Ungeborenes im Mutterbauch totgetreten

30. Januar 2006, 19:06 Uhr

Der Angeklate hat gleich zum Prozess-Auftakt ein Geständnis abgelegt: Er habe seiner im achten Monat schwangeren Freundin mehrfach in den Bauch getreten. Der Grund: "Das Kind musste weg."

Das Opfer Alina (Mi.), die als Nebenklägerin auftritt, wartet mit ihrer Anwältin und einer Opferbetreuerin auf den Prozessbeginn©

Zum Auftakt des Prozesses um den gewaltsamen Tod eines ungeborenen Babys vor dem Lübecker Landgericht hat der Angeklagte am Montag ein Geständnis abgelegt. Er habe seiner im achten Monat schwangeren Freundin mehrfach in den Bauch getreten, so dass sie ihr Kind verlor, sagte der 18-Jährige aus Ahrensburg (Kreis Stormarn) in Schleswig-Holstein. Er habe Angst gehabt, dass sein Vater ihn sonst verstoßen würde, sagte der aus einer streng muslimischen Familie stammende Angeklagte.

Ex-Freundin ist Nebenklägerin

Die Atmosphäre im Gerichtssaal ist gespannt. Als der Angeklagte, ein schlanker junger Mann mit schwarzem Haar und Oberlippenbärtchen, hereingeführt wird, verbirgt seine Ex-Freundin ihr Gesicht in den Händen. Die 18-Jährige sitzt ihm als Nebenklägerin gegenüber. Zunächst weichen die beiden jungen Menschen einander mit ihren Blicken aus, doch bald schaut die junge Frau immer wieder zu ihrem Ex-Freund hinüber. Während seiner Aussage hängt sie geradezu an seinen Lippen, so als suche sie nach einer Erklärung für die scheckliche Tat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 18-Jährigen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und Schwangerschaftsabbruch in einem besonders schweren Fall vor.

"Es tut mit Leid. Ich weiß, das man so etwas nicht entschuldigen kann", beginnt der Angeklagte seine Aussage. Dann erzählt er, wie er die hübsche junge Frau mit den langen dunklen Locken in einer Discothek kennen gelernt hat. Als sie ungewollt schwanger wurde, habe er auf Abtreibung gedrungen. "Ich fühlte mich zu jung für ein Kind, hatte Angst vor der Verantwortung und vor meiner Familie", sagt er. Sein Vater, der von seiner Freundin nichts wusste, hätte eine Beziehung zu einer Christin nie geduldet und ihn verstoßen, wenn er von dem Kind erfahren hätte, sagte der Angeklagte. Als seine Freundin sich weigerte abzutreiben, habe er beschlossen, dass das Kind nicht zur Welt kommen dürfe.

Keine Beziehung zu einer Christin

In den Morgenstunden des 19. August 2005 hatte er seine Freundin angerufen und sie gebeten, zu ihm zu kommen. Dann maskierte er sich mit einer Sturmhaube, lauerte der hochschwangeren Frau in der Nähe seiner Wohnung auf. Er riss sie zu Boden und trat ihr nach seinen Angaben zwei- bis drei Mal gezielt in den Bauch. Die 18-Jährige erlitt lebensgefährliche innere Blutungen und konnte nur mit einer Notoperation gerettet werden. Das Kind kam tot zur Welt.

"Ich glaubte, meinen Freund zu erkennen, als er auf mich zustürmte. Aber ich dachte, ich müsse mich irren, weil er zu so etwas nicht fähig ist", sagte die junge Frau vor Gericht. Sie berichtete von dem Auf und Ab in der Beziehung der beiden und auch, dass er immer wieder gesagt habe, sein Vater würde ihn verstoßen. "Ich habe das aber nicht geglaubt. Er ist doch ihr Sohn und sie lieben ihn", sagte sie.

Vater bestätigte Befürchtung des Sohnes

Der Vater des Angeklagten ließ in seiner Zeugenaussage jedoch keinen Zweifel daran, dass die Befürchtungen seines Sohnes begründet waren. "Wenn einer meiner drei Söhne eine Christin heiraten würde, müsste er ausziehen und dürfte nie wieder kommen", sagte der 47- jährige Mazedonier. Sein ältester Sohn bekräftigte, so etwas sei wie ein ungeschriebenes Gesetz in der Familie. "Ich habe meinem Bruder gesagt, er solle das mit der Schwangerschaft klären. Was passiert ist, tut mir Leid, aber mehr kann man nicht tun", sagte der 23-Jährige achselzuckend. Der Prozess wird fortgesetzt.

Panorama
Spende sucht soziale Helden
Aktion Deutschlands Herzschlag: Hier können Sie sich bewerben! Aktion Deutschlands Herzschlag Hier können Sie sich bewerben!
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?