Vater von Arzu Ö. zu langer Haftstrafe verurteilt

4. Februar 2013, 14:29 Uhr

Im Fall des Mordes an der Jesidin Arzu Ö. ist jetzt der Vater zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Detmold sprach ihn der Beihilfe zum Mord schuldig.

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Arzu Ö., Gericht, Ehrenmord, Türkin, Fendi Ö.

Die Anklage warf dem 53 Jahre alten Fendi Ö. vor, er habe seine fünf erwachsenen Kinder zu einem sogenannten Ehrenmord angestiftet.©

Nach der Entführung und Ermordung der 18-jährigen Arzu aus Detmold muss der Vater nun wegen Beihilfe zum Mord ins Gefängnis. Das Landgericht verurteilte den 53-Jährigen in einem Indizienprozess zu sechseinhalb Jahren Haft wegen Beihilfe, Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre und neun Monate Haft gefordert. Der Vater hatte jede Beteiligung an dem Mord vor 15 Monaten abgestritten. Die Verteidigung kündigte Revision an. Der Verurteilte war bis zur Urteilsverkündung auf freiem Fuß. Er wurde noch im Gerichtssaal verhaftet.

Die fünf erwachsenen Kinder der aus der Ost-Türkei stammenden jesidischen Familie hatten ihre 18 Jahre alte Schwester im November 2010 entführt und getötet. Dafür waren sie zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Hintergrund war die von der Familie verbotene Beziehung der Tochter zu einem nicht-jesidischen Deutschen.

Glaubensgemeinschaft lehnt Beziehungen zu Nicht-Jesiden ab

Richter Michael Reineke sagte, die ursprünglich vorgeworfene Anstiftung zum Mord sei nicht bewiesen. "Der Rest ist aber schlimm genug." Der Vater habe seine eigene Tochter verprügelt, ihr unter Drohungen Hausarrest verordnet und nichts getan, um seine fünf erwachsenen Kinder vom Mord abzuhalten.

Die Familie gehört zur Glaubensgemeinschaft der Jesiden. Die lehnen Beziehungen zu Nicht-Jesiden ab. Die Anklage hatte dem 53-Jährigen vorgeworfen, den Mord an der Tochter zumindest nicht verhindert zu haben. Es sei unvorstellbar, dass Arzu gegen den Willen des Vaters getötet worden sei, sagte Staatsanwalt Christopher Imig. Der sei in bester kurdisch-jesidischer Tradition der Patriarch der Familie.

Flucht ins Frauenhaus

Die Verteidigung hatte dagegen betont, für eine Beteiligung des Vaters gebe es keinen stichhaltigen Beweis. Es stehe weder fest, ob er von dem Plan seiner erwachsenen Kinder wusste, noch wann der Entschluss zur Tötung überhaupt gefasst worden sei, sagte Anwalt Torsten Giesecke. Ob und was in der Tatnacht telefonisch besprochen worden sei, sei völlig unklar. Allerdings habe er sie geprügelt, auch mit einem Knüppel.

Arzu hatte sich in der Bäckerei, in der sie jobbte, in den 23 Jahre alten Gesellen Alex verliebt. Die heimliche Liebe flog aber auf, als der Freund ihr rote Rosen schickte. Der Vater und ein Sohn verprügelten Arzu vor der versammelten Familie. Sie floh am 1. September 2010 und zeigte ihre Verwandten an. Dann ging sie ins Frauenhaus und betonte mehrmals, dass sie sterben müsse, wenn sie zur Familie zurückkehren würde.

Auf einem Golfplatz in Schleswig-Holstein

In der Nacht zum 1. November 2011 besuchte sie Alex und wurde von den Geschwistern entdeckt. Die fünf entführten sie und wurden bald danach festgenommen. Die Leiche der 18 Jahre alten Arzu wurde Mitte Januar 2012 auf einem Golfplatz in Schleswig-Holstein gefunden. Die junge Frau war mit zwei Kopfschüssen getötet worden. Im Prozess räumten die Geschwister die Tat weitgehend ein. Die Tötung sei aber nicht geplant gewesen. Auch vom Vater sprachen sie in der Verhandlung nie.

Reinneke kündigte an, dass sich nun auch die Mutter Arzus vor Gericht verantworten muss. Ihr wird Körperverletzung vorgeworfen.

ins/DPA
 
 
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