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13. Mai 2009, 16:44 Uhr

Sarrazin verärgert Bundesbank

Da ist Thilo Sarrazin mal wieder mit Lust ins Fettnäpfchen getreten: Das stern-Interview des erst seit zwei Wochen amtierenden Vorstands der Deutschen Bundesbank hat hohe Wellen geschlagen. Darin hatte Sarrazin unverblümt gegen Bankberater, Eltern und Hartz-IV-Empfänger gewettert. Sein Boss pfeift ihn jetzt zurück.

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Verärgert seinen neuen Arbeitgeber: Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin© Victoria Bonn-Meuser/ddp

Thilo Sarrazin kann es nicht lassen. Nicht mal zwei Wochen nach seinem Amtsantritt im sonst so sachlichen Vorstand der Deutschen Bundesbank sorgt der ehemalige Berliner SPD-Finanzsenator in Frankfurt für Ärger. Im stern wettert der für seine Provokationen berühmt wie berüchtigte Sarrazin unverblümt gegen Bankberater, Hartz-IV-Empfänger und Eltern, die nicht die nötigen Eigenschaften hätten, die man zur Kindererziehung brauche. Sein neuer Arbeitgeber ist "not amused". Bundesbank-Präsident Axel Weber lässt am Mittwoch über seinen Sprecher mitteilen: "Die Äußerungen Sarrazins geben nicht die Position der Bundesbank wieder."

In Bundesbankkreisen heißt es, Sarrazin habe das stern-Gespräch dem Vernehmen nach schon vor seinem Amtsantritt am 1. Mai geführt. Das scheint die Sache aber nicht besser zu machen. Denn inzwischen ist Sarrazin kein Sozialpolitiker mehr, sondern arbeitet für die Bundesbehörde. Und Bundesbank-Vorstände äußern sich generell nur zu Themen, die ihr Ressort betreffen. Alles andere ist tabu.

In dem Gespräch mit dem Hamburger Magazin knüpft Sarrazin an alte Aussagen an. Hartz-IV-Empfängern verschwendeten Energie, weil Städte und Gemeinden die Heizkosten übernehmen: "Hartz-IV-Empfänger sind erstens mehr zu Hause, zweitens haben sie es gerne warm, und drittens regulieren viele die Temperatur mit dem Fenster", zitiert der stern den neuen Bundesbankvorstand. Bereits im Sommer 2008 hatte er mit folgendem Sparvorschlag für diese Gruppe viel Wirbel ausgelöst: "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können."

Gleichzeitig zieht Sarrazin, der nicht nur als unbequem gilt, sondern auch als exzellenter Finanzfachmann, gegen finanzielle Hilfe für bedürftige Eltern zu Felde. Das Sozialsystem müsse so geändert werden, "dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist". Vielmehr müsse die Politik dafür sorgen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die "damit fertig werden".

Der Sozialverband VdK reagiert empört. "Es ist an Absurdität kaum zu übertreffen, dass man seinen Lebensstandard durch Kinder verbessern können soll", sagt Sprecher Michael Pausder. "Diese Frauen brauchen mehr und nicht weniger staatliche Unterstützung für ihre Kinder - und keine zynischen Kommentare von Herrn Sarrazin."

Auch mit seiner eigenen (neuen) Zunft geht Sarrazin hart ins Gericht. Er schlägt den Menschen zwar vor, verstärkt selbst Geld für das Alter zurückzulegen. Dabei sollten sie sich aber nicht von den Versprechungen der Geldinstitute blenden zu lassen: "Man muss den Leuten sagen: Glaube keinem Bankberater." Die Warnung mutet etwas skurril an: Ins Aufgabengebiet von Sarrazins neuem Arbeitgeber fällt auch die Bankenaufsicht. Die im Juli anstehende Rentenerhöhung bezeichnet Sarrazin in dem Gespräch als "völlig unsinnige Maßnahme".

Auf die Fachkompetenz von Sarrazin lässt man bei der Bundesbank zwar nichts kommen. Seine Äußerungen bereiten indes Bauchschmerzen. Schon lange vor seinem Amtsantritt hatte Sarrazin für Naserümpfen gesorgt, weil er sich selbst für das Ressort "Internationale Beziehungen" ins Spiel gebracht hatte. Doch er biss auf Granit: Sarrazin muss sich mit dem weniger prestige-trächtigen Bereich Bargeld, Informationstechnologie und Risiko-Controlling begnügen.

Das vollständige Interview

Das vollständige Interview ... mit Thilo Sarrazin lesen Sie im neuen stern

Harald Schmidt, DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
The_Real_World (15.05.2009, 14:07 Uhr)
Sind die denn alle bekloppt ???..
..erst lässt man nen sabbelnden Rhetoriker von der SPD ungehindert desaströse Bankenmodelle ala HRE in die Welt setzen, und jetzt sitzt so eine Filzlaus aus derselben Brut auch noch in der Bundesbank und seiert rum - Herrgott..gibts denn gar kein Pestizid dagegen ?
stesotweb2 (14.05.2009, 16:17 Uhr)
Von der Rolle
Nach diesem Interview ist mir jetzt ganz klar warum die SPD nicht mehr die kleine Leute vertritt.Sarazzin
passt dort rein wie das sprichwörtliche Faust aufs Auge.Die
Weltbild des, natürlich im öffenlichen Dienst verwurzelten Rambo, ist gelinde gesagt zum Kotzen.
Cimbom-HH (14.05.2009, 07:17 Uhr)
Kindergeld
Recht hat er der "Herr" Sarrazin,
nur hatte er schon längst die Möglichkeit diese angeblichen sogenannten Mißstände abzustellen!! So langsam schleicht in mir der Verdacht jetzt auf, anhand seiner Aussagen sein Nichtwissen und Fachliche Nicht "Qualifikation" zu verschleiern!! Übrigens sehen Migrationskinder manchmal gleich aus und schwer zu unterscheiden, sodaß man diese ausleihen und als seine eigenen ausgeben kann. Damit gibt´s noch mehr Geld...Somit lebt´s sich ganz ungeniert!! Herr Sarrazin wird sich warm anziehen müssen...
jetrabbit (14.05.2009, 00:09 Uhr)
er ist ein banker
durch und durch.
n8g8 (13.05.2009, 23:50 Uhr)
Freie Fahrt für das soziale Gewissen!
Der bedauernswerte Sarrazin fühlt sich von der Solidargemeinschaft und dem Sozialstaat doch nur ausgegrenzt. Darum sollte man ihm solidarisch ein entspannendes Freifahrtticket für einen Elsasstrip im Kofferraum ermöglichen.
audio001 (13.05.2009, 22:21 Uhr)
Irgendwie...
Irgendwie habe ich den Eindruck, der Mann ist total von der Rolle?
Da stellt man sich natürlich schon die Frage, wie wird man mit diesen verqueren Ansichten Finanzsenator und wie Vorstand bei der Bundesbank?
Bleibt zu hoffen, es gibt nicht mehr von dieser Sorte Mensch, die dann noch auf Kosten des Steuerzahlers solch einen "bullshit" von sich geben dürfen!
Mir dem Typen werden die noch viel Spass bei der Bundesbank haben!
Westerle.Merkwelle (13.05.2009, 21:04 Uhr)
Die Berliner SPD kann froh sein,
dass sie diesen Hetzer und Schmarotzer los ist. Die Berliner Linke forderte schon seit Jahren seine Entlassung. Es gibt kaum einen größeren Zyniker.
.
Am besten wäre es, wenn man diesen Typen mal auf Hartz IV Diät setzen würde und für 1€ Stundenlohn zum Blätterwenden in den Stadtpark schickte. Dabei wäre er sicherlich sehr genügsam und könnte sogar noch eine Spende an seine siechende SPD abführen:
.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Landespolitik-Hartz-IV-Thilo-Sarrazin%3Bart124,2474631
Stones60 (13.05.2009, 20:47 Uhr)
Scheingefechte
Man bekommt bei Herrn Sarrazin immer mehr den Eindruck, man holt ihn um große Schweineställe auszumisten. So beim Berliner Bankenskandal und jetzt auch bei der Bankenkrise. Und dabei scheint man sich darauf zu verlassen, dass er immer auch durch das Schimpfen auf die kleinen "Schmarotzer" von den Großen die diesen ganzen Unrat verursacht haben ablenkt.
Und dieses Ablenkungsmanöver von dem bestehenden Filz gelingt ihm auch prächtig.
galonero (13.05.2009, 20:16 Uhr)
Sarrazin
Es liegt doch nicht an den Hartz 4 Empfänger, lieber Eisenbaer, wenn Sie zu wenig verdienen, sondern an Ihrem Arbeitgeber der zuwenig bezahlen will, sodaß sie weit mehr bekommen als Hartz4 Empfäner, also nicht auf dennen einschlagen, sondern ihren Arbeitgeber zur Kasse bitten. Ich zahle lieber meine Steuern für angebliche Gebärmaschinen , als für Tötungsmaschinen im Krieg in Afganistan und für die Rückführung von toten Bundeswehrsoldaten!!!!!
heidrunlieske (13.05.2009, 20:13 Uhr)
Sarrazin
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin doch sehr enttäuscht, dass sie diesem Idioten, ein anderes Wort fällt mir leider, trotz langer Überlegung, nicht ein, ein Podium bieten. Entweder er muss einem Psychater überantwortet werden oder es sollte sich einmal ein Staatsanwalt für die Äußerungen dieses Idioten interessieren. Wenn er bedauert, dass er keine Handhabe hat, Frauen das Gebären zu verbieten, hat er sich nicht nur um 70 Jahre vertan(1939), sondern er fordert sogar dazu auf, "unwertes Leben" zu sterilisieren oder gar zu vernichten. Der nächste Schritt wäre dann, Frauen, die Hartz IV empfangen, in Lager (KZ?) zu sperren.
Ich bin in der glücklichen Lage, in Lohn und Brot zu stehen und auch seit geraumer Zeit aus dem angesprochenem Alter hinaus zu sein (habe selber 3 Enkelkinder). Warum wird diesem Idioten nicht endlich eine Einweisung ins Gefängnis oder besser, in die Geschlossene Anstalt verpasst.
Heidrun Lieske
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