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9. Februar 2009, 22:05 Uhr

Eluana stirbt nach jahrelangem Koma

"Ja, sie hat uns verlassen" - mit diesem Satz ihres Vaters ist der jahrelange Rechtsstreit um das Leben Eluana Englaros zu Ende gegangen. Die 38-Jährige Italienerin lag seit einem Unfall vor 17 Jahren irreversibel im Koma. Trotzdem hatte die Regierung Berlusconi dagegen gekämpft, dass ihre Ärzte Eluana sterben lassen. Letztendlich vergeblich.

Eluana Englaros, Italien, Berlusconi, Sterbehilfe

Nach 17 Jahren im Wachkoma durfte sie endlich sterben: Die Italienerin Eluana Englaro© DPA

Die italienische Koma-Patientin Eluana Englaro, deren Schicksal einen jahrelangen Streit um Sterbehilfe ausgelöst hatte, ist tot. Das teilte am Montagabend das Altersheim in Udine mit, in das die 38-Jährige in der vergangenen Woche zum Sterben gebracht worden war. Die Sterbehilfe für die Frau, die seit 17 Jahren im Wachkoma gelegen hatte, war in Italien bis zuletzt heftig umstritten. Die konservative Regierung von Silvio Berlusconi hatte noch mit einem Gesetz die Sterbehilfe für Englaro verhindern wollen. Auch der Vatikan hatte immer wieder gegen "Euthanasie" argumentiert.

Nachrichtenagenturen meldeten den Tod der 38-Jährigen, während der Senat über einen Gesetzentwurf beriet, mit dem die Fortsetzung der lebenserhaltenden Maßnahmen erzwungen werden sollte. Die Senatoren legten nach der Verkündung der Nachricht eine Schweigeminute ein.

"Ja, sie hat uns verlassen", bestätigte der Vater der Koma-Patientin, der seit Jahren dafür gekämpft hatte, dass die künstliche Ernährung seiner Tochter eingestellt werden konnte. Englaro zufolge hat Eluana kurz vor ihrem eigenen Unfall vor 17 Jahren einen im Koma liegenden Freund im Krankenhaus besucht. Damals habe sie betont, sie wolle niemals auf diese Art und Weise am Leben erhalten werden. Der Vater sagte noch, er wolle jetzt nur allein sein.

In dem Altersheim in Udine war der Sterbehilfeprozess am Freitag eingeleitet worden. Die Mediziner hatten den Tod der 38-Jährigen für die nächsten beiden Wochen vorausgesagt. Eine Autopsie der Leiche ist angeordnet worden.

Die vom höchsten Gericht genehmigten Sterbehilfe-Maßnahmen hatte die Regierung Berlusconi nicht akzeptieren wollen. Berlusconi hatte zunächst versucht, mit einem Eildekret gegen das Abstellen der Geräte vorzugehen. Als Staatspräsident Giorgio Napolitano sich gegen diesen Weg aussprach, brachte der Regierungschef einen Gesetzesentwurf auf den Weg. Dieser sollte bis kommenden Donnerstag abgestimmt sein. Der Regierungschef sprach nun von einem "tiefen Schmerz". Es sei seiner Regierung nicht möglich gewesen, "ein Menschenleben zu retten".

Napolitano hatte sich am Freitag strikt geweigert, das Eildekret der Regierung Berlusconi zu billigen, die damit den Sterbehilfe- Prozess für Englaro in letzter Minute stoppen wollte. Berlusconi brachte daraufhin noch am selben Abend einen Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe aufs Tapet, der jetzt so schnell wie möglich Gesetz werden soll, "um Eluana zu retten", wie die Regierung erklärte.

Oppositionschef Walter Veltroni sprach am Montag von einem "beispiellosen Angriff auf die Verfassung". Der Medienmogul und Ministerpräsident wies diese Kritik zurück: "Ich habe auf die Verfassung geschworen, aber man kann sie ändern."

Eluana war 1992 nach einem Autounfall ins Koma gefallen. Ihr Vater hatte jahrelang vergeblich darum gekämpft, die künstliche Ernährung seiner Tochter zu stoppen. Im vergangenen November hatte dann das oberste italienische Berufungsgericht in letzter Instanz bestätigt, dass die künstliche Ernährung der Frau eingestellt werden könne.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 33)
 
widder1 (11.02.2009, 14:06 Uhr)
Das Problem ist Berlusconi.
Wie „verzweifelt“ müssen die Italienischen Wähler gewesen sein, als sie mehrmals Berlusconi zu ihrem „Demagoge“ gewählt haben. Es gibt wohl keinen besseren „Führer“ für Italien.
Die italienische Öffentlichkeit scheint ihn verdient zu haben…
arniston (11.02.2009, 13:05 Uhr)
berlusconi ?
trauer sowieso,
aber der umgang von dieser impalntierten hässlichkeit
berlusconi zeigt, da ist alles möglich..
tetrapanax (10.02.2009, 21:03 Uhr)
Wenn NUR NOCH Maschinen "Leben erhalten",
ist es m. E. kein Leben mehr.
Von daher finde ich es unverständlich, jemanden über 17 Jahre lang dahinvegetieren zu lassen.
Und die armen Angehörigen müssen sich das "Recht, zu sterben" noch per Gericht erkämpfen!
Schmerzlindernde Maßnahmen - ok, aber wenn jemand ohne Maschinen nicht weiterleben kann, dann ist es m. E. kein Leben. Übrigens weiß ich genau, wovon ich spreche!
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Und als Sahnehäubchen obendrauf macht dann Berlusconi noch sein dümmliches Maul auf...
Zum Glück schwieg der Papst, da er im Moment andere Probleme hat - oder habe ich was verpasst??
guinness.1 (10.02.2009, 19:28 Uhr)
@MarthaMuse - genau meine Meinung, aber......
.... bei der von Ihnen sehr nachdrücklich vertretenen Selbstbestimmung eines Menschen über seine Handlung haben Sie eines vergessen:
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Auch jeder Arzt hat dieses Recht auf Selbstbestimmung. Er kann also für sich entscheiden, ob er Sie sterben lassen will.
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Allerdings: wenn dieser Arzt nicht bereit ist, den Patienten entsprechend seiner Patientenverfügung sterben zu lassen, dann sollte er sich zurückziehen und einem Kollegen das Feld überlassen, der dazu bereit ist.
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Livia008 (10.02.2009, 16:37 Uhr)
@diahel
Sie schreiben: "Ansonsten sollten sie auch keine Antibiotika nehmen bei bakteriellen Infektionen, Tumore nicht bekämpfen, oder irgendeine medizinische Hilfe annehmen.. nach dem Motto Gott hat es so gewollt?? genauso können Sie aufhören zu Essen und zu trinken, oder besser noch warum stillen Sie einen Säugling, der kann ja auch nicht von alleine leben?" - Aber darum geht es hier doch gar nicht.
Vielmehr geht es darum, dass die Medizin die Grenze zwischen Leben und Tod versucht zu eliminieren. Das gelingt ihr nur mit einem immensen Apparateaufwand und nur für einen bestimmten Zeitraum.
Dagegen kann man über Messung der Hirnströme sehr wohl beurteilen, ob jemand tot ist oder nicht - ansonsten dürfte es ja keinerlei Organtransplantationen geben, da auch dort das Abstellen der Maschinen (Ihrer Meinung nach) Mord wäre?
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Menschen sind als Gottes Geschöpfe durch ihren Verstand selbstbestimmte Menschen (im Gegensatz zu den instinktgeleiteten Tieren). Sie haben ein Recht zu leben, aber keine Pflicht. Und wenn das Leben durch einen irreversiblen Hirntod beendet ist, dann hat jeder das Recht in Würde sterben zu dürfen. Oder sollen diese lebenden Toten an ihren Apparaten weitervegetieren, damit andere Menschen sich gut fühlen?
MarthaMuse (10.02.2009, 16:05 Uhr)
Anmaßung
Da wird geschrieben, niemand habe das Recht, sich selber zu töten ( ermorden wurde geschrieben, aber eine Selbsttötung kann kein Mordmerkmal aufweisen); natürlich hat jeder Mensch das Recht, für sich zu entscheiden, ob er sein Leben noch weiterleben möchte oder nicht. Und wenn sich jemand aktiv und erkennbar durchdacht dazu entscheidet, sein Leben beenden zu wollen, ist es eine Anmaßung ohne Gleichen, wenn irgendwer daher kommt und meint, es besser zu wissen. Ich möchte nicht nur deshalb eventuell weiterleben müssen, wenn ich eine entsprechende Entscheidung getroffen habe, weil ein religiös geprägter Mensch mir seine Ansichten aufzwingt und meinen Freitod verhindern will. Ich will nicht leben müssen, weil es einen, vielleicht völlig Fremden, zufrieden macht, mich am Freitod gehindert zu haben. Niemand hat das Recht, für einen anderen zu entscheiden, ob der sterben darf oder leben muss. Ich setze immer voraus, dass sich niemand aus reiner Langeweile selbst tötet. Ich kann akzeptieren, wenn jemand für sich entscheidet, nicht länger leben zu wollen; dafür gibt es so viele Gründe, wie es verschiedene Leben gibt.
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Die Frau, um die es hier geht, hat sich nicht selbst getötet, sie wurde bei einem Unfall vor 17 Jahren getötet, nur ist das bei Ärzten nicht angekommen. Man hat sie beatmet und ernährt, ohne jegliche Rücksicht auf einen eigenen Willen. Welche Anmaßung steckt dahinter? Da entscheiden Menschen, dass ein bereits toter Mensch weiterzuleben hat, weil es technisch möglich ist, den Körper so aussehen zu lassen, als lebe er noch. Die in einem vorherigen Beitrag geäußerte Ansicht, die Frau sei die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein gewesen, ist reine sensationsgierige Behauptung, und ich habe noch nirgendwo gelesen, dass es auch nur irgendwelche kleinen Hinweise auf Hirntätigkeit bei der Frau gegeben hat.
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Dass feine Herr Berlusconi sich da einmischt, wundert keinen wirklich; nach den Wahlen ist auch in Italien immer vor den Wahlen.
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Zu den Patientenverfügungen muss man sehr deutlich sagen, dass kein Arzt gezwungen ist, sich an diese zu halten. Man muss dieses Verfügungen rechtlich sehr genau abprüfen lassen, um weitgehend auszuschließen, dass sie missachtet werden. Aber dennoch kann es passieren, dass ein Arzt, der den Patienten vielleicht nie gekannt hat, als der noch bei Bewusstsein war, trotzdem der Ansicht ist, besser beurteilen zu können, was der Patient will, als der Patient selber. Gern berufen sich Ärzte dann darauf, dass es nun mal ihre Pflicht ist, Leben zu retten; nur ist oft deren Definition von Leben völlig anders als die des Patienten. Leben ist für mich nicht Leben, wenn jemand nur mit Maschinen atmet und mit Schläuchen ernährt wird, und ansonsten keinerlei körperliche oder geistige Regungen mehr zeigen kann. Wenn man seine Verwandten davor schützen möchte, sich mit Ärzten darüber streiten zu müssen, ob der Patient nun sterben darf oder nicht, sollte sich mit solchen Verfügungen auseinandersetzen, auch wenn der eigene Tod ein Tabu ist.
diahel (10.02.2009, 16:02 Uhr)
@
Zunächst weiß niemand ob ein Patient aus einem Koma nicht wieder erwacht. Aus dem selben Grund ist es richtig am Anfang der Situation die Entscheidung für eine Gerätemedizin zu treffen. Ansonsten sollten sie auch keine Antibiotika nehmen bei bakteriellen Infektionen, Tumore nicht bekämpfen, oder irgendeine medizinische Hilfe annehmen.. nach dem Motto Gott hat es so gewollt?? genauso können Sie aufhören zu Essen und zu trinken, oder besser noch warum stillen Sie einen Säugling, der kann ja auch nicht von alleine leben? und würde sicherlich auch nach 1-2 Tagen unter Krampfanfällen sterben,sobald er genug dehydriert ist und die Azidose in seinem Körper fortgeschritten ist. Ich spreche weiterhin niemanden das Recht ab seine Entscheidungen zu treffen, wie er will, aber trotzdem sich selbst zu ermorden, sowie andere zu ermorden ist falsch. Niemand hat das recht Leben zu nehmen, also zu morden, denn niemand hat sich selber das Leben gegeben. Solange wir nicht beurteilen können, ob jemand definitiv tot ist, lebt er. Ich möchte hier niemand bekehren oder zu nahe treten, sondern äußere meine Meinung. Sie tun mit ihrem Leben was sie für richtig halten. Dennoch Mord bleibt Mord. Warum gehen wir alle davon aus, dass unser Leben, also das was den Körper belebt uns gehört? Naja wer darwinistisch denkt lebt und stirbt auch darwinistisch. Wünschen Ihnen alles Gute mit "Ihrem" Leben.
binausgold (10.02.2009, 14:12 Uhr)
@diahel
...und wer gibt dir das recht einen menschen 17 jahre künstlich am leben zu erhalten und ihm sein sterben zu verweigern?
sind wir doch mal ehrlich....nur weil es maschinen gibt, die sie beatmet und gefüttert haben, konnte sie "leben". sie selbst hat körperlich dazu doch gar nicht die kraft gehabt.
und wenn die eigene körperliche kraft das leben nicht mehr erhalten kann, dann spricht man von einem natürlichen sterbeprozeß. so einfach ist das...
...und was es daran nicht zu verstehen gibt, erschließt sich mir nicht.
Livia008 (10.02.2009, 13:38 Uhr)
So - Diahel - jetzt erwarte ich Ihre Antwort!
Auch wenn Sie ziemlich allein sind mit Ihrer extremen Position, hier hat eigentlich jeder sehr sachlich diskutiert und ist nicht persönlich diffamierend geworden (wie so oft im Net). Alles das ist dem ernsten Thema angemessen.
Nun Diahel, FALLS Sie noch Gegenargumente haben: dann antworten Sie!
Josh67 (10.02.2009, 12:01 Uhr)
diahel
Zitat"jeder hat die freie Entscheidung für seine Taten, d.h. aber noch nicht, dass es richtig ist, was er tut. Ich bleibe dabei. Niemand hat das Recht sich selbst zu ermorden."
Wie kommen Sie darauf das niemand das Recht hat sich sein Leben zu nehmen?
Wee hat denn Recht darauf?
Etwa ein Gott? Der Uns dann für unsere schlechten Taten bestraft?
Also wenn Sie selbst sich das Recht darauf verwehren wollen ist das alleine Ihre Sache, aber lassen Sie bitte anderen Menschen Ihre eigene Entscheidung über Ihren eigenen Körper und Geist und der Seele!
Ausserdem was bitte ist richtig und falsch? Wollen SIE das beurteilen???
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