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25. März 2009, 13:39 Uhr

"Ich habe mich nur gewehrt"

Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht: Vergangenen Herbst fand die Polizei drei Leichen in einer Kleingartenanlage, schnell fiel der Verdacht auf Rentner Wilfried R. Der gab nun vor Gericht zu, die drei benachbarten Kleingärtner getötet zu haben. Die Verantwortung für seine Tat will er trotzdem nicht übernehmen.

Gifhorn, Rentner, Kleingarten, Mord, Prozess

Der Angeklagte Wilfried R. behauptet, seine Gartennachbarn aus Notwehr getötet zu haben© David Hecker/DDP

Der Schock war groß, als im vergangenen September drei Kleingärtner im niedersächsischen Gifhorn brutal erschlagen aufgefunden wurden. Der Rentner Wilfried R. hat nun vor Gericht gestanden, seine drei Nachbarn in einer Laubenkolonie mit einem Eichenknüppel getötet zu haben. Dabei bestritt der Angeklagte aber, die Familie mit Absicht getötet zu haben: "Die drei haben mich angegriffen und ich habe mich mit dem Stock nur gewehrt." Er habe nicht geglaubt, dass die drei sterben könnten. "Ich dachte, sie stehen wieder auf und haben nur Kopfschmerzen." Nach dem Obduktionsbericht muss der Mann jedoch mit rasender Wut auf seine Opfer eingeschlagen haben. Die Frau sei derart zugerichtet gewesen, dass sie nicht sofort einwandfrei identifiziert werden konnte. Auch ihr Sohn hatte nach Angaben des Richters mehrere massive Schädelbrüche erlitten. Ein Spaziergänger hatte die blutüberströmten Leichen entdeckt.

"Der Angeklagte hat sich in einem Gebüsch auf die Lauer gelegt, um seine Gartennachbarn auf frischer Tat zu ertappen, wie sie Gartenabfälle unrechtmäßig entsorgen", sagte Staatsanwalt Wolfgang Scholz. Als der 33-jährige Sohn das Gebüsch mit einer Schubkarre passiert habe, seien zunächst nur Worte gefallen. Mit dem zuvor in der Hose versteckten 80 Zentimeter langen Eichenknüppel habe der ehemalige Automobilarbeiter dem Mann dann auf Kopf und Hals geschlagen. Nach der Schilderung des Staatsanwalts konnte sich der Schwerverletzte noch 20 Meter weit schleppen und brach dort unter weiteren Knüppelschlägen auf den Hinterkopf zusammen. Die 59-jährige Mutter und der 64-jährige Vater des Mannes seien wegen der Hilferufe ihres Sohnes sofort herbeigeeilt, sagte Scholz. Auch ihnen habe Wilfried R. mehrere Schläge gegen Kopf und Hals versetzt. Alle drei Opfer hätten noch mindestens 20 Minuten gelebt und seien an den Folgen der Kopfverletzungen gestorben.

Nach der Tat war der Rentner zwei Tage lang auf der Flucht. Auf einem vier Kilometer vom Tatort entfernten Acker verbrachte er eine Nacht unter Strohballen. Als ihn ein Landwirt entdeckte, nahm die Polizei den Rentner fest.

Wildes Parken treibt R. zur Weißglut

"Ich kenne die Familie etwa 30 Jahre. Anfangs hatten wir ein gutes Verhältnis", sagte der Angeklagte vor Gericht. Die Opfer waren zunächst Pächter eines Grundstücks von ihm. Dann habe es aber immer wieder Streit gegeben: Mal um mangelnde Sauberkeit oder wildes Parken, dann um das unrechtmäßige Wegwerfen von Gartenabfällen oder die Kaninchenhaltung der Nachbarn. Auch unklare Grenzen des Gartengeländes sorgten für Auseinandersetzungen. Als Anfang 2005 mehrere Lauben abbrannten, darunter auch die mit den Kaninchen der später ermordeten Familie, hatte diese genug: Sie mietete ein neues Grundstück, das nicht mehr dem Angeklagten gehörte.

In dem Prozess treten die beiden anderen Söhne des getöteten Paares als Nebenkläger auf. "Mein Mandant hat innerhalb weniger Minuten seine halbe Familie wegen eines nichtigen Anlasses verloren. Er leidet noch immer darunter", sagte der Anwalt des jüngsten Sohnes am Mittwoch. Beide Männer treten im April als Zeugen auf, mit einem Urteil wird nicht vor Anfang Mai gerechnet.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Blacky007 (25.03.2009, 19:49 Uhr)
@utasieg
"einfache Menschen"?
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Wer bitte macht es sich denn "einfach", wenn man sofort nach einem Verbot schreit? Das sind wohl Politker und die ganzen Möchtegern-Experten! Solche Fälle eigenen sich dann eben bestens dafür aufzuzeigen, dass brutale Gewalt nicht so einfach auf die Schuld von PC-Spielen zu schieben ist, wie es unsere Politiker eben gerne hätten und wie es die große Mehrheit der Unwissenden dann gerne glaubt, NUR weil es eben in den Medien steht!
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Man kann mit aller Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dieser alte Mann wohl eher nicht Counterstrike oder einen sonstigen Shooter gespielt hat und er dennoch mit brutalster Gewalt mal eben 3 Menschen das Leben genommen hat.
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Als Verfechter solcher Spiele verwehre ich mich strikt gegen diese einfache Aburteilung, alle Shooter-Gamer sind blöd, verkifft, gefühlos und brutal. Hier wird dank der Medien ein Bild gezeichnet, gegen das ich mich wehre und darauf hinweise, wann immer es die Möglichkeit dazu gibt.
Eisenbaer (25.03.2009, 19:43 Uhr)
So sind sie. viele unserer deutschen Mitbürger....
...erst mal kurz ein paar Mitmenschen totschlagen und dann den Staat um Hilfe bitten, damit nicht noch andere Mitbürger die gleichen Verbrechen gegenüber dem Totschläger begehen, als da wären: illegales Laubentsorgen oder Falschparken.

Und hinterher auch noch empört sein, weil die Übeltäter ja doch nur ihre gerechte Strafe für ihre widerlichen Missetaten erhalten haben.

Der "Verdrängungsmechanismus" des Täters muss ja wirklich recht ausgeprägt sein und sein Ego kann eigentlich nicht von dieser Welt sein. Ich sag´s ungern, aber eine Sicherheitsverwahrung macht hier wohl wirklich Sinn.
utasieg (25.03.2009, 19:22 Uhr)
Wenn ich diese Kommentare hier lese
dann ist mir klar:
Der liebe Gott hat die etwas einfachen Menschen sehr geliebt, denn er so viele davon gemacht.
-Peter- (25.03.2009, 18:54 Uhr)
....aber alle Internetseiten,
auf denen ein Eichenknüppel zu sehen ist, werden demnächst ausgefiltert!
Malt (25.03.2009, 18:10 Uhr)
Ja komisch, ne?
Es ist auch weit und breit keiner zu sehen, der ein generelles Verbot von Eichenknüppeln fordert... oder strengere Kontrollen in Kleingartenanlagen (hier steht jede Woche was in der Zeitung, dass sich dort unter Alkoholeinfluss geprügelt wurde, jemand mit der Axt auf den Nachbarn los gegangen ist etc.)... geschweige denn, das jetzt plötzlich alle Kleingärtner/Rentner als potentielle Mörder gehandelt werden. Manchmal kann man einfach nur staunen...
Blacky007 (25.03.2009, 17:30 Uhr)
@Malt
Ähnliches ist mir auch durch den Kopf gegangen, sowohl in diesem Fall, wie beim heutigen Prozess in Darmstadt. Gewalt zieht sich durch alle Schichten, durch alle Bildungsniveaus und durch jedes Alter. Aber es ist ja so einfach, alles auf das Genre einer handvoll PC-Spiele zu schieben, ob es Sinn macht oder nicht.
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Dumm ist nur, das die breite Masse es leider immer wieder annimmt ohne groß nachzudenken.
Malt (25.03.2009, 16:48 Uhr)
Hmmmm....
...mich würde ja interessieren, welche "Killerspiele" der Rentner so gespielt hat. Kann man ja kaum glauben, dass jemand zu solcher Gewalt (wehrlose, bereits am Boden liegende Menschen mit einem Knüppel zu Tode zu prügeln... und dann noch bei 3 Personen hintereinander!) ohne jeglichen medialen Einfluss tendiert ^^ ... hat man seinen Rechner denn auch ordentlich untersucht? Was, er hatte gar keinen Computer? Dann ist es doch eigentlich unmöglich, dass jemand zum Mörder wird... tststs
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