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Kanzlerkandidatur: Wohin mit Friedrich Merz? – Wie die CDU mit der Rolle des Sauerländers hadert

Die CDU hat eine neue Vorsitzende, aber die Partei kommt nicht zur Ruhe. Anhänger von Friedrich Merz machen weiter für den unterlegenen Kandidaten mobil. Der könnte per Mitglieder-Entscheid die Partei-Chefin ausstechen.

"Das Kabinett war vollzählig": Die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer verpasste Merz und seinen Kabinetts-Träumen einen Dämpfer

"Das Kabinett war vollzählig": Die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer verpasste Merz und seinen Kabinetts-Träumen einen Dämpfer

DPA

Sie kann nicht ohne ihn, aber auch nicht mit ihm. Die Causa Friedrich Merz wühlt die CDU weiterhin auf. Drei Wochen nachdem Annegret Kramp-Karrenbauer die Nachfolge Merkels als Partei-Vorsitzende angetreten hat, reißt die Debatte um die künftige Rolle des Sauerländers nicht ab. Denn obwohl Merz die Delegierten-Wahl am 7. Dezember gegen die Saarländerin knapp verlor, geben seine Unterstützer keine Ruhe. Sie sehen ihn weiterhin im Rennen um die Kanzlerkandidatur. Andere halten Merz für die Galionsfigur einer neuen Wirtschaftspolitik.

Doch die neue CDU-Chefin bügelte dieses Ansinnen ab. Sie habe beim letzten Kabinettsfrühstück durchgezählt und festgestellt: "Das Kabinett war vollzählig", sagte Kramp-Karrenbauer der Wochenzeitung "Die Zeit". Im Januar will sie sich zu einem zweiten Gespräch mit Merz über dessen künftige Aufgaben in der Partei treffen. Das Ergebnis ist dabei völlig offen. Der Saarländerin dürfte wenig daran gelegen sein, dass Merz in einem Regierungsamt weiter an Statur gewinnen kann. 

Auf der anderen Seite besteht für sie die Gefahr, dass der Wirtschaftsfachmann sie bei der Kanzlerkandidatur ausstechen könnte. Besonders der Landesverband in Baden-Württemberg macht Druck. Jener Landesverband, der Merz schon als CDU-Vorsitzenden ins Spiel gebracht hatte. Und auch in der Frage, wen die Konservativen nun als Kanzlerkandidaten aufstellen könnten, gibt die Südwest-CDU keine Ruhe. Sie bringt einen Mitglieder-Entscheid ins Spiel.

Friedrich Merz hat im Südwesten viele Anhänger

Prominente Fürsprecher trommeln für Merz. Vorneweg Günther Oettinger, der mit Wolfgang Schäuble als einer der Merz-Förderer gilt. Der EU-Haushaltskommissar kann sich ihn Kanzlerkandidaten vorstellen. "Fast die Hälfte der Parteitagsdelegierten wollte Friedrich Merz als CDU-Vorsitzenden - und ein CDU-Vorsitzender ist immer auch ein möglicher Kanzlerkandidat", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Parteichefin sei "für die programmatische und personelle Ausrichtung der CDU verantwortlich - und sie hat das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur", sagte Oettinger. Doch gebe es dabei "keinen Automatismus".

Der wie Oettinger aus Baden-Württemberg stammende CDU-Parlamentarier Fischer sagte der Deutschen Presse-Agentur, Oettinger "hat völlig Recht, wenn er Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer als mögliche Nachfolger von Angela Merkel ins Gespräch bringt". Für die CDU sei es gut, mehrere mögliche Kanzlerkandidaten zu haben. "Um die von der CDU-Vorsitzenden versprochenen 40 Prozent für die Union bei der Europawahl zu erreichen, muss die Partei nicht nur im Wahlkampf personell breit aufgestellt sein und den Menschen Orientierung und Führung geben", befand Fischer. "Die Frage der nächsten Kanzlerkandidatur wird zu gegebener Zeit durch die Partei entschieden - gegebenenfalls auch durch einen Mitglieder-Entscheid", ergänzte er.

Merz soll die CDU wieder von Grünen und SPD abgrenzen

Soweit wie die Parteifreunde aus Baden-Württemberg will der CDU-Wirtschaftsrat nicht gehen. Dennoch wirbt das Gremium für Merz. Die sich andeutenden schlechteren Konjunkturdaten erforderten ein Umsteuern in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger der dpa.

Darauf müsse die CDU eine überzeugende personelle wie inhaltliche Antwort geben. "Hierfür ist auch die Einbeziehung von Friedrich Merz ein ganz wichtiger Schlüssel." Merz könne wesentlich dazu beitragen, die Unterscheidbarkeit zu anderen Parteien deutlich zu machen und so die Volksparteien zu stabilisieren. In der großen Koalition seien die Unterschiede zur SPD und zu den Grünen immer weiter verwaschen worden, kritisierte Steiger.

Kramp-Karrenbauer in der "Pole-Position"

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Ursula von der Leyen will ebenfalls, dass sich Merz mit seinen wirtschaftspolitischen Positionen weiter einbringt. Auch brauche die CDU die im Auswahlprozess zum Parteivorsitz sichtbar gewordene Bandbreite, um wieder auf 40 Prozent zu kommen, sagte die Verteidigungsministerin der "Rheinischen Post". Sie machte aber klar, dass Kramp-Karrenbauer die Nummer eins in der CDU sei. Der im fairen Wettstreit erkämpfte Aufstieg in die Position als Parteichefin impliziere, dass man fähig sein müsse, Kanzlerin zu werden, sagte von der Leyen. Sie fügte hinzu: "Für die nächste Kanzlerkandidatur hat sie die Pole-Position."

sos / DPA / AFP