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22. November 2008, 20:14 Uhr
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Mann tötet Ehefrau und Schwiegermutter

Nicht zu fassen, was am Samstagmorgen in Osnabrück passierte: Ein Mann rast mit einem Auto mitten in sein Wohnzimmer. Er bringt seine Frau und seine Schwiegermutter um. Dann kann er festgenommen werden. Jetzt ist er in der Psychiatrie - und zwei kleine Kinder haben keine Mutter mehr.

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Mit voller Wucht raste der Amokläufer mit einem Auto in sein Haus - und tötete seine Frau und seine Schwiegermutter© Friso Gentsch/DPA

Es ist ein Bild des Grauens, das so gar nicht zu der ordentlichen Reihenhaussiedlung im Osnabrücker Stadtteil Schölerberg passen will. Ein grauer, komplett zerstörter Kombi steht in dem ausgebrannten Wohnzimmer des kleinen braungeklinkerten Hauses. Um kurz vor sechs am Samstagmorgen kommt es dort zu der Tragödie: Ein 33 Jahre alter Mann rast mit einem Auto durch den Vorgarten, über die Terrasse durch eine riesige Fensterscheibe in das Wohnzimmer. Anschließend legt er Feuer in dem Haus und sticht auf seine 32 Jahre alte Frau und seine 53 Jahre alte Schwiegermutter ein. Beide Frauen sterben an den Verletzungen. In der Nachbarschaft sorgt die Tat für Entsetzen. "Oh, mein Gott, was für eine Tragödie", sagt eine ältere Dame, die in der Nähe wohnt. Sie wirkt völlig fassungslos. Dann eilt sie durch den leise rieselnden Schnee davon. Nur wenige Passanten sind am Vormittag in der kleinen Siedlung unterwegs. Und wer sich dem mit rotweißem Flatterband weiträumig abgesperrten Tatort nähert, wird von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks freundlich gebeten, einen anderen Weg einzuschlagen. In dem kleinen Garten des Hauses sieht es aus wie nach einem Sturm: herumliegende Mülltonnen, aufgewühlter Rasen, Scherben. Das Erdgeschoss ist völlig ausgebrannt.

Er drohte mit Selbstmord

Der mutmaßliche Täter, der sich bei dem Feuers selbst schwer verletzt hat, taumelt den eintreffenden Polizeibeamten noch in die Arme. "Eine Nachbarin stand um 5.55 Uhr auf ihrem Balkon, weil sie eine Zigarette rauchen wollte", schildert der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer, die Vorgänge. Dabei beobachtete sie, wie der Amokfahrer den Gartenzaun durchbrach und mit dem Wagen in das Wohnzimmer raste. "Die Zeugin verständigte sofort die Polizei."

Besonders dramatisch: Im Haus schliefen auch die beiden ein und drei Jahre alten Töchter des Paares. Feuerwehrmänner retteten sie aus dem brennenden und stark verqualmten Haus. "Sie sind erst wach geworden, als die Feuerwehrleute vor dem Bett standen. Dabei haben sie sich sehr erschrocken", schilderte Retemeyer. Was aus ihnen wird, stand am Samstagabend noch nicht fest. Das Jugendamt sei eingeschaltet worden. "Sie haben fast ihre ganze Familie verloren", sagte der Staatsanwalt. Ihr Großvater, der sich selbst aus dem brennenden Haus retten konnte, werde ihnen zunächst keine Hilfe sein. Auch er erlitt Verletzungen und stand unter Schock.

Der mutmaßliche Täter wurde mit lebensbedrohlichen Brandverletzungen in ein Dortmunder Krankenhaus gebracht. Er lag zunächst im Koma. Nach ersten Erkenntnissen der 20-köpfigen Mordkommission war der Mann seit längerem psychisch krank. Das aus Osnabrück stammende Ehepaar war vor einigen Jahren ins bayerische Landshut gezogen. Dort sei es immer wieder zu Streit zwischen den beiden gekommen, berichteten die Ermittler. Die junge Frau habe sich häufig zeitweise von ihrem Mann getrennt. Nachdem sie im vergangenen Dezember ihren Mann verlassen hatte und vorübergehend zu ihren Eltern nach Osnabrück zog, drohte ihr Mann mit Selbstmord. Dann aber sei er von sich aus zur Behandlung in eine psychiatrische Klinik gegangen, sagte Retemeyer.

Am Mittwoch vergangener Woche verließ die 32-Jährige gemeinsam mit den beiden ein und drei Jahren alten Töchtern ihren Mann erneut und reiste zu ihren Eltern. Einen Tag später stand auch er vor der Tür des Osnabrücker Hauses. Seine Frau schickte ihn weg und rief die Polizei. Die Beamten trafen den 33-Jährigen bei dieser Gelegenheit zwar nicht mehr an. Die Frau erzählte ihnen aber, ihr Mann sei psychisch krank und wolle sich nicht helfen lassen.

Sven Lampe und Elmar Stephan/DPA

KOMMENTARE (4 von 4)
 
bob-der-meister (23.11.2008, 11:13 Uhr)
@schwaebin
Mein Kommentar sollte keine Behördenschelte sein.
Die Mitarbeiter können ja oft gar nichts tun, teils wegen Überlastung und teils weil ihnen schlicht die rechtliche Handhabe fehlt.
Zum Thema Suizid: Es ist zwar richtig, dass es ist keine Straftat ist, sich das Leben zu nehmen. Dennoch denke ich, dass suizidgefährdete Menschen zu häufig alleingelassen werden.
Die Inanspruchnahme psychologischer bzw. psychiatrischer Hilfe, selbst in Krisensituationen, gilt als gesellschaftlicher Makel.
Allein die Verhinderung eines vermeidbaren, möglicherweise drohenden Suizids, zumal dann, wenn dieser explizit angedroht wurde, wäre für meine Begriffe schon ein Grund, eine vorübergehende Unterbringung anzuordnen.
Da sich solche Tragödien leider inzwischen fast wöchentlich ereignen, ist zudem ja auch unmittelbare Gefährdung für das Leben weiterer Menschen gegeben. Ich fände es tragisch, sich einfach damit abzufinden, dass sich solche Tragödien nicht verhindern lassen.
Schwaebin (23.11.2008, 10:45 Uhr)
@Bob-der-Meister
Was hätten denn die Behörden machen sollen? Es lag ja anscheinend keine Anzeige von Seiten der Ehefrau vor.
Und Selbstmord ist bekanntlich keine Straftat. Solche Tragödien passieren immer wieder und werden sich auch in Zukunft nicht verhindern lassen, traurig aber wahr. Bitte nicht immer gleich auf die Behörden schimpfen.
bob-der-meister (23.11.2008, 10:37 Uhr)
Warnsignale übersehen
Wie kann es sein, dass so viele offensichtlich Warnsignale übersehen wurden?
Der Mann ist offensichtlich psychisch erkrankt und darüber hinaus in einer erheblichen familiären Krisensituation. Er war bereits wegen Suizidgedanken und -drohungen in psychiatrischer Behandlung.
Die Polizei war ebenfalls alarmiert worden und konnte nichts tun.
Hat denn niemand die Gefahr erkannt, die in dieser Konstellation drohte?
Fassungslos steht man immer wieder davor, wie Behörden in Kenntnis solcher Gefahren nichts unternehmen (können?).
Inteliewengzbestie (23.11.2008, 01:26 Uhr)
Nicht zu fassen
Nicht zu fassen, dass Stern Floskeln wie "nicht zu fassen" benutzt im Artikel benutzt und sich somit der Bildzeitung sprachlich immer mehr annähert.
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