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Eluana Englaro: Gesetz soll Koma-Patientin retten

Der italienische Senat will an diesem Montag über das Schicksal der Koma-Patientin Eluana Englaro beraten. Den Senatoren liegt eine Notverordnung des konservativen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi vor, der damit eine Fortsetzung der lebenserhaltenden Maßnahmen erzwingen will.

Der Streit um die bereits eingeleitete Sterbehilfe für die seit 17 Jahren im Wachkoma liegende Italienerin Eluana Englaro spitzt sich zu. Die Regierung Silvio Berlusconi hat Staatspräsident Giorgio Napolitano offen die Stirn geboten: Sie wollte noch am Montagabend im Eiltempo einen Gesetzesentwurf durch den Senat pauken, um ihren Tod zu verhindern. Napolitano hatte sich am Freitag geweigert, ein Dekret der Regierung zu billigen, die damit den Sterbehilfe-Prozess in letzter Minute stoppen wollte.

Ministerpräsident Berlusconi brachte daraufhin noch am selben Abend einen Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe aufs Tapet, der jetzt so schnell wie möglich Gesetz werden soll, "um Eluana zu retten", wie die Regierung erklärte. Berlusconi hofft, dass das Gesetz spätestens bis zum Donnerstag auch von der Abgeordnetenkammer verabschiedet wird. Ob das Parlament den Entwurf billigen wird, war unklar. Zwar hat die Regierung Mehrheiten in beiden Kammern. Aber unter den Parlamentariern gibt es nicht nur bei der Opposition Unmut über Berlusconis Vorgehen.

Oppositionschef Walter Veltroni sprach am Montag von einem "beispiellosen Angriff auf die Verfassung". Der Medienmogul und Ministerpräsident wies diese Kritik zurück: "Ich habe auf die Verfassung geschworen, aber man kann sie ändern."

Die Koma-Patientin war vorige Woche aus einer Klinik in ein Altersheim in Udine gebracht worden. Dort war der Sterbehilfeprozess am Freitag eingeleitet worden. Sollten die Geräte der 38-Jährigen nicht wieder angeschaltet werden, könnte sie im Laufe der nächsten zwei Wochen sterben, prognostizierten Mediziner am Sonntag.

Eluana war 1992 nach einem Autounfall ins Koma gefallen. Ihr Vater Beppino Englaro hatte jahrelang vergeblich darum gekämpft, die künstliche Ernährung seiner Tochter zu stoppen. Der Vatikan hatte immer wieder dagegen protestiert. Im vorigen November hatte das oberste italienische Berufungsgericht in letzter Instanz bestätigt, dass die künstliche Ernährung der Frau eingestellt werden könne.

Der Vater der 38-Jährigen hatte am Sonntag Bedauern über die Intervention der Regierung und der katholischen Kirche geäußert. "Die Kirche kann sagen, was sie will, ich argumentiere nicht gegen sie, aber hier liegen die Dinge jenseits ihrer Kontrolle", wurde Englaro von der spanischen Zeitung "El Pais" zitiert.

Englaro lud Berlusconi und Napolitano ein, die Koma-Patientin in ihrer Privatklinik in Udine zu besuchen. Erst dann könnten sie sich ein Bild von ihrem wahren Zustand machen, hieß es. Berlusconi hatte zuvor erklärt, Eluana könne sich immer noch erholen und sei theoretisch sogar in der Lage, Kinder zu bekommen. Am Wochenende waren in Italien Gegner und Befürworter einer Sterbehilfe auf die Straßen gegangen.

DPA/AP / AP / DPA