Die skurrile Showeinlage des Richard Dawkins

26. Juni 2013, 17:45 Uhr

Ein Biologe dreht auf: Auf einem Festival in Cannes liefert Richard Dawkins mitten in seinem Vortrag einen kuriosen Auftritt. Eine Showeinlage zu rein wissenschaftlichen Zwecken? Wohl kaum. Von Linda Richter

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Er schockiert gern und nimmt selten ein Blatt vor den Mund: Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat sich in der Vergangenheit vor allem als scharfsinniger Atheist und Kreationismus-Gegner einen Namen gemacht. Schrille Showeinlagen gehörten nicht zum Repertoire des 72-Jährigen. Seit vergangener Woche ist das anders.

Mitten in seinem Vortrag über Internet-Meme zur Eröffnung des Werbefestivals "New Director’s Showcase" in Cannes verlässt er die Bühne. Die verwandelt sich in eine Leinwand, auf der Gehirne, Vögel und Körper in rosa, grüne und blaue Formen zerfließen. Passend zu dem kaleidoskopartigen Schauspiel dröhnt Elektromusik aus den Boxen. Den krönenden Abschluss liefert Dawkins selbst: Auf einem elektronischen Blasinstrument, einem so genannten Electronic Wind Instrument, spielt er die letzten Töne des psychedelischen Stücks.

Was will der Professor aus Oxford mit diesem Auftritt bewirken? Tatsächlich dient das, was an den Psychotrip eines durchgeknallten Akademikers erinnert, der Veranschaulichung seiner These. 1976 hatte Dawkins mit seinem populärwissenschaftlichen Bestseller „Das egoistische Gen“ das Konzept von Memen begründet. Darunter versteht er Ideen, die in einer Kultur über Jahrhunderte hinweg bewahrt werden. Meme sind Dawkins zufolge auf kultureller Ebene das, was Gene auf der biologischen Seite sind.

Die Mutation der Meme

Seit Dawkins Beschreibung hat der Begriff jedoch ein Eigenleben entwickelt. Internet-Meme bezeichnen heute Bilder oder Videos, die im Netz verbreitet und von anderen Nutzern imitiert und verändert werden. Sie sind mehr als Meme in Dawkins ursprünglichem Sinne. Er selbst beschreibt das seinen Zuhörern in seinem Vortrag so: "Das Konzept ist mutiert und hat sich in eine neue Richtung entwickelt." Internet-Meme seien eine Adaption der ursprünglichen Idee, die absichtlich kreativ verändert werden. „In manchen Fällen kann das die Form von authentisch kreativer Kunst annehmen", schließt er. "Aber kann man nicht sagen, dass Kunst an sich durch eine Mutation des Geistes entsteht?" Dann beginnt das Schauspiel.

Das Ziel des Clips, den die Veranstalter des Festivals auf Youtube veröffentlichten: Der spektakuläre Auftritt des Biologen soll selbst zum Hit werden. Internet-Magazine wie Wired und Gawker greifen es auf. Ein neues Dawkins-Meme scheint geboren. Damit kennt sich der Wissenschaftler aus. Neben einem Bild, das ihn mit Hermine aus "Harry Potter" vergleicht, gibt es seit ein paar Tagen zahlreiche weitere Videos auf Youtube über den Wissenschaftler.

Linda Richter
 
 
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