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3. Dezember 2008, 21:40 Uhr

Heesters mit Hitler-Fragen reingelegt

Der Schauspieler Johannes Heesters hat einem holländischen Fernsehsender ein Interview gegeben - und sollte auch Fragen zu Hitler und Stalin beantworten. Was missglückte. Heesters' Frau jedoch kritisiert, die Fragen seien "überfallartig" gekommen.

Heesters, Johannes Heesters, Simone Rethel

Johannes Heesters hat im holländischen Fernsehen ein sehr unglückliches Interview gegeben© Michael Urban/DDP

Der aus Holland stammende Schauspieler Johannes Heesters fühlt sich von einem holländischen Fernsehsender mit Fragen nach Hitler "hereingelegt". Seine Frau Simone Rethel-Heesters betonte in einer Presseerklärung, ihr Mann, der zurzeit in Hamburg Theater spielt und an diesem Freitag seinen 105. Geburtstag feiert, sei in einem Interview des TV-Senders VARA "überfallartig" mit Fragen nach Hitler und Stalin konfrontiert worden. Nach Angaben seiner Frau antwortete Heesters auf die Frage "War Hitler ein netter (guter) Kerl?" (Was Hitler een aardige man?) unter anderem: "...für seine Soldaten war er aardig (gut), d i e fanden ihn gut".

Sie sei überzeugt, dass die ungeschickte und "schreckliche Antwort" ihrem Mann "in den Mund gelegt" worden sei, sagte Simone Rethel-Heesters. Sie selbst habe die "perfide Frage" des Interviewers nicht verstanden, weil sie in Holländisch gestellt wurde. "Mein Mann hat leider immer wieder versucht, die Frage nach 'Hitler, dem guten Mann' zu beantworten, indem er sich immer wieder ungeschickt und für ihn entsetzlich verfänglich ausdrückte. Mein Mann äußerte sich während des Interviews sehr wohl gegen das Regime: 'Ich war nicht in der NSDAP. Ich war kein Parteimitglied, ich wollte nichts mit den Herren Goebbels, Göring zu tun haben.' Dass dies nicht gezeigt wurde, lässt auf einiges schließen."

"Mein Mann war auf Distanz zu den Machthabern

Sie sei außerdem überzeugt davon, betonte Simone Rethel-Heesters, "dass Jopies Lebensleistung nicht durch einen einzigen unglücklichen Satz in einem Interview geschmälert wird, das er im Alter von 105 gegeben hat. Mein Mann ist im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen immer auf Distanz zu den braunen Machthabern geblieben und hat in der Vergangenheit hundertfach in Interviews zum Ausdruck gebracht, dass er für Hitler und seine Gefolgsleute stets nur Verachtung übrig hatte." Mit der Ausstrahlung dieses Interviews, "das von einem jungen Mann geführt wurde, der gar nicht auf die Schwierigkeiten eines sehr, sehr alten, blinden Mannes einging, zynische Fragen stellte, die ein 105-Jähriger nicht mehr durchschaute, versucht man zweifellos, das Leben meines Mannes zu zerstören".

Für sie und ihren Mann, der sich so sehr auf die Feiern zu seinem 105. Geburtstag an diesem Freitag gefreut habe, sei die momentane Situation "eine Katastrophe", sagte die Ehefrau des Schauspielers. "Er ist zurzeit praktisch nicht mehr in der Lage, seine Rolle zu spielen, und würde bei nochmalig auftretenden Bühnenschwierigkeiten aufhören müssen." Heesters spielt noch bis zum 18. Januar in Hamburg den Kaiser Franz Joseph in der Operette "Im weißen Rössl".

Der aus Holland stammende Schauspieler setzt sich zurzeit vor dem Berliner Landgericht gegen Behauptungen zur Wehr, er sei bei einem Besuch zusammen mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters 1941 im KZ Dachau dort auch aufgetreten. Das Urteil soll am 16. Dezember verkündet werden.

DPA
 
 
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