Stammzellenforscher teilen sich Medizin-Nobelpreis

8. Oktober 2012, 11:26 Uhr

John Gurdon und Shinya Yamanaka erhalten gemeinsam die begehrteste Auszeichnung für Mediziner. Die Forscher haben entdeckt, wie man erwachsene Körperzellen in embryonale zurückverwandelt.

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Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an John Gurdon aus Großbritannien und Shinya Yamanaka (Japan) für die Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den embryonalen Zustand. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

Den Preisträgern gelang eine der erstaunlichsten Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte. 2006 berichtete Yamanaka, dass sich Zellen aus dem erwachsenen Körper mit genetischen Tricks in Stammzellen zurückverwandeln lassen, die jenen aus dem Embryo weitestgehend gleichen. Gurdon hatte die Grundlagen dazu geschaffen.

Neue Zellen haben riesiges Potenzial

Viele Forscher auf der ganzen Welt hoffen, dass sich aus diesen sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) eines Tages Ersatzgewebe oder -organe erschaffen lassen, die vom Empfänger nicht abgestoßen werden, weil sie aus ihrem eigenen Körper stammen. In den vergangenen Jahren wurden die sehr entwicklungsfähigen iPS-Zellen tatsächlich bereits in viele andere Zelltypen gewandelt. Und, mehr noch: Sogar lebensfähige Mäuse wurden daraus geschaffen.

"Die beiden Preisträger haben völlig neue Felder für die Entwicklung von medizinischen Präparaten eröffnet", sagte Thomas Perlmann vom Nobelkomitee am Montag. Sein Kollege Urban Lendahl vom Komitee ergänzte: "Es ist noch zu früh zu sagen, wann die Erkenntnisse in der Zelltherapie umgesetzt werden können. Dank ihrer Arbeit wissen wir jetzt, dass die Zellentwicklung keine Einbahnstraße ist."

Genau diese Erkenntnis, dass erwachsene Zellen durch einen molekularen Jungbrunnen gehen können, war 2006 eine große Sensation. Nur sechs Jahre nach der entscheidenden Publikation hat das Nobelkomitee am Montag auch das riesige Potenzial der neuen Zellen ausgezeichnet.

Verkündung der Preisträger live im Internet

Im vergangenen Jahr waren Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (Frankreich) für ihre Arbeiten zur angeborenen Immunität ausgezeichnet worden, sowie Ralph Steinman aus Kanada für die Entdeckung der dendritischen Zellen, die das Immunsystem aktivieren. Steinman war kurz zuvor an Krebs gestorben, ihm wurde der Preis aber posthum dennoch zuerkannt.

Die Verkündung der Nobelpreisträger kann live im Internet verfolgt werden. Mehr zu den Geehrten und ihren Entdeckungen berichtet die Nobelstiftung auch auf Twitterund Facebook. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt.

Finanzkrise trifft auch Nobelpreisträger

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. In diesem Jahr machte der Nobelpreis schon vor seiner Verleihung Schlagzeilen. Der Grund: Wegen der Krise gibt es in diesem Jahr für die Preisträger 20 Prozent weniger Geld. Statt der bisher üblichen zehn Millionen Kronen können sie nur noch acht mit nach Hause nehmen (umgerechnet etwa 940.000 Euro statt 1,2 Millionen Euro). Die Jury ist dennoch überzeugt: Dem Ansehen des Preises schade das nicht, Preisträger wären vielmehr sogar bereit, noch Geld dafür zu zahlen.

lin/DPA
 
 
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