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9. November 2010, 16:44 Uhr

Bush rechnet mit Schröder ab

Er fühlte sich von Gerhard Schröder vor dem Irak-Krieg getäuscht: George W. Bush hat seine Memoiren veröffentlicht und rechnet darin mit dem ehemaligen Bundeskanzler ab. Der kontert: Bush sage nicht die Wahrheit.

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Gut gelaunt: Ex-US-Präsident Bush beim Signieren seiner Memoiren© Tom Pennington/AFP

Der frühere US-Präsident George W. Bush hat in seinen Memoiren Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) scharf kritisiert. Er habe sich im Vorfeld des Irak-Kriegs von Schröder getäuscht und von Mitgliedern der Bundesregierung beleidigt gefühlt, schreibt Bush in seinem gerade erschienen Buch "Decision Points" ("Entscheidungspunkte"). Das Zerwürfnis über den Irak-Krieg habe sein Verhältnis zu Schröder zerrüttet.

"Ich schätze persönliche Diplomatie und lege viel Wert auf Vertrauen", schreibt Bush - und fährt mit Blick auf Schröder fort: "Als dieses Vertrauen verletzt wurde, war es schwierig, noch einmal eine konstruktive Beziehung zu haben." Schröder sei "einer der am schwierigsten zu durchschauenden Staatsmänner" gewesen, mit denen er als Präsident zu tun hatte.

Bush fühlte sich von Schröder getäuscht

Der frühere US-Präsident George W. Bush rechnet in seinem Memoiren mit dem ehemaligen Bundeskanzler Gerahrd Schröder ab. Bush schreibt in seinem Buch, Schröder habe ihm bei einem Treffen im kleinen Kreis im Weißen Haus am 31. Januar 2002 die volle Unterstützung für die Irak-Politik zugesagt. Er habe dem Kanzler bei dem Gespräch klar gemacht, dass er als letzte Option auch mit militärischer Gewalt gegen Iraks Machthaber Saddam Hussein vorgehen würde, schreibt Bush.

Schröder habe daraufhin geantwortet: "Was für Afghanistan richtig ist, ist auch für den Irak richtig. Nationen, die den Terrorismus unterstützen, müssen mit Konsequenzen rechnen. Wenn Sie es schnell und entschieden erledigen, dann bin ich mit Ihnen." Bush fährt fort: "Dies habe ich als Erklärung der Unterstützung aufgenommen."

Bush wirft dem damaligen Kanzler vor, einige Monate später im deutschen Bundestagswahlkampf von der Zusage abgerückt zu sein. "Als die Wahlen in Deutschland bevorstanden, hatte Schröder plötzlich einen anderen Dreh", schreibt Bush. Schröder habe öffentlich gegen eine Invasion im Irak mobil gemacht.

Schröder dementiert die Vorwürfe

Schröder hat Bushs Vorwurf inzwischen zurückgewiesen: "Der frühere amerikanische Präsident Bush sagt nicht die Wahrheit", erklärte Schröder. Es habe das Gespräch im Weißen Haus zwar gegeben, jedoch sei es um die Frage gegangen sei, ob die Terroristen, die für die Anschläge des 11. September 2001 in den USA verantwortlich waren, von Saddam Hussein unterstützt würden. "Wie auch bei meinen späteren Treffen mit dem US-Präsidenten habe ich damals deutlich gemacht, dass Deutschland, sollte sich der Irak wie zuvor Afghanistan tatsächlich als Schutzraum und Zufluchtsort für Al-Qaida-Kämpfer erweisen, zuverlässig an der Seite der USA stehen würde", heißt es in der Erklärung.

Als besonders beleidigend hat Bush weiterhin Äußerungen der damaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) empfunden, die Bush im Wahlkampf in die Nähe von Hitler gerückt hatte. "Ich war schockiert und wütend", erinnert sich Bush. "Man kann sich kaum etwas Beleidigenderes vorstellen, als von einem deutschen Regierungsvertreter mit Hitler verglichen zu werden." Danach habe er seine Kontakte zu Schröder auf das Nötigste reduziert.

Achse zwischen Schröder, Chirac und Putin

Bush wirft Schröder außerdem vor, gemeinsam mit dem damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac und Russlands Staatschef Wladimir Putin eine Achse gebildet zu haben, "um dem Einfluss Amerikas entgegenzuwirken". Als Gegenleistung hätten Schröder und Chirac dann Putins zunehmend autoritäre Machtausübung verteidigen müssen.

Bei einem G-8-Gipfeltreffen in St. Petersburg habe Chirac bei einem Abendessen der Staats- und Regierungschefs Putin gegen Kritik in Schutz genommen. "Und das war noch nichts im Vergleich zu dem, was Schröder gemacht hat", fährt Bush fort. "Kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde der deutsche Bundeskanzler Chef eines Unternehmens, das dem staatlichen russischen Energiegiganten Gazprom gehört", kritisiert Bush. Schröder ist Aufsichtsratschef des Betreiber-Konsortiums der geplanten Unterwasser-Pipeline durch die Ostsee von Russland nach Deutschland.

be/AFP
 
 
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