Arm, männlich, jung - sucht eine Wohnung

1. August 2013, 16:47 Uhr

Fast 300.000 Menschen haben in Deutschland kein eigenes Dach über dem Kopf. Das ist ein Anstieg um 15 Prozent binnen zwei Jahren. Besonders betroffen: Hartz-IV-Empfänger und Single-Männer.

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Als wohnungslos gelten Menschen, die nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügen. Viele leben bei Bekannten und Verwandten oder in Hilfseinrichtungen - oder landen in den Obdachlosigkeit©

Immer mehr Menschen in Deutschland haben keine Wohnung. In den Jahren 2010 bis 2012 sei ein "drastischer Anstieg" der Zahl der Wohnungslosen um 15 Prozent zu verzeichnen, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) am Donnerstag in Berlin mit. Nach ihrer Schätzung lag die Zahl der Wohnungslosen im vergangenen Jahr bei 284.000.

Ursächlich sei "das Anziehen der Mietpreise in Ballungsgebieten" bei einer gleichzeitigen "Verarmung der unteren sozialen Schichten", sagte der Geschäftsführer der BAG W, Thomas Specht. Bis zum Jahr 2016 könnte die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland nach seinen Angaben auf 380.000 anwachsen. Ein schnelles Umsteuern auf dem Wohnungsmarkt sei schwierig.

Als wohnungslos gelten Menschen, die nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügen. Die meisten Wohnungslosen leben nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft bei Bekannten und Verwandten oder in Hilfseinrichtungen. Doch auch die Zahl der Menschen ohne Obdach ist den Angaben zufolge in den Jahren 2011 und 2012 um zehn Prozent auf rund 24.000 angewachsen.

Statistik für Bundesgebiet fehlt

Die Zahl der Kinder und minderjährigen Jugendlichen, die mit ihren Eltern nicht in einer eigenen Wohnung leben, schätzt die BAG W auf rund 32.000. Demnach haben zudem viele Hartz-IV-Empfänger unter 25 Jahren ihre Wohnung verloren, weil ihnen als Sanktionierungsmaßnahme die Kostenerstattung für ihre Wohnung gestrichen wurde. "Das halten wir für verfassungswidrig", sagte Specht. Bei den meisten Wohnungslosen handelt es sich nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft um alleinstehende Männer.

Die Wohnungslosenstatistik beruht auf eigenen Untersuchungen der BAG W. Die Schätzungen seien "eher konservativ", sagte Specht. Er beklagte, dass bislang nur Nordrhein-Westfalen die Zahl der Wohnungslosen systematisch erfasse. Er forderte deshalb die Einführung einer entsprechenden Statistik für das gesamte Bundesgebiet.

Abhilfe beim Problem der Wohnungslosigkeit könnte laut BAG W mehr sozialer Wohnungsbau schaffen. Dieser müsse künftig zudem auch auf Bundesebene koordiniert werden. Ferner forderte die Arbeitsgemeinschaft mehr Präventionsstellen in den Kommunen.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung sei für die vielen Wohnungslosen "mitverantwortlich", erklärte Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. "Wir brauchen endlich eine Wohnungspolitik, die Mietsteigerungen begrenzt und den sozialen Wohnungsbau fördert."

Arme Menschen leben beengt

Arme Menschen leben zudem nach Angaben des Statistischen Bundesamts oft in zu beengten Verhältnissen. Demnach wohnten im Jahr 2011 sieben Prozent der Bevölkerung in überbelegten Wohnungen. Bei armutsgefährdeten Menschen war die Überbelegungsquote mit einem Anteil von 20 Prozent fünf Mal höher als bei besser verdienenden Menschen. Als armutsgefährdet gilt, wer im Monat maximal 952 Euro zur Verfügung hat.

Überbelegt sind der zugrunde liegenden Definition nach Wohnungen ohne getrennten Gemeinschaftsraum oder Wohnungen, in denen Erwachsene beziehungsweise erwachsene Paare kein eigenes Zimmer zur Verfügung haben. Das gleiche gilt, wenn Jungen und Mädchen über zwölf Jahren sich ein Zimmer teilen müssen. Jüngere Kinder sollten demnach nur maximal zu zweit im selben Zimmer wohnen müssen.

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