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1. Mai 2010, 18:39 Uhr

Sitzblockaden verkürzen Neonazi-Aufmarsch

eit mehr als zehntausend Demonstranten haben sich am Samstag in mehreren deutschen Städten Aufmärschen von Neonazis entgegengestellt. In Berlin protestierte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) in erster Reihe.

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Wolfgang Thierse war in Berlin-Kreuzberg bei der Sitzblockade dabei© Tobias Schwarz/Reuters

Darf ich ihnen helfen?", fragt der Polizist noch freundlich, dann greift er Wolfgang Thierse am Arm und zieht ihn von der Straße. Selbst der Vizepräsident des Bundestags konnte mit seiner Sitzblockade nicht verhindern, dass 600 Neonazis am 1. Mai durch Berlin marschierten. Aber die NPD-Anhänger mussten unter dem geballten Protest tausender friedlicher Gegendemonstranten ihre Pläne kräftig stutzen.

Im zähen Schneckentempo schafften die Rechtsextremen gerade einmal einen Bruchteil der geplanten Strecke, dann entschied die Polizei: Umkehren. Das war alles andere als die ersehnte Revanche für Dresden, wo Gegendemonstranten im Februar mehr als 6000 Neonazis in der Kälte stundenlang auf einem Bahnhofsplatz festgesetzt hatten.

Über den Blockade-Aufruf des Bündnisses "1. Mai nazifrei" hatte es im Vorfeld des Berliner Aufmarsches lange Diskussionen gegeben. Die Polizei machte klar: Sie muss den Neonazis zu ihrem Recht einer angemeldeten Demonstration verhelfen. Doch gegen diese Masse von Gegnern - das Bündnis spricht von 10.000 - will die Polizei nach aufreibenden Stunden aus Sicherheitsgründen nicht mehr vorgehen.

"Bürger haben ein Recht, ihre Straße zu verteidigen"

Wolfgang Thierse macht seinen Standpunkt gleich zu Beginn der Demonstration klar: Die Bürger hätten ein Recht, ihre Straße zu verteidigen, sagte er und trägt ein Transparent "Berlin gegen Nazis".

Der Einsatz des 66-Jährigen hat seinen Grund: Die Nazis marschieren nur wenige Blocks von seiner Wohnung im Prenzlauer Berg entfernt, der Stadtteil liegt in Thierses Wahlkreis. Das Szeneviertel ist alles andere als eine Nazi-Hochburg. "Wir haben hier einen schwierigen Einsatz", sagt Polizeisprecher Frank Millert zu Beginn des Aufzugs und verweist auch auf die Anwohner, die er als bürgerlich, liberal und links charakterisiert.

Auf den Balkonen entlang der Bornholmer Straße lässt sich besichtigen, wie wenig sie von den Rechtsextremen halten: Sie drehen ihre Stereo-Anlagen auf, schlagen auf Töpfe und Kuhglocken, um die Demonstration zu übertönen. "No Nazis" und "Nie mehr Faschismus", steht auf zahlreichen Transparenten an Balkonen.

Den (Teil)-Erfolg des linken Bündnisses haben sich die Rechtsextremen auch selbst eingebrockt. Statt der erwarteten 3000 Neonazis kamen nur 600 und die ließen auch noch Stunden auf sich warten - und gaben so den Gegendemonstranten genügend Zeit, die Straßen rund um die Route dicht zu machen. 200 Neonazis, die sich abseits der genehmigten Demonstrationsroute an der Einkaufsmeile Kurfürstendamm getroffen hatten, nahm die Polizei fest.

AFP
 
 
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