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Kölns Polizeichef - immer wieder mitten im Skandal

Wolfgang Albers bläst scharfer Wind ins Gesicht. Immer lauter wird der Ruf nach einer Ablösung des Kölner Polizeipräsidenten. Schließlich sind die Übergriffe in der Silvesternacht nicht der erste Polizeiskandal in Albers Amtzeit.

Der Polizeipräsident von Köln, Wolfgang Albers

Muss gehen: Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers

Die Kölner Polizei gerät nach den Übergriffen eines Mobs auf Frauen vor dem Hauptbahnhof immer stärker unter Druck: Zu zögerlich hätten die Beamten auf die aggressive Menschenmenge reagiert; zu spät, zu schlecht, zu oberflächlich hinterher über die Vorfälle informiert. Der jetzt bekanntgewordene drastische Bericht eines Bundespolizisten über die Zustände in der Silvesternacht hat den Sturm der Kritik nochmals verstärkt. Und Mittendrin steht Wolfgang Albers. Kölns Polizeipräsident sieht sich zunehmend Forderungen nach seinem Rücktritt oder seiner Ablösung ausgesetzt. Denn die schockierenden Ereignisse zum Jahreswechsel sind nur der letzte in einer Reihe von Skandalen bei der Kölner Polizei.

Vom Hogesa-Debakel bis zur Silvester-Gewalt

Oktober 2014: Eine Demonstration der damals neuen Gruppierung "Hogesa" - Hooligans gegen Salafisten - läuft völlig aus dem Ruder. Die Polizei ist mit rund 1300 Beamten im Einsatz - und sieht sich letztlich knapp 5000 teils gewaltbereiten Hooligans und Rechtsextremen gegenüber. Es kommt zu schweren Straßenschlachten, bei denen rund 50 Polizisten verletzt werden. Die Einsatzkräfte bekommen die Lage erst nach Stunden unter Kontrolle. Albers muss nach den Ausschreitungen viel Kritik einstecken. Die Bilder der Krawalle seien "für uns kein Erfolg", rügt der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD). Albers muss sich einer Anhörung im Stadtrat stellen, in der er einräumt: "Das war kein erfolgreicher Einsatz". Den Vorwurf einer Fehleinschätzung der Lage durch die Polizei weist er zurück.

Juni 2015: Beamte des Kölner Sondereinsatzkommandos (SEK) geraten in die Schlagzeilen. Ein öffentlich als "Höhenübung" deklarierter Einsatz der Elite-Polizisten auf der gut 70 Meter hohen Spitze des Pfeilers einer Kölner Rheinbrücke sei in Wahrheit ein privates Foto-Shooting zum Ausstand eines Führungsbeamten gewesen, berichtet die "Rheinische Post". Die angebliche Übung wurde auch von einem Polizeihubschrauber begleitet. Nordrhein-Westfalens Innenministerium fordert umgehend einen Bericht von Albers an.

Juni 2015: Wenige Tage später machen neue Negativmeldungen über das Spezialeinsatzkommando die Runde. SEK-Mitglieder sollen Kameraden im Rahmen von Aufnahmeritualen“ tagelang gedemütigt haben. Unter anderem sollen sie einen Kollegen gegen seinen Willen festgebunden haben.

Der Umgang von Albers mit dem Fall sorgt für Kritik. Laut "Rheinischer Post" ließ der Polizeipräsident sich erst 22 Tage nach ersten internen Hinweisen auf den Skandal umfassend über die Vorgänge informieren. Später löst Albers die Einheit auf, obwohl die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellt und Disziplinarermittlungen noch laufen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert dies als Vorverurteilung. Mitglieder der Kölner Polizei solidarisieren sich mit den geschassten SEK-Männern indem sie Plakate mit der Aufschrift "Je suis Kommando 3" an die Fenster von Diensträumen kleben und T-Shirts mit dem Schriftzug bestellen.

"Albers dürfte kaum im Amt zu halten sein"

Albers wurde vor fünf Jahren von Innenminister Jäger, seinem Parteifreund, zum Polizeipräsidenten gemacht. Der Jurist war bereits 1988 in den Landesdienst bei der Bezirksregierung Köln eingestiegen und später ins NRW-Innenministerium gewechselt. 1994 wurde er persönlicher Referent des damaligen Ministers, drei Jahre später ging er zur Bezirksregierung Düsseldorf, ehe er 2002 Polizeipräsident in Bonn wurde.

Bislang lehnt Albers einen Rücktritt ab. "Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt", sagte er am Mittwoch im WDR. Doch in der Presse erklingt schon der Abgesang auf den 60-Jährigen. "Der ganz offensichtlich überforderte Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers dürfte kaum im Amt zu halten sein", kommentierte das "Westfalen-Blatt" am Mittwoch den Skandal von Köln. "Seine Entlassung wäre kein Bauernopfer, sondern nur folgerichtig."

mad, mit DPA/AFP
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