiche Grundstudium haben wie Matheamtiker(Algebra & Analysis), wissen die meisten auch nicht wenn sie anfangen. Die wenigen die am ende noch übrig bleiben werden auch noch mit Kusshand in die Wirtschaft übernommen (Mathematiker mit Softkills).
Popobawa (31.03.2010, 17:37 Uhr)
Lehrer sind schon arme Schweine
besonders die neuen. Ein fachlich vollwertiges Studium hinter sich gebracht, miese Bezahlung (kein Wunder das viele nach dem Studium in die Wirtschaft gehen) und immer dümmere Kinder. Was mein Freund von seiner Hospitation erzählt hat war schon erschreckend. Als ich noch in diese Schule ging war es unüblich das 6 Klässler rumschreien, auf den Tisch sitzen, durchs zimmer rennen usw.
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