HOME

NPD-Politiker zweifelt an Flüchtlingen als Ersthelfer

Dass ausgerechnet Flüchtlinge einem NPD-Politiker nach einem Autounfall helfen, hat weit über Deutschland hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Nur einer ist sich nicht so sicher, dass die Geschichte aus Hessen wirklich stimmt.

Ein NPD-Plakat wirbt mit dem Slogan "Büdingen braucht Sicherheit und Heimatliebe"

"Sicherheit und Heimatliebe" fordert die NPD für Büdingen. Ganz in der Nähe hatten NPD-Politiker Stefan Jagsch einen Autounfall

Die Geschichte sorgte international für Aufsehen: Zwei Flüchtlinge leisten dem NPD-Politiker Stefan Jagsch nach dessen Autounfall Erste Hilfe. Während nicht nur deutsche, sondern auch internationale Medien wie der britische "Independent" über die Hilfsaktion berichten, hat Jagsch noch so seine Zweifel: "Wenn es so war, ist es lobenswert, dass mir syrische Flüchtlinge geholfen haben. Aber wenn ich das in der Zeitung lese, ist das für mich noch keine Tatsache", sagte er Grete Götze, einer Mitarbeiterin der TV-Redaktion "Hessenschau" des Hessischen Rundfunks.

Auf den Fall aufmerksam geworden war der Journalist Hanning Voigts von der "Frankfurter Rundschau". Im Interview mit "hessenschau.de" sagte Voigts über Jagsch: "Menschlich ist er lange nicht so unangenehm, wie man es von jemandem erwarten würde, der solche Gedanken im Kopf hat." Deswegen kann Voigts sich vorstellen, dass Jagsch sich bei den Flüchtlingen noch bedankt - obwohl er "seinen Wahlkampf fast ausschließlich gegen Flüchtlinge fährt und mit sehr aggressivem Kurs von Überfremdung spricht."

"Nur etwas gegen Wirtschaftsflüchtlinge"

Außerdem differenziert Jagsch nach eigener Aussage bei Flüchtlingen: "Jagsch sagte mir, er habe immer wieder betont, dass er nichts gegen Kriegsflüchtlinge habe, sondern nur etwas gegen Wirtschaftsflüchtlinge", sagte Götze dem stern. Da die beiden Ersthelfer aus Syrien und dem Sudan nach Deutschland geflohen sind, dürfte Jagsch ja kein Problem mit ihnen haben.

Laut Voigts kam die erste Information über die helfenden Flüchtlinge von der Freiwilligen Feuerwehr Büdingen, die bei Jagschs Unfall im Einsatz war. Hoffentlich traut Jagsch Feuerwehrleuten mehr als Journalisten und rafft sich zu einem Dankeschön bei den Ersthelfern auf. Verdient haben sie es in jedem Fall - egal, woher sie kommen.

tkr

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren