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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Wie tolerant darf's denn sein?

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck hat ein Buch über Toleranz geschrieben und forderte in einem Interview "erweiterte Toleranz in Richtung rechts". In Zeiten, in denen AfD-Politiker wie Sebastian Wippel oder Björn Höcke selbst geistig gesunden Menschen wählbar erscheinen, ein fatales Signal, findet Micky Beisenherz.

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck

DPA

Joachim Gauck hat ein Buch geschrieben. Das ist natürlich erst einmal sehr egal. Um das verkaufen zu können, bedarf es eines griffigen Titels. Jetzt war "Deutschland verdummt" gerade schon weg und den Rest der bananenrepublikanischen Selbstabschaffungslehre beansprucht bereits Thilo Sarrazin für sich. Bleibt also nur noch das Buch von der "Toleranz". Damit allein bleibt man nun mal kaum im Gedächtnis, ergo gibt man diverse Interviews, deren prägnanteste Aussage von der "Toleranz gegenüber rechts" gut haften bleibt.

Jetzt wird schon gefeiert, weil einer von der Union gewonnen hat

"Toleranz gegenüber rechts". Na, da hat er sich ja eine besonders tolle Woche ausgesucht. Eine Woche, in der man in Görlitz feiert, als sei gerade die Apartheid abgeschafft worden, nur, weil ein CDU-Mann Oberbürgermeister geworden ist und nicht etwa der AfD-Kandidat. Jetzt jubelt man schon, weil einer von der Union gewonnen hat. Das übrigens auch nur, weil die Grünen und die Linken ihrerseits auf die Kandidatur verzichtet haben, und dieses Ergebnis möglich gemacht haben, um, naja, sagen wir mal die Demokratie zu stärken.

Was Annegret Kramp-Karrenbauer, jetzt schon die "Unions-Nahles 2019" komplett unter den Tisch fallen ließ und ihre endgeile CDU via Twitter als DIE demokratische Wunderwaffe gegen die AfD abfeierte. Ich freu mich schon aufs "Wir bleiben mehr"-Konzert in Chemnitz, wenn sie neben Grönemeyer und Tocotronic steht und glaubt, die Leute wären alle nur wegen ihr da. Nimm ihr doch einer mal das Handy weg. Zumindest, solange sie noch Parteivorsitzende ist. Also, Digital Detox für so circa vier Wochen.

Bevor Sie die Korken knallen lassen: Der Görlitzer AfD-Kandidat Sebastian Wippel hatte trotzdem rund 45 Prozent Zustimmung. Da kriegt man doch richtig Bock auf die Landtagswahlen, oder? Derselbe Wippel übrigens, der im sächsischen Landtag auch schon mal bemerkte, dass die "Verantwortlichen für diese Flüchtlingspolitik nicht von einem Terroranschlag getroffen worden seien."

Diesen Fall haben wir jetzt. Der unter anderem in Sachen Migration sehr gemäßigt auftretende Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde mutmaßlich von einem Nazi erschossen. (Auf Kundgebungen hatte er sich deutlich gegen grölende Rassisten gestellt.) Eine Entwicklung, die deutlich eine Tendenz aufzeigt, in der die digitale Gewalt stetig ins Analoge rüberschwappt. In der Politiker bedroht werden oder auch schon mal eine Patrone im Briefkasten finden. Eine Stimmung, angeheizt durch Figuren wie den AfD-Politiker Uwe Junge, der in pseudobiblischem Tonfall auch schon mal Dinge ankündigt wie "der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen!"

Erinnert sich noch einer an den NSU? Ist ja nicht soooo lange her

"Na, läuft doch", möchte man sagen. Das ist dann nicht mehr weit von Wippel. Mehr als nur ärgerlich war dann auch nebenbei zu erleben, wie diverse prominente Köpfe laut darüber nachdachten, dass es so eine Form des Terrors wie gegen Lübcke seit der RAF nicht mehr gegeben habe. NSU, anyone? Ist ja noch nicht soooo lange her. Waren ja nur "Döner-Morde", right?

Zumindest der Ökonom Max Otte, Mitglied der "Werteunion" (sowas wie das christdemokratische Pendant der FIFA Ethikkommission, nehm ich an) hatte den Nazionalsozialistischen Untergrund noch auf dem Schirm und ließ sich zu dem laut getwitterten Wirrsinn verleiten, der "Mainstream" habe "eine neue NSU-Affäre und kann hetzen. Es sieht so aus, dass der Mörder ein minderbemittelter Einzeltäter war, aber die Medien hetzen schon jetzt gegen die 'rechte Szene', was immer das ist." 

Tja, was ist das denn? Und was genau ist eigentlich diese Werteunion, wenn ihre Mitglieder sich so öffentlich äußern? Wo habe ich die einzuordnen? Ist man sich zu fein für die NPD - ab zur AfD! Sind einem AfDler zu primitiv - komm zur Werteunion! Haben wir jetzt eine deutsche Tea Party? Was sind das für Leute? Sind wir jetzt alle nur zu zimperlich - oder ist es nicht vielleicht doch ganz angebracht, aufgebracht zu sein, wenn jemand abgeknallt wird, weil er den Rechten gegenüber zu unbequem war?

"Ja, aber der Linksterrorismus!" in 3…..2….1….

Wo genau zieht Joachim Gauck seine Grenzen, wenn es um Toleranz geht?

Und wie war das jetzt mit Gauck? Der wählte als Beispiel für die "schwer konservativen" Positionen, die es zu tolerieren gelte, Figuren wie Alfred Dregger, die früher in der CDU ihre Heimat hatten. Jener Dregger, der Hitlers Angriff auf die Sowjetunion jetzt nicht grundsätzlich schlecht fand, sich für die Freilassung deutscher Kriegsverbrecher einsetzte und den 8. Mai 1945 keineswegs als "Tag der Befreiung" verstand. Tolle Wahl, Herr Gauck. Mag sein, dass so jemand wie Dregger heute aus dem Wirkungsbereich der Union direkt in die AfD rutschen würde. Das kann man in diesem Falle aber durchaus als evolutionären Erfolg der CDU verbuchen. Nicht jeder, der rechts aus einer Fraktion kippt, ist ein Beleg dafür, dass mit der Fraktion was nicht stimmt.

Warum also Dregger? Warum dann nicht direkt Gauland nehmen? Halt, nein! Mit dem wiederum würde Gauck nicht öffentlich diskutieren wollen, weil er "nicht genug Achtung" vor ihm habe. Da darf man schon mal fragen, wo genau bei Gauck die Linien verlaufen zwischen der "erweiterten Toleranz in Richtung rechts" und der Warnung davor, "Rassismus und Intoleranz nicht entschieden genug zu begegnen." Vielleicht hilft die These Joachim Gauck ja, sein Buch zu verkaufen. In Zeiten, in denen Leute wie Wippel, Junge oder Höcke selbst geistig sonst ganz gesunden Menschen wählbar erscheinen, haben wir eindeutig schon ein bisschen zu viel Toleranz gegenüber rechts bewiesen.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(