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3. März 2010, 08:45 Uhr

Weitere Politiker im Visier von CMK

Wulff, Oettinger, Tiefensee: CMK nahm noch mehr Politiker ins Visier als bislang bekannt. Nach stern-Recherchen bot die Agentur zudem einem Industriellen ihre Dienste im Fall Lafontaine an.

Bunte, Spitzel, Wulff, Lafontaine, CMK, Tiefensee, Oettinger

Verfolgt bis in die Flitterwochen: der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina© Ursula Düren/DPA

Das Ausmaß der Spitzel-Affäre um das Privatleben von Spitzenpolitikern ist noch größer als bislang angenommen. Die Berliner Fotoagentur CMK stieg auch dem früheren Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sowie dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Günther Oettinger und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (beide CDU) nach. Das berichtet der stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.

Vergangene Woche hatte der stern berichtet, dass CMK systematisch das Privatleben von Spitzenpolitikern wie Franz Müntefering, Horst Seehofer und Oskar Lafontaine ausgeforscht hat. Die Recherche-Aufträge kamen seinerzeit von der Illustrierten "Bunte". Die nunmehr bekannt gewordenen Fälle betreffen ebenfalls das Privatleben der Politiker. Mit Ausnahme von Wulff, der nach stern-Information von einem CMK-Mann in die Flitterwochen nach Pisa verfolgt wurde, ging es um Fotos und Belege für mögliche neue Beziehungen. Ob "Bunte" hierfür ebenfalls Aufträge vergab, ließ die Zeitschrift auf Anfrage offen. CMK biete auch von sich aus Fotomaterial an, teilte Chefredakteurin Patricia Riekel mit: "So ist es in einigen geschilderten Fällen geschehen." Riekel weiter: "Ich wehre mich ganz entschieden gegen den Vorwurf der Bespitzelung von Politikern."

Es ging immer um Beziehungen

Dem stern liegen interne Abrechnungsunterlagen der CMK vor. Danach nahm die Firma am 3. und 4. November 2007 Wolfgang Tiefensee ins Visier. Der SPD-Politiker hatte damals eine Beziehung zu seiner heutigen Lebensgefährtin Annette Bender, die er allerdings noch nicht bekannt gemacht hatte.

Günther Oettinger und seine heutige Lebensgefährtin Friederike Beyer gerieten nach Aussage eines ehemaligen CMK-Mitarbeiters im Herbst 2008 in den Fokus der Agentur. Dabei wurden zum Beispiel die Privatadressen ermittelt, und an zwei Wochenenden wurde beiden nachgestellt. Mitte November machte Oettinger die Liaison dann selbst publik.

Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass CMK im Auftrag der "Bunte" hinter dem ehemaligen Vizepräsidenten der EU-Kommission, Günter Verheugen, und seiner damaligen Kabinettschefin Petra Erler her war. Die internen Abrechungen, die nun vorliegen, weisen als Zeitraum der Aktion den 30. Juli bis 6. August 2007 aus. Das passt zu Erfahrungen, die Verheugen und Erler damals machten: Seinerzeit waren sie unter anderem auf einer Fahrt von Brüssel bis nach Deutschland verfolgt worden.

Die Firma CMK wollte auf stern-Anfrage über "einzelne Auftragsverhältnisse" keine Auskunft geben. Es seien aber "keinerlei unlautere Arbeitsweisen" angewendet worden. Wie die vorgebliche Foto- und Presseagentur CMK arbeitet, zeigt der Umgang mit dem Fall Lafontaine. Im Frühjahr 2008 hatte CMK bereits im Auftrag der "Bunten" vergeblich nach Hinweisen gesucht, die eine Beziehung Lafontaines zu Parteigenossin Sahra Wagenknecht belegen sollten. Die Illustrierte beendete den Auftrag.

Angebot an Industriellen von Boch

Am 18. September 2008 lud die Agentur den saarländischen Unternehmer Wendelin von Boch-Galhau (Villeroy & Boch) ins Büro der Firma nach Berlin ein. Von Boch sitzt im CDU-Wirtschaftsrat und trat bereits früher als entschiedener Lafontaine-Gegner auf. Nach Aussage ehemaliger CMK-Mitarbeiter, die an dem Treffen teilnahmen, machte Agenturchef Stefan Kießling Unternehmer von Boch das Angebot, die Recherchen zu Lafontaines Privat- und Intimleben auszuweiten und Details davon möglichst kurz vor der Landtagswahl im Saarland an die Medien zu spielen. Kießling verlangte für die Dienste angeblich ein Agenturhonorar von rund 50.000 Euro im Monat.

Von Boch bestätigte dem stern Ablauf und Inhalt des Gesprächs im Wesentlichen. Es kam aber zu keiner Vereinbarung. Von Boch sagte, er habe Kießling nach dem Treffen angerufen und deutlich gemacht, "dass ich so etwas nicht mache". Die Sache sei ihm unangenehm. CMK teilte mit, es habe sich lediglich um ein "informelles Gespräch gehandelt". Und weiter: "Herr von Boch und CMK kamen danach überein, dass entsprechende Recherchen nicht angebracht sind."

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KOMMENTARE (10 von 20)
 
Administrator (03.03.2010, 17:35 Uhr)
@laketahoe
Es ist uns - gelinde gesagt - egal, wer mit wem wie umgeht. Uns ist es ein Anliegen, dass hier eine sachliche Diskussion stattfinden kann, an der jeder User sich beteiligen kann. Daher moderieren wir die Kommentare und löschen Beiträge die über die Stränge schlagen.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Leser0815 (03.03.2010, 17:08 Uhr)
Personen des öffentlichen Lebens
Hallo,
mein Senf dazu auch noch, all diese Personen sind Personen des öffentlichen Lebens und können sich somit nicht auf den "Urheberschutz" berufen. Wer das will weiß das vorher! Und dann ist die Auffassung, daß Schäuble und Co. mal das passiert, was sie dem gemeinen Volk, in diesen Kreisen sicherlich immer noch Pöbel bezeichnet, zumuten wollen, selbst passiert auch ganz amüsant.
Wer eine Wahl gewinnen will, nicht loyal und integer ist, hat diese auch nicht verdient! In dieser Hinsicht sei mal der "Und das ist auch gut so" OB erwähnt, ich bin eher hetero, aber der einzige Weg so etwas nicht zum eigenen Grabstein werden zu lassen, ist es dies öffentlich zu machen. Das ist im übrigen ein uraltes Prinzip!
Im übrigen gibt es sicherlich auch Konkurrenz zu Burda, die bestimmt nicht untätig ist. Also, wenn mich einer durchleuchtet, das ganze öffentlich macht, viel spass damit, wer aber mich vertreten will sollte schon eine saubere Weste haben, privat wie auch öffentlich.
In diesem Sinne noch einen schönen Gruß Herrn Strauß hinterhergeschickt!
Gruß 0815
laketahoe (03.03.2010, 16:41 Uhr)
@stern Administrator
Das ist in Ordnung!

Ist der erste meiner Kommentare, der gelöscht wurde. Aber ein wenig dünnhäutig wirkt das schon auf mich, zumal Frau Riekel selbst nicht gerade zimperlich im Umgang mit der zarten Seele von Menschen sein dürfte.

Ich stelle also richtig:
Kann die Frau mit dem Schwanenhals den Hals nicht voll genug bekommen?

In Zukunft werde ich genau darauf achten, ihre Regeln einzuhalten. Es soll nicht sein, dass angesehene MItglieder der Gesellschaft wie Frau Riekel und Herr Dr. Burda hier im Stern ganz ähnlichen Effekten ausgesetzt werden, die laut dem Weltbild dieser Leute anscheinend nur jene zu ertragen haben, die von Bunte bzw. dem Verlag Burda dazu auserkoren wurden, zum Abschuß durch die Agentur CMK freigegeben zu werden.

Interessante Logik, finde ich!

Im Sinne meiner geschmacklosen Bemerkung würde ich Frau Riekel aber ganz in Bunte Manier gerne danach fragen, ob Sie sich selbst in ihrem Magazin unter So Hot oder So Not abbilden würde......

Administrator (03.03.2010, 14:46 Uhr)
@ laketahoe
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle Ihren Kommentar löschen müssen. Gern können Sie hier diskutieren - allerdings sachlich und ohne Angriffe auf das Äußere einer Person.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
endbenutzer (03.03.2010, 14:04 Uhr)
Wenn bei solchen.....
...Spitzeltouren wenigstens die richtig pikanten Dinge ans Licht kämen, wie Korruption, Lobbyismus etc., dann wäre das vielleicht noch interessant. Das Privatleben allerdings interessiert mich weder von Prominenten noch von Politikern..
cybertanne (03.03.2010, 12:11 Uhr)
Wir sollten unsere Politiker
24-Stunden wie bei big brother überwachen. Die Jungs und Mädels haben schließlich ja nichts zu verbergen. Die Aufnahmen werden dann 6 Monate gespeichert und stehen jederzeit für den Abruf durch den Bürger bereit. Die Herren Bosbach, Schäuble und Schily melden sich als freiwillige Pilotkandidaten hierfür. Vorher geht es natürlich in den Nacktscanner!
erichmonika (03.03.2010, 11:53 Uhr)
Der Stern sollte doch mal Herrn Burda fragen
Das muss doch ein Ende haben mit der Frau Spitzel - Riekels. Was sagt denn der Herr Burda und seine Frau dazu. Die wandeln doch immer so moralisierend durch die Welt und spielen das intellektuellen Traumpaar.
tannebaum (03.03.2010, 11:27 Uhr)
was soll das alles?
ist es nicht so, dass unsere politiker selbst die eskapaden veranstalten?

selbst zigfach heiraten, uneheliche kinder, betrügereien, partnerwechsel sind schneller vollzogen als eine amtsperiode, vom sterbebett zum jungbrunnen, abwrackprämie selbst bei den partnern anwenden...

wieso sollte sich diese klientel nicht der gleiches hetzjagd ausgesetzt sehen wie andere prominente? sie verhalten sich ja oft gar schlimmer...
teresila (03.03.2010, 11:18 Uhr)
@Salzsteuer
Bei Burda passt die Tatortkommissarin auf !
teresila (03.03.2010, 11:16 Uhr)
Pecunia non olet
bei keinem Politiker !
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